Wie ging eigentlich das Tennisduell Schröder-Blair aus? Und über was unterhalten sich die Staatschefs beim Feierabend-Bier? Bela Anda hat als Sprecher der Regierung Schröder fünf Gipfel miterlebt. Im stern.de-Interview erzählt er einige Anekdoten.

An das Treffen in Köln 1999. Politisch, weil wir uns auf den Schuldenerlass für die ärmsten Länder der Welt geeinigt haben. Und dann, weil es möglich war, den Gipfel zwar mit Proteste aber ohne Krawalle durchzuführen. Es herrschte eine friedliche Stimmung. An einem Abend konnten Schröder, Clinton und Chirac sogar noch in die Altstadt ein Kölsch zusammen genießen - Seite an Seite mit Kölner Bürgern.
Anda: Ganz klar der Gipfel in Genua im Jahr 2001. Alle Gipfelteilnehmer waren überrascht von den Ausmaßen der Proteste. Bei den Straßenschlachten wurde ja auch ein Demonstrant getötet. Das war eine Tragödie. Diese Ereignisse haben jeden bedrückt, natürlich auch die Staats- und Regierungschefs. Wir waren auf zwei Schiffen im Hafen untergebracht, und von dort aus sahen wir die Rauchfahnen über der Stadt. Das hat niemanden kalt gelassen.
Anda: Klar machen sie dabei auch mal was Privates zusammen. Sie treffen sich etwa zu einem lockeren Gespräch auf der Terrasse. Einmal saßen Bush und andere Regierungschefs beieinander. Wladimir Putin kam etwas später hinzu, und Bush lud ihn dann mit den Worten "Hey Wladimir, just get over here" ein, sich dazuzusetzen. Es geht also schon mal locker zu.
Anda: Witzig fand ich die Begrüßung von George Bush in Gleneagles. Blair hatte die Staats- und Regierungschefs auf dem fein geschnittenen fast manikürt wirkenden Rasen des Golfhotels in Gleneagles zusammengerufen. Bush ging auf Schröder zu mit den Worten: „Hi Gerhard, wanna play Crocket?“. Der Rasen sah wirklich so aus. Kurz darauf ließen die Terrorattentate von London jedoch jede Fröhlichkeit verstummen. Wenn die Regierungschefs mal informell auf der Terrasse zusammensitzen, geht es um Politisches und um Privates, etwa die Landschaft, das Hotel, den Ausflug am Vorabend. Besonders an diesen Treffen ist, dass es im Vergleich zu anderen internationalen Konferenzen eine der wenigen Gelegenheiten für die Staats- und Regierungschefs ist, in diesen Momenten wirklich unter sich zu sein – ohne Berater, andere Minister oder Abteilungsleiter. Das schafft eine besondere Nähe.
Anda: Abends geht das Programm oft mit Arbeitsessen weiter. Es gibt weitere Gespräche, sie treffen sich mit ihren Beratern und erarbeiten Strategien.
Anda: Also Gerhard Schröder jedenfalls mochte die Sauna nicht. Ich kann mich aber an eine ungewöhnliche Begebenheit beim Gipfel in Sea Island in den USA erinnern. Spät abends haben der britische Premier Blair und Gerhard Schröder noch über Tennis geredet. Sie wollten dann wissen, wer der bessere Spieler ist. Da der nächste Tag aber mit Terminen komplett ausgebucht war, haben sie sich in aller Herrgottsfrühe zu einem Spiel verabredet. Um sechs Uhr ging's los.
Anda: Tony Blair hat sich wohl etwas überschätzt. Schröder hat ihn in gut einer Stunde in zwei Sätzen besiegt. Blair war aber nicht beleidigt, er hat die Niederlage wie ein guter britischer Sportmann hingenommen. Zu einer Revanche ist es aber meines Wissen nach nie gekommen. So ein Spiel ist aber schon außergewöhnlich, denn diese Treffen sind ja kein Sportausflug.
Anda: Schröder hat sich natürlich sehr gut mit Wladimir Putin verstanden, auch mit Jacques Chirac. Und auch wenn sie sich politisch so fern waren, menschlich waren sich Bush und Schröder sogar relativ nahe. Es gibt unter den Staatschefs ein Grundverständnis für die Situation der anderen. Alle wissen, dass der andere einen harten Job hat und wie hoch die Belastung ist.
Anda: Nein. Legendär war der Gipfel in Evian 2003 auf dem Höhepunkt des Streits über den Irakkrieg. Es gab damals massive politische Spannungen zwischen Bush und Chirac. Aber es ging nie ins Persönliche.
Anda: Nein, die Atmosphäre war schon frostig und die Tischordnung war entsprechend. Bush saß nicht neben Chirac, der Platz, der ihm vom Rang entsprechend zustand und der protokollarisch vorgesehen ist. Aber es sind ja immer runde Tische, da fällt das nicht so sehr ins Gewicht.
Anda: Nicht wirklich. Sie duzen sich von Anfang an. Aber es gibt schon Unterschiede, wie die Staatschefs aufeinander zu gehen. Manche bleiben eher formal und zurückhaltend, manche sind herzlicher und wollen von dem Neuen in der Runde Persönliches erfahren.
Anda: Also Bush ist, auch wenn man mit seiner Politik vielleicht nicht einverstanden ist, ein sehr kumpelhafter und umgänglicher Typ. Er geht offen und direkt auf die Menschen zu. Seine Frau habe ich aber eher als distanziert erlebt. Traditionell eher zurückhaltend sind die Japaner.
Anda: Zunächst stellen sich für die Damen immer auch alltägliche Probleme wie: Wo bringe ich meine Tochter unter. Das Rahmenprogramm ist aber meistens schon interessant
Anda: Natürlich können sie sich die Partnerinnen der Staatschefs nicht raussuchen. Generell versuchen sie aber, politische Differenzen, die es zwischen ihren Männern gibt, so gut wie möglich aus den Gesprächen herauszuhalten.
Anda: Die gibt es meines Wissens nach nicht, Staatschefs sind ja keine Popstars. Die freuen sich alle mehr über einfache Mahlzeiten als über größere Kapriolen.
Bela Anda Bela Anda war von 1999 bis 2002 stellvertretender Sprecher der Regierung von Gerhard Schröder, von 2002 bis 2005 erster Regierungssprecher. Er war bei den G8-Gipfeln in Köln 1999, Genua 2001, Evian 2003, Sea Island 2004 und Gleneagles 2005 dabei. Heute ist Anda Kommunikationsdirektor beim unabhängigen Finanzdienstleister AWD