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Die Spirale der Gewalt dreht sich immer schneller

Auf einen israelischen Luftangriff folgt das Attentat einer Palästinenserin: Die Gewalt im Nahen Osten wächst seit Wochen wieder an. Nicht nur die USA betrachten die Entwicklung mit Sorge.

Mehrere Polizisten stehen an einem durch eine Explosion beschädigten Auto einer palästinensischen Attentäterin

Israelische Sicherheitskräfte untersuchen das Auto, in dem sich eine Palästinenserin an einem Chckpoint in die Luft sprengte

Bei einem israelischen Luftangriff im südlichen Gazastreifen sind nach palästinensischen Angaben zwei Menschen ums Leben gekommen. Bei ihnen handele es sich um eine schwangere 30-Jährige und deren vierjährige Tochter, sagte Aschraf al Kidra, Sprecher des Gesundheitsministeriums in Gaza, am frühen Sonntagmorgen. Damit stieg die Zahl der seit Freitag im Gazastreifen getöteten Palästinenser auf elf. Neun junge Männer waren zuvor bei Zusammenstößen mit israelischen Soldaten an den Grenzanlangen ums Leben gekommen. Dem Luftangriff vorangegangen war nach Armee-Angaben Raketenbeschuss aus dem Küstengebiet auf Israel.

Eine palästinensische Autofahrerin hat bei einer Polizeikontrolle nahe Jerusalem einen Sprengsatz gezündet und sich erheblich verletzt. Ein Polizist sei dabei am Sonntagmorgen leicht verletzt worden, berichtete die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf die israelischen Behörden. Der Polizist habe das Fahrzeug an einem Kontrollpunkt bei der israelischen Siedlung Maale Adumim östlich von Jerusalem gestoppt, als die Fahrerin "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen und die Explosion ausgelöst habe. Der israelische Armeesprecher Peter Lerner bestätigte den Vorfall auf Twitter.

Bereits in den vergangenen anderthalb Wochen waren bei Schuss- und Messerattacken in Israel und den besetzten Gebieten vier Israelis getötet und zahlreiche weitere verletzt worden. Die palästinensischen Angreifer wurden in fast allen Fällen getötet oder festgenommen. Die neue Gewalt hatte sich an Streitigkeiten um den Zugang zum Tempelberg-Plateau in der Altstadt von Jerusalem entzündet.

Die USA zeigten sich "zutiefst besorgt". US-Außenminister John Kerry telefonierte am Samstag mit dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. Kerry rief in den Gesprächen dazu auf, von Handlungen abzusehen, die die Spannungen weiter zunehmen lassen würden, wie das US-Außenamt mitteilte.

Haus stürzt nach Angriff ein

In palästinensischen Sicherheitskreisen hieß es, der Luftangriff vom Sonntagmorgen habe einer Ausbildungsstätte des bewaffneten Flügels der im Gazastreifen herrschenden radikalislamischen Hamas gegolten. In der Einrichtung sei niemand verletzt worden. Im Zuge des Angriffs sei jedoch auch ein nahe gelegenes Haus eingestürzt. Al Kidra zufolge kamen die Frau und ihre Tochter dabei ums Leben. Vier weitere Familienmitglieder wurden demnach verletzt.

Nach Angaben der israelischen Armee war der Angriff auf die Ausbildungsstätte eine Reaktion auf Raketenbeschuss aus dem Küstengebiet. Drei Raketen waren zuvor aus dem Gazastreifen in Richtung Israel abgefeuert worden. Wer sie abschoss, war zunächst unklar. Zwei Raketen gingen auf offenem Gelände in Israel nieder. Schäden oder Verletzte gab es nicht.

tkr/DPA
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