. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
5. Februar 2012, 15:32 Uhr

Ein Nein schockt die Welt

"Beschämend", "Erlaubnis zum Töten", "falsche Entscheidung": Die halbe Welt ist nach dem Scheitern der Syrien-Resolution entsetzt. Vor allem Russland steht am Pranger, gibt aber dem Westen die Schuld.

Syrien, Resolution, UN, New York, Reaktionen, Homs, Russland, China, Westerwelle, Rice, Human Rights Watch

Anti-Assad-Protest auf dem Balkon der syrischen Botschaft im libyschen Tripolis. Auch in Berlin, Kairo, London und Canberra wurden die Vertretungen gestürmt© Mahmud Turkia/AFP

Die Empörung durchzieht die halbe Welt: Vom Europa über die arabische Welt bis in die USA verurteilen Politiker, Menschenrechtler und Diplomaten das strikte Nein Russlands und Chinas zu einer Resolution gegen Syrien beziehungsweise dessen Machthaber Baschar al Assad. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sprach von einer "großen Enttäuschung für das syrische Volk". Die UN-Botschafterin der USA, Susan Rice, verurteilte das Veto als "beschämend" und Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach von einer "falschen Entscheidung und einer Entscheidung gegen die Menschen in Syrien".

Für den Resolutionsentwurf stimmten bis auf Russland und China alle 13 weiteren Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. Er sah eine Verurteilung der Menschenrechtsverletzungen durch die Führung in Damaskus vor. Bei den Protesten in Syrien wurden seit März 2011 laut Aktivisten mindestens 6000 Menschen getötet. Bereits im Oktober hatten Russland und China ihr Veto gegen eine Syrien-Resolution eingelegt.

Russland und Chinas müssen Massaker verantworten

Die jemenitische Oppositionsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Tawakkol Karman sagte bei der Münchener Sicherheitskonferenz, beide Länder trügen "die menschliche und moralische Verantwortung für die Massaker" in Syrien. Als "Erlaubnis zum Töten" kritisierte der oppositionelle Syrische Nationalrat das Veto. Die sture Haltung Russlands und Chinas entsetzte in München den Großteil der Teilnehmer. Konferenzleiter Wolfgang Ischinger sagte, er sei "betrübt", dass das eigentlich als Ort zielführender diplomatischer Gespräche bekannte Treffen diesmal nicht zur Lösung von Konflikten hätte beitragen können.

Während der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu China und Russland vorwarf, mit ihrem Veto der "Logik des Kalten Krieges" gefolgt zu sein, sagte der Chef der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, Kenneth Roth, das Veto habe den Sicherheitsrat "irrelevant" werden lassen. Der US-Senator Joseph Lieberman brachte angesichts der Blockade des Gremiums Waffenlieferungen an die syrischen Rebellen ins Spiel. US-Präsident Barack Obama verlangte den sofortigen Rücktritt des syrischen Staatschefs Baschar al Assad.

Tunesien weist syrischen Botschafter aus

Viele Auslandssyrer ließen ihre Wut an Botschaftsgebäuden aus. Als Reaktion auf den Angriff in Homs stürmten Demonstranten die syrischen Botschaften in Berlin, Athen, Kairo, Kuwait, London und Canberra. Tunesien kündigte die Ausweisung des syrischen Botschafters an und forderte andere Staaten auf, es dem Land gleichzutun. In der Nacht zum Samstag waren laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London bei Armee-Angriffen auf die Protest-Hochburg Homs 237 Zivilisten getötet worden, darunter rund hundert Frauen und Kinder. Der Syrische Nationalrat sprach von 260 Toten. Damaskus machte "bewaffnete Banden" verantwortlich. US-Außenministerin Hillary Clinton bezeichnete die Ereignisse in Homs als "wahren Albtraum". Der Angriff auf Homs war den Berichten zufolge der blutigste Tag seit Beginn der Proteste im März.

In anderen Teilen des Landes wurden laut der Beobachtungsstelle weitere 48 Menschen getötet. Zwölf Zivilisten seien getötet worden, als Sicherheitskräfte auf Teilnehmer einer Beerdigung in Daraja schossen, die die Opfer vom Vortag zu Grabe trugen. Am Sonntag wurden demnach mindestens drei Zivilisten und neun Soldaten getötet.

Russland will Assad zu Reformen anhalten

Der russische UN-Botschafter Witali Tschurkin verteidigte das Veto. Der Resolutionsentwurf sende "ein unausgewogenes Signal" an die Konfliktparteien. Vize-Außenminister Gennadi Gatilow warf dem Westen vor, für das Scheitern der Resolution verantwortlich zu sein: Dieser habe "bedauerlicherweise" keine zusätzlichen Anstrengungen unternommen, "um zu einem Konsens zu kommen". Russlands Außenminister Sergej Lawrow wird am Dienstag nach Damaskus reisen, nach Angaben seines Ministeriums will er Assad dabei zu "schnellen" Reformen anhalten. Kommenden Samstag wird sich die Arabische Liga in Kairo treffen. Der Vorsitzende des Staatenbundes, Nabil al-Arabi, sagte, die Organisation werde auf eine "politische Lösung" mit der syrischen Regierung und deren Gegnern zusammenarbeiten. Hauptziel sei es, "der Gewalt und dem Morden ein Ende zu setzen und die Zivilisten zu schützen". Doch bis dahin vergeht eine weitere Woche, in der die syrische Führung unter Staatschef Assad die Proteste gegen ihn weiter blutig unterdrücken kann.

nik/DPA/AFP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Gescheiterte Syrien-Resolution Machtdemonstration auf Kosten der Syrer

Bis zuletzt wurde verhandelt. Doch dann ist eine Verurteilung des mörderischen Assad-Regimes im Uno-Sicherheitsrat gescheitert - weil Russland als Machtpolitik verbrämten Zynismus an den Tag legt. mehr...

Bürgerkrieg in Syrien Russland blockiert UN-Resolution

Der UN-Sicherheitsrat kommt in Sachen Syrien nicht weiter: Mit einem Veto verhinderten Russland und China eine Resolution - gegen eine große Mehrheit aus Arabern und Europäern. mehr...

Unruhen in Syrien Hunderte Menschen sterben bei Blutbad in Homs

Bei einem Blutbad in der syrischen Rebellenhochburg Homs sollen mehrere hundert Menschen ums Leben gekommen sein. Opposition und Regierung beschuldigen sich gegenseitig. mehr...

Die UN und Syrien 30 Jahre und kein bisschen weiser

Die Weltgemeinschaft kann sich nicht durchringen, Syriens Assad-Regime Einhalt zu gebieten. Bereits vor 30 Jahren machte sie diesen Fehler. Damals starben in Hama Tausende. Und jetzt? mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (22/2012)
Dick im Geschäft