Libyer wollen die Leiche sehen

22. Oktober 2011, 09:55 Uhr

In Misrata stehen Menschen Schlange, um noch einmal den toten Ex-Diktator Gaddafi zu sehen und zu fotografieren. Sein Stamm fordert derweil die Herausgabe des Leichnams.

Muammar al Gaddafi, Libyen, Zukunft, Übergangsrat

Der Andrang ist gewaltig: Zahllose Libyer stehen an, um noch einmal die Leiche des gestürzten Diktators Gaddafi zu sehen©

Der Stamm Muammar al Gaddafis hat den Nationalen Übergangsrat aufgefordert, die Leichen des libyschen Ex-Diktators und seines Sohnes Mutassim unverzüglich herauszugeben. Sie sollten nach islamischem Brauch in ihrer Heimatstadt Sirte bestattet werden, heißt es in einer Mitteilung, die der Pro-Gaddafi-Sender Al-Rai mit Sitz in Syrien veröffentlichte. Die Unterzeichner, die von "Märtyrern" sprechen, wenden sich dabei auch an die Vereinten Nationen, die Organisation der Islamischen Konferenz und die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

Nach Informationen des britischen Senders BBC soll die Leiche demnächst obduziert werden, um Klarheit zu schaffen. Zu den genauen Todesumständen Gaddafis gibt es weiterhin unterschiedliche Darstellungen. Offizielle Stellen in Tripolis behaupten, der verletzte Gaddafi sei auf der Fahrt nach Misrata im Krankenwagen ins Kreuzfeuer neuer Kämpfe geraten und dabei tödlich verletzt worden. Nach Einschätzung eines Arztes starb der Ex-Diktator durch "Schüsse aus nächster Nähe in Kopf und Bauch". Dies könnte auf eine absichtliche Erschießung hindeuten, berichtete der arabische Fernsehsender Al-Arabija.

Gaddafi-Anhänger sollen keinen Wallfahrtsort bekommen

In Misrata bildeten sich am Freitag lange Schlangen von Menschen, die den Leichnam sehen und mit Handy-Kameras Fotos machen wollten. Er lag auf einer Matratze am Boden, amerikanischen Presseberichten zufolge in einem Supermarkt-Kühlraum.

Nach muslimischer Tradition werden Tote normalerweise binnen 24 Stunden beigesetzt. Der Nationalrat war sich aber am Freitagabend noch nicht einig, wann und wo der Tote begraben werden soll. Auf jeden Fall soll der Ort geheimbleiben, damit Gaddafi-Anhänger keinen Wallfahrtsort bekommen.

Wegen der rätselhaften Umstände des Todes hatten zuvor die Vereinten Nationen und Gaddafis Ehefrau Safija Aufklärung verlangt. "Wir wissen nicht, wie er gestorben ist. Dazu muss es eine Untersuchung geben", sagte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf.

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