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10. Juni 2007, 16:17 Uhr

Tollpatsch auf Reisen

Das Auto kaputt, den Papst wie einen General angesprochen und der Geigerin derbe auf die Schulter geklopft: Wenn der US-Präsident auf Reisen geht, lässt er kein Fettnäpfchen aus. Das Gute an seinem Amt: Beim Präsidenten wird auch bei schlimmen Patzern beiseite geschaut, wenn Normalsterbliche längst rausgeflogen wären.

Hier fuhr der Präsidneten-Dampfer noch, aber zum Glück ist "Rancher" Bush gut zu Fuß© Caludi Onoratie/DPA

"Ein Mann aus Texas" wird man sich im Vatikan gedacht haben. US-Präsident George W. Bush, der in Washington schon mal Reporter anraunzt, wenn die ihn nicht höflich genug ansprechen, antwortete Papst Benedikt XVI. am Samstag locker auf eine Frage mit "Yes, Sir!". Manch einer der formbewussten Prälaten im Vatikan wird gezuckt haben bei der ungebührlichen Anrede des Heiligen Vaters. Aber die Herkunft aus dem Wilden Westen kann kaum als Entschuldigung für das zuweilen eigenwillige Auftreten herhalten - schließlich stammen Bush und seine Familie eigentlich aus Connecticut an der US-Ostküste.

Bush ist eigentlich kein Landei

Allerdings entspricht der Republikaner, der lange in Texas lebte und dort Gouverneur wurde, nicht selten den Klischees, mit denen man gemeinhin und sicher zu Unrecht Texaner beschreibt. Beispielsweise saß Bush dem Papst bei der Audienz im apostolischen Palast sehr lässig gegenüber, die Beine "auf texanische Art" übereinander geschlagen, wie es die "Chicago Tribune" beschrieb. Die "La Repubblicca" berichtete vom Stirnrunzeln im Vatikan angesichts des betont leutseligen Besuchers.

Auch in Heiligendamm verwirrte der US-Präsident Gastgeberin Angela Merkel und die übrige G8-Schar mit ungewöhnlichem Auftreten. Der virtuose Auftritt der Geigerin Julia Fischer, die Werke von Beethoven und Mendelssohn-Bartholdy spielte, begeisterte Bush sichtlich - also klatschte er bereits nach dem ersten Satz des Konzertstücks. Höflich applaudierten die anderen Gipfelteilnehmer nach kurzem Zögern auch, wie dann nach jedem Satz, wohl wissend, dass sich das in klassischen Konzerten eigentlich nicht gehört. Am Ende des Auftritts der Star-Violinistin soll Bush der zarten Violinistin anerkennend auf die Schulter geklopft haben.

Ungewohntes Essen - Bier von daheim

Zu unabsichtlichen Peinlichkeiten der präsidialen Europa-Reise gesellte sich für Bush diesmal auch normales Pech, das wohl manch unbedarften amerikanischen Touristen ereilt. So schlug das ungewohnte Essen auch Bush auf den Magen: Tagelang kämpfte er mit Unwohlsein, war sichtlich blass um die Nase. Beim G8-Gipfel musste er den französischen Amtskollegen Nicolas Sarkozy in seinen Privatgemächern in Heiligendamm empfangen - in sicherer Nähe zu den Badezimmern.

Bush teilt sicher mit vielen seiner Landsleute ein gewisses Misstrauen gegenüber dem alten Kontinent und seine Produkte. Bushs Gastgeber haben wohl Verständnis, wenn der US-Präsident vor allem auf eigene Sicherheitsleute oder Kommunikations-Elektronik setzt. Dass er aber beim G8-Gipfel im Bierland Deutschland wie selbstverständlich sein aus Texas mit gebrachtes, alkohol-freies "Buckler"-Bier trank, wunderte dann doch viele.

Der Präsident hat es sicher nicht bös' gemeint, als ihm die Anrede für den Heiligen Vater gerade nicht einfallen wollte© DPA

Auto aus Amerika

Bushs Vertrauen in die US-Qualitäten wurde allerdings in Rom ziemlich enttäuscht - Bush hatte mit seiner aus den Washington eingeflogenen gepanzerten Staatskarosse Probleme. Die Fahrt vom Vatikan in die US-Botschaft stoppte eine Motorpanne. Der Präsident musste mehrere Minuten lang in dem Wagen mit den dunklen Scheiben sitzen bleiben. Und sich als das wuchtige Auto wieder in Bewegung setzte, gab es kurz darauf ein weiteres unvorhergesehenes Hindernis: Das präsidiale Fahrzeug erwies sich als zu breit für die Toreinfahrt der Botschaft. Bush musste aussteigen und zu Fuß weitergehen.

Worte der Woche "Ich glaube nicht, dass ich von einem Stichtag gesprochen habe. Ich dachte, ich habe gesagt, Zeit - Ich habe das gesagt? Was genau habe ich gesagt? Ich habe Stichtag gesagt? Okay, ja, dann habe ich gemeint, was ich gesagt habe." US-Präsident George W. Bush in Tirana

Laszlo Trankovits/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 28)
 
bob-der-meister (11.06.2007, 15:46 Uhr)
@Taifun
Dear brother in spirit,
I'm also delighted by this enjoyable communication.
Here is one more excellent quote from the mightiest man in the world:
"What I'm telling you is there's too many junk lawsuits suing too many doctors." --George W. Bush, Washington, D.C., May 10, 2007
Take care,
bob
Taifun (11.06.2007, 15:15 Uhr)
@bob-der-meister
Dear Bob,
whatever floats your boat!
Let's just call it a stalemate.
Enjoyed our conversation as well. Cya mate!
bob-der-meister (11.06.2007, 14:53 Uhr)
@Taifun
Thanks for answering, mate.
Oh, was that a step in the fat bin from me?
I white it, Lübke was a stupid-talker. Not everyone is an English runaway as we both are.
Lübke was a legend!
But this was about 50 years ago. And Lübke didn't quite have "equal" powers as Dubble-U.
Thanx for answering though.
Now I'm making myself me-nothing-you-nothing out of the dust.
Guess what that means!
HAND (Have a nice day!)
Taifun (11.06.2007, 14:37 Uhr)
@bob-der-meister
Dear Bob,
stating that I confused reality with a joke is one thing, proving me wrong another.
Anyways, I could also give you another excellent example of German politicians trying to make conversation in English: Mr. Lübke when he literally translated the following German sentence "Gleich gehts los" into "Equal it goes loose"
bob-der-meister (11.06.2007, 14:22 Uhr)
Re: Gibt schlimmeres-d'accord
Vollkommen klar.
Zum Beispiel Angriffskriege ohne UN Mandat, Kollateralschäden, Guantanamo, Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Bürgerrechte, Todesstrafe, usw.usw.
Das alles ist schlimmer als sich unsicher auf internationalem Terrain zu bewegen.
Es ist auch eine Frage des Stils. Jeder internationale Konzernlenker wäre bei so einer Aneinanderreihung von Fettnäpfen in das Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil die Aktionäre sich fragen würden, ob so ein Manager ein Wirtschaftsunternehmen führen kann.
Aber nicht nur in der Wirtschaft, auch in der internationalen Politik macht der Ton die Musik. Ein Präsident einer Weltmacht kann halt nicht dabvon ausgehen, dass überall dieselben Regeln gelten wie bei einem Countrykonzert.
RomanTicker (11.06.2007, 12:56 Uhr)
Gibt schlimmeres
Die angeführten Patzer im Artikel sind kaum der Rede wert. Da hat Bush z.B. Sir zum Papst gesagt. Na und? Die Anrede Sir ist durchaus eine respaktable. Und der Papst ist nun mal auch nur ein Mensch. Blödsinnige altertümliche Bräuche sind auch nur irgendwann mal entstanden und werden sicherlich im Laufe der Zeit einem Wandel unterliegen.
Und Bush hat im Violinenkonzert zu früh geklatscht, na und? Auch das ist nicht unfreundlich, eher unwissend, aber es darf wohl kaum vorausgesetzt werden, dass jeder Mensch den gleichen Musikgeschmack hat und die Gepflogenheiten bei klassischen Konzerten kennt.
Also was soll der ganze Mumpitz? Bush finde ich politisch nicht gut, aber dass er inzwischen für jede Kleinigkeit zur Witzfigur gemacht wird, ist einfach unsinnig.
Vincent_Vega (11.06.2007, 12:36 Uhr)
Es gibt auch noch andere Patzer
Ronald Reagan "verkündete" während einer Mikrofonprobe den Atomangriff auf die damalige Sowjetunion.
"Herr (Parlaments)Präsident, mit Verlaub, Sie sind ein Arschloch" ist ein deutsches Beispiel.
Unser ehemaliger Bundespräsi Hertzog wurde auch schon mal mit der Hymne "Auferstanden aus Ruinen" empfangen.
Selbst Kohl hatte einen bösen Kommentar über seinen späteren Kumpel Gorbatschow losgelassen...
Aber: bei George W. Bush scheinen die Patzer vermehrt zu häufen.
Vielleicht aber schaut man bei ihm auch genauer hin, um nur ja nix zu verpassen...
bob-der-meister (11.06.2007, 12:08 Uhr)
The difference between joke and reality
Oh, dear Taifun, I forgot to mention that you mixed up a joke with reality. Kohl has never, as far as I know of, even tried to use English in diplomatic conversation. He was right not doing so. He never pretended to speak or understand English.
In case you missed the point: He never actually said "You can say you to me". Neither did he answer to Maggie Thatcher's "To your health" - "to your dunkelth"!
IT WAS JUST A JOKE!!!
Got the point?
bob-der-meister (11.06.2007, 11:59 Uhr)
wieso denn US-feindlich???
Wer so argumentiert, dass jegliche Kritik oder auch Polemik gegen einen Volksvertreter gleich borniert oder fremdenfeindlich ist, hat ein eigenartiges Verständnis von einer pluralen Demokratie!
Das sind für meine Begriffe so richtige Piefkes, die immer schön artig alles abbiegen wollen, was kritisch gegen einen "Volks"- (oder Lobby?)vertreter interpretiert werden könnte. Womit ja keineswegs ein ganzes Volk abqualifiziert wird!
Ohne Kritik keine Demokratie und keine Meinungsfreiheit!
Gut dass wir (wenigstens) hier bei uns noch Presse- und Meinungsfreiheit haben!
Malt (11.06.2007, 11:30 Uhr)
Der Unterschied ist nur...
... was hie rgeschrieben wird interessiert keine alte Sau!
Und Bush ist nun mal ein Volldepp, dass kann man, bei aller deutschfeindlichekeit, halt nicht vond er Hand weisen. Die Alpha-Marionette der US amerikanischen Öl und Waffenlobby hat halt, im Gegensatz zu Lübke oder Kohl, einen Krieg in einem Land angefangen, von dem er vermutlich nicht mal die Geographische Lage gekannt hat (ob er es jetzt weis, ist für mich noch immer fraglich).
UND: Unsere Politiker, so scheiße wie sie sind von Kohl bis hin zu seiner Ziehtochter Angela, können sich mit dem Ami wenigstens in Englisch, also in seiner Sprache, unterhalten. Ich könnte Wetten, dass Bush glaubt, es wäre die einzige Sprache, die's auf der ganzen Welt gibt.
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