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30. August 2008, 08:30 Uhr

Kritik an deutscher Afghanistan-Mission

Nach den tödlichen Schüssen deutscher Soldaten auf Zivilisten in Afghanistan fordern Teile der Opposition die Beendigung des Bundeswehr-Einsatzes. Der Vorfall zeige, wie katastrophal die Lage dort sei. Andernfalls drohe Deutschland "im Sumpf eines schmutzigen Krieges" zu versinken.

Deutsche Soldaten der ISAF-Einsatzkompanie auf Patrouille durch Kabul© Paula Bronstein/Getty Images

Nach den tödlichen Schüssen auf Zivilisten an einem Bundeswehr-Kontrollpunkt in Afghanistan werden die Rufe nach einem Ende des deutschen Militäreinsatzes wieder lauter. Der stellvertretende Bundestagsfraktionschef der Grünen, Hans-Christian Ströbele, forderte in der "Berliner Zeitung" vom Samstag, der Einsatz müsse "in verantwortbarer Weise" beendet werden. Der Vorfall zeige, wie katastrophal die Lage in Afghanistan sei. Die Hoffnungen auf einen militärischen Strategiewechsel hätten sich nicht erfüllt. Der Fraktionschef der Linken, Gregor Gysi, sagte, Deutschland drohe "im Sumpf eines schmutzigen Krieges zu versinken", der den Terror nicht bekämpfe, sondern zu neuer Gewaltbereitschaft führe, in der zivile Aufbaubemühungen untergingen. Es gebe nur eine Lösung: "Deutschland muss die Bundeswehr aus Afghanistan abziehen".

Tote Zivilisten durch deutsche Soldaten

Erstmals seit Beginn des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan 2002 haben deutsche Soldaten am Donnerstag wahrscheinlich Zivilisten erschossen. Bei einem dramatischen Zwischenfall nahe der Stadt Kundus starben an einer Straßensperre von deutschen und afghanischen Sicherheitskräften eine Frau und zwei Kinder, die in einem Auto auf den Kontrollpunkt zufuhren. Zwei weitere Kinder wurden verletzt.

Am Freitagabend teilte die Bundeswehr im Internet mit: "Nach derzeitigen Informationen wurden am Tatort Spuren gefunden, die die Vermutung nahe legen, dass die Schüsse auf das Fahrzeug aus deutschen Waffen abgegeben worden sind. Ob auch von anderer Seite auf das Fahrzeug geschossen wurde, ist noch nicht abschließend geklärt." Weiter hieß es: "Es gibt zurzeit keinen Grund, den deutschen Soldaten einen Vorwurf zu machen." Die Staatsanwaltschaft Potsdam habe über das Einsatzführungskommando der Bundeswehr von dem Zwischenfall Kenntnis erhalten und routinemäßig ein Verfahren eingeleitet.

Zuerst Warnschüsse abgegeben

Nach Darstellung der Bundeswehr waren am späten Donnerstagabend zwei zivile Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit auf den Kontrollpunkt zugefahren. Sie seien zunächst der Aufforderung zum Halten gefolgt. Vor einer Untersuchung habe sich das erste Fahrzeug aber plötzlich wieder in Bewegung gesetzt. Deutsche Soldaten und vermutlich auch Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte hätten daraufhin Warnschüsse in die Luft abgegeben. Dann hätten die Soldaten von einem geschützten Fahrzeug aus das Feuer auf das erste Fahrzeug eröffnet.

FDP-Generalsekretär Dirk Niebel forderte in der "Berliner Zeitung" eine Verschiebung des Schwerpunkts des deutschen Engagements hin zu einer deutlich verstärkten Polizeiausbildung. Die Afghanen müssten die öffentliche Sicherheit und Ordnung selbst wirkungsvoll gewährleisten können. So lange die Terrorgefahr fortbestehe, werde es sich vermutlich niemals verhindern lassen, dass auch unbeteiligte Personen gefährdet werden, wie es jetzt geschehen sei.

Auch Polizeigewerkschaft überlegt Abzug

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) meldet jedoch Zweifel an, ob überhaupt noch Polizeibeamte in Afghanistan eingesetzt werden sollen. Der GdP-Vorsitzende für den Bereich Bundespolizei, Josef Scheuring, sagte der in Essen erscheinenden "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Samstag), die Politik müsse den Mut haben, gegebenenfalls das zivile Krisenmanagement zurückzuziehen. Derzeit sind dem Bericht zufolge 62 deutsche Polizisten in Afghanistan, um beim zivilen Aufbau des Landes mitzuhelfen. Die Bundesregierung plant, ihre Zahl zu erhöhen.

Linksfraktionschef Gysi warnte: "Die Tötung von afghanischen Zivilisten unter Mitverantwortung deutscher Soldaten spitzt die Lage extrem zu". Deutschland drohe "im Sumpf eines schmutzigen Krieges zu versinken, der den Terror nicht bekämpft, sondern zu neuer Gewaltbereitschaft führt, in der zivile Aufbaubemühungen untergehen".

Schnelle Opferhilfe

Der Verteidigungsexperte der Grünen im Bundestag, Winfried Nachtwei, warnte in der "Frankfurter Rundschau" davor, dass die Bundeswehr in Afghanistan in eine "Spirale gerät, in der Afghanen nur noch als verdächtig angesehen werden und auf der anderen Seite die Afghanen Angst vor den deutschen Soldaten bekommen". Nun müsse den Angehörigen der Opfer schnell geholfen werde.

DPA/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 51)
 
kochc (01.09.2008, 13:15 Uhr)
@Gisella
Ich verstehe Sie schon wieder nicht - dass irgendwer gegen etwas demonstriert, bedeutet doch nicht, dass er Recht hat. Die Geschichte des NATO-Doppelbeschlusses, den Helmut Schmidt entworfen hat, zeigt doch, dass er Recht hatte und nicht die Hunderttausend, die in Bonn demonstriert haben. Sie tun so, als ob die Sowietunion eine ganz nette Veranstaltung gewesen sei - das war ein totalitäres, menschenfressendes Regime, das sich halb Europa unter den Nagel gerissen hat. Fragen Sie mal einen Tschechen, Polen oder Ungarn, wie nett es ist, solche Freunde zu haben, im Vergleich zu Amerikanern, die ihnen Schokolade, Kohlen und Rosinen einfliegen, wenn's hart kommt.
kochc (01.09.2008, 13:09 Uhr)
Back to topic...
Ja, nun, dass es in den fiestesten downtown school districts der USA - vor allem übrigens in denen, die sein Jahrzehnten von den Demokraten verwaltet werden - Leute gibt die nicht lesen können, kann ja nicht zur Folge haben, dass die USA sich deshalb nicht mehr international engagieren dürfen.
Ich habe den Eindruck, dass einige unbedingt, mit welchem Argument auch immer, das barbarische Wesen der amerikanischen Politik, des Amerikaners an sich und alles Amerikanischen beweisen wollen. Das erscheint ihnen wichtiger als die Frage, was denn nun in Afghanistan geschehen soll.
Tatsache ist doch, dass wir, zusammen mit vielen Verbündeten, aus verschiedenen und guten Gründen dort einen politischen Wechsel herbeigeführt haben.
Wie sie wissen, ist Deutschland daran in vielerlei Weise beteiligt, und nicht zuletzt haben die entscheidenden Konferenzen auf dem Petersberg bei Bonn stattgefunden.
Da wir nun einmal diesen Weg gegangen sind, kann man ohnehin nicht mehr kneifen, denn das hieße ja, die die uns vertrauen (und unserem Wertesystem am nächsten stehen) zu verraten und auszuliefern.
Wie sich jedermann überzeugen kann, übertrifft die Zahl der Opfer der kommunistischen Regimes in Südostasien/Indochina die der Opfer des Vietnam-Krieges bei weitem, und obwohl sich die Amerikaner sich Schlimmes geleistet haben, muss auch die Frage erlaubt sein, ob sie vor der einmal übernommenen Verantwortung hätten Reisaus nehmen dürfen.
Auch auf dem Balkan, wo Sarajevo zu einer Menschen-Abschuss-Galerie umfunktioniert wurde und die Serben drauf und dran waren, die Albaner auszurotten, musste gehandelt werden.
Dass das immer unschöne Seiten hat und nicht nur schön, lieb und prima laufen kann, weiß doch jeder. Auf jeden Fall kann man sich nicht einfach davonstehlen.
Gisella (01.09.2008, 13:01 Uhr)
Unverständlich
für Sie, was ich da wissen wollte?? Warum haben wir noch Atomsprengköpfe von den USA in der Eifel g-e-l-a-g-e-r-t?Wenn das legitim ist- warum wird dann dagegen demonstriert??? Warum ist die Soviet-Armee abgezogen -wenn doch die Amis hierbleiben "durften"????Und was die Russen tun- endlich ein Gleichgewicht herstellen- es kann und darf nicht nur die USA geben, die alles beherrschen wollen.
paulmaz (01.09.2008, 12:43 Uhr)
@ kochc
Ich glaube, sie sollten langsam wachwerden. Kennen sie die Haupt
stadt der Analphabeten? WASHINGTON!
1/3 der Bewohner sind nicht in der
Lage, einen sinnvollen Satz zu
schreiben, zu lesen, oder zu erklären
Zwischen 21 und 23% der US Bürger können das ebenfalls nicht.
Quelle: WELT - Online
kochc (01.09.2008, 12:43 Uhr)
Sowas kommt von sowas...
...das ist nun wirklich einfach: Die Sowjetsoldaten kamen nicht in die Eifel _weil_ die Sprengköpfe dort waren. Sonst wäre Stalin bis zur Algarve durchmarschiert, daraus hat er keinen Hehl gemacht. Und wenn sie in den letzten Tagen verfolgt haben, was die Russen so treiben, wird sich daran wohl auch nicht viel ändern lassen.
Gisella (01.09.2008, 12:38 Uhr)
@kochc.
durch unseren Aufenthalt in den USA sind wir anscheinend etwas"under educated"-bin gerne bereit, dazuzulernen.-Und das trifft dann auch auf die Atomsprengköpfe in der Eifel zu??? Wenn doch alles so "abesegnet" wurde, warum fanden dann die DEMOS statt-ist mir da wieder etwas entgangen???-Und warum sind die Soviet-Soldaten nicht hier?
kochc (01.09.2008, 12:31 Uhr)
Friedensvertrag
Das ist nun leider schon wieder ganz falsch, denn der Zwei-plus-Vier-Vertrag ist der Souveränitätsvertrag für Deutschland - die Alliierten Vorbehaltsrechte sind mit dem Inkrafttreten des Vertrages am 15. März 1991 erloschen, womit sich die Frage des Friedensvertrages erledigt hat.
Die Streitkräfte der USA in Deutschland sind aufgrund von NATO-Vertrag und Stationierungsabkommen hier, und dazu sind sie durch die entsprechenden Ratifikationen im Deutschen Bundestag legitimiert.
Gisella (01.09.2008, 12:26 Uhr)
@kochc.
wie soll man sie denn anderes nennen? Irak, Afghanistan, Japan, Koera und Deutschland- "our base in Germany" "our hospital in Germany"Ach, ja , habe vergessen, wir haben ja immernoch keinen friedensvertrag mit unseren Siegermächten- da haben sie das recht , hier zu sein.????
kochc (01.09.2008, 12:23 Uhr)
korrektur
ähem, ich meinte, ich habe mir erlaubt zu überprüfen. ;-)
kochc (01.09.2008, 12:22 Uhr)
Lesen und Schreiben
>Kurzum die Mehrheit der USA Menschen ist
>ungebildet, kaum fähig zu schreiben oder zu
>lesen
Nur der guten Ordnung halber, und damit nicht jeder einfach so vor sich hin blubbert, habe ich mir erlaubt, mithilfe des National Center for Education Statistics überprüft, wie viele Amerikaner lesen und schreiben können. Es sind 99,7 Prozent, eine von der UNESCO anerkannte Zahl. Ich habe auch sogleich die von der UNESCO anerkannte Zahl für Deutschland recherchiert.
Es sind 99,0 Prozent.
:-)
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