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9. Juli 2009, 06:37 Uhr

G8 setzt Iran Frist im Atomstreit

Die G8-Staaten erhöhen den Druck auf Iran. Bis September habe das Land Zeit, die Verhandlungen über sein umstrittenes Atomprogramm wieder aufzunehmen. Andernfalls werde "das nicht ohne Konsequenzen bleiben", formulierte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Im nächsten Jahr soll es einen Sondergipfel zur weltweiten Gefahr durch den Handel mit illegalem Nuklearmaterial geben.

G8, Klimaschutz, Iran, Nordkorea, L'Aquila

Bitte genau an der Markierung aufstellen: Kanadas Premier Stephen Harper (v.l.), US-Präsident Barack Obama, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Italiens Premier Silvio Berlusconi und Russlands Präsident Dmitri Medwedew© Saul Loeb/AFP

Die G8-Staaten geben nach den Worten des französischen Staatspräsidenten Nicolas dem Iran bis Ende September Zeit, eine Lösung im Atomkonflikt zu finden. "Wir haben uns bemüht hinzunehmen, dass die Sanktionen nicht direkt verschärft werden", sagte Sarkozy am späten Mittwochabend in L'Aquila nach Abschluss des ersten Gipfeltages. Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad werde im August seinen Amtseid ablegen und eine Regierung bilden. Bis September gebe es dann einen Monat Zeit. "Es ist an ihnen, die Entwicklung der Dinge zu bestimmen." Die Regierung in Teheran weigert sich bisher, wie von den UN gefordert die Urananreicherung auszusetzen. Vor allem die USA werfen Teheran vor, heimlich an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Außerdem verurteilten sie die Gewalt nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Iran scharf: In einer am Mittwochabend veröffentlichten Erklärung äußerten sich die Teilnehmer "ernsthaft besorgt" über die Lage im Iran. Der Staatssekretär im US-Außenministerium William Burns sprach von einer überzeugenden Erklärung, die den Ernst der Lage deutlich mache. In dem Papier, das der Nachrichtenagentur AP vorlag, verurteilte die G8 auch die Einschränkungen der Pressefreiheit im Iran sowie die Erklärungen von Präsident Mahmud Ahmadinedschad zum Holocaust.

In scharfer Form verurteilten sie auch die jüngsten Raketenversuche in Nordkorea. Die G8 erklärte, die Führung in Pjöngjang "stellt eine Gefahr dar für Frieden und Stabilität in der Region und drüber hinaus". Die kommunistische Regierung wurde aufgefordert, sich an die UN-Resolutionen zu halten und wieder zum Dialog über das Atomprogramm des Landes zurückzukehren.

Spitzentreffen über nukleare Sicherheit geplant

Zum Thema atomare Sicherheit plant US-Präsident Barack Obama einen Sonder-Gipfel geben: Schon im März kommenden Jahres sollen die Staats- und Regierungschefs von bis zu 30 Ländern in Washington zusammenkommen, erklärte Obama am Mittwochabend in L'Aquila. Obama hatte Anfang der Woche in Moskau, nach einer nuklearen Abrüstungsvereinbarung mit dem russischen Staatschef Dmitri Medwedew, erstmals von einer Konferenz über nukleare Sicherheit gesprochen.

Auf dem geplanten Gipfel sollen demnach Mittel und Wege gesucht werden, Staaten wie etwa den Iran am Bau von Atomwaffen zu hindern. Das Weiße Haus teilte mit, die Konferenzteilnehmer sollten ein Konzept erarbeiten, wie beispielsweise der Schmuggel mit angereichertem Uran und Technologie bekämpft und Nuklearterrorismus abgewehrt werden können. Am Ende des Treffens soll ein gemeinsames Kommuniqué stehen. In Moskau hatte Obama gesagt, dass an der Konferenz alle Staaten teilnehmen sollten, die mit dem Thema der nuklearen Aufrüstung konfrontiert sind. Russland könne Gastgeber eines Folgegipfels sein.

Erweiterte Gipfelrunde debattiert Klimaschutzziele

Am heutigen Donnerstag, dem zweiten Tag des Gipfels, suchen die führenden sieben Industriestaaten und Russland Verbündete im Kampf gegen die gefährliche Erderwärmung. Die G8-Staats- und Regierungschef treffen ihre Kollegen aus fünf aufstrebenden Nationen, um die am ersten Tag beschlossenen Klimaziele in Angriff zu nehmen: Zur sogenannten G5 gehören China, Indien, Brasilien, Mexiko und Südafrika. Diese erweiterte Gipfelrunde könnte in Zukunft eine größere Rolle dabei spielen, die globalen Probleme und Krisen in den Griff zu bekommen.

Es wird mit Spannung erwartet, wie die G5 sowie andere wichtige Industrienationen wie Südkorea, Indonesien und Australien auf die Klimaziele der G8 reagieren werden. Erstmals haben sich die USA - der weltgrößte Klimasünder - unter ihrem neuem Präsidenten Barack Obama auf Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung festlegen lassen.

Erwärmung auf zwei Grad begrenzen

Die G8 wollen, dass sich die Erde - im Vergleich zum Beginn des Industriezeitalters - um weniger als zwei Grad Celsius erwärmt. Geht es zudem nach den G8, sollte der weltweite Ausstoß gefährlicher Treibhausgase bis 2050 um 50 Prozent verringert werden. Die G8 allein müssten dafür die Verschmutzung um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 zurückfahren. Kritische Worte zu diesem Klimaziel kamen allerdings aus der russischen Delegation. Dieses Ziel - Verringerung um 80 Prozent - sei für einige Länder "unerreichbar", sagte Arkadi Dworkowitsch, Wirtschaftsberater des russischen Präsidenten Dmitri Medwedew. "Wir werden dafür nicht unser Wirtschaftswachstum opfern."

Um bei den Verhandlungen über ein neues Weltklimaabkommen im Dezember in Kopenhagen zu einem Erfolg zu kommen, brauchen die G8 alle aufstrebenden Nationen. Diese sogenannten Schwellenländer beharren darauf, dass ihnen die Industriestaaten mit Milliarden beim Klimaschutz unter die Arme greifen.

G5 gegen Staatsbeihilfen

Umstritten zwischen den G8 und ihren Partnern ist auch, wie es mit dem Welthandel weitergehen soll. Die G8 wollen die globalen Märkte offenhalten und strikt gegen Protektionismus vorgehen. Die Welthandelsgespräche zur Liberalisierung des Handels müssten rasch abgeschlossen werden, hieß es am Mittwoch in einer Erklärung. Einen Termin nannten die Staats- und Regierungschefs demnach allerdings nicht.

Die G5 pochen darauf, dass ein Abschluss der Welthandelsrunde vor allem den ärmsten Staaten der Erde zugute kommt. Vor dem Treffen mit den G8 verabschiedeten die G5-Staats- und Regierungschefs eine entsprechende Erklärung. Sie warnten die reichen Industriestaaten davor, mit Staatsbeihilfen deren Volkswirtschaft gegen Wettbewerb zu schützen. Ein Dorn im Auge der G5-Staaten sind auch Exportbeihilfen für Landwirte in Europa und Amerika, die dann die Konkurrenz in Entwicklungsländern mit Dumping-Preisen vom Markt drängten. Zu den Gipfelgesprächen stoßen später dann auch internationale Organisationen dazu, wie Weltbank, Internationaler Währungsfonds und Vereinte Nationen.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
max67 (10.07.2009, 15:42 Uhr)
und wenn schon
Frist hin und her. Seit wann macht man den Bock zum Gärtner? Alle Atommächte auf der Erde versammeln sich und verlangen eine Atomfreie Welt.Soll man darüber lachen oder weinen? Diese Dopplemoral stinkt ja zum Himmel. Abgesehen davon, dem Iran bzw. Seiner Regierung ist es egal, was in Italien beschlossen wurde. Die G-8 versucht der Welt seine Vorstellung zu diktieren und wenn es nicht klappt dann fangen die sogenannten zivilisierten westlichen Länder an, zu beschuldigen und zu drohen. Ein Feindbild brauchte der Westen immer, da es keine Komis mehr gibt und die Chinesen sich ruhig verhalten, sucht man seit 2001 das Feinbild bei Moslems und Komischerweise tun alle so, als wären die Moslems seit an der Beginn der Geswchichte an allem Übel schuld. dabei hat man im Westen seine eigene peinliche und menschenfeindliche Gewschichte vergessen. Naja alles schon mal gesagt, aber ärgerlich und peinlich ist es immer noch!!!!
Malt (09.07.2009, 11:58 Uhr)
@Admins
Ihr seid wirklich die absoluten Oberhelden! Meine Parabell mit den Mafiabossen und dem Taschendieb wird gelöscht, aber wenn Vegefranz hier seinen braunen Müll loswird, das ist natürlich in Ordnung, ganz klar... ist ja auch logisch: Ihr versucht hier ja ständig alle Iraner als Islamisten darzustellen, da muss man dem Vegefranz ja schon fast ein Redakteursgehalt bezahlen für seine wertvollen Beiträge zur Völkerverständigung. Und Bayern tragen alle Lederhosen und fressen den ganze Tag Sauerkraut. L Ä C H E R L I C H... lasst euch halt gleich in "Propagandaabteilung Innenministerium" umbenennen... aber das wiederum würde ja eurem Verhalten, generell nichts beim Namen zu nennen, total wiedersprechen... eigentlich sollte man darüber lachen wenn es nicht so traurig wäre...
galahad610 (09.07.2009, 10:32 Uhr)
au weia...
@admins
hallo stern-admins!
können sie sich wg gmathol nicht mal was überlegen?meinungsfreiheit ist ein sehr hohes gut,aber er missbraucht es schon seit geraumer zeit...
zum thema:es ist ein schritt in die richtige richtung,konsens auf vielen verschiedenen gebieten zu erreichen...BRIC hat natürlich das eigene wachstum vor augen,verständlich das man hier nicht unbedingt die wirtschaftliche entwicklung abwürgen möchte...der iran,oder vielmehr der regierende klerus,stellt ja durchaus ein problem dar,eine rein diplomatische offensive mit fristen und ultimaten(@vegefranz) dürfte tatsächlich nichts bewirken...nordkorea als friedliebend(@gerk) zu bezeichnen dürfte an der realität vorbeigehen..warten wir einfach ab wie sich die ganzen gespräche entwickeln und was tatsächlich dann dabei rauskommt...worte sind schön und gut,an TATEN muss man die regierungen messen...gucken wir mal..
kabelmann (09.07.2009, 09:21 Uhr)
lachhaft
Mit Russland, den USA, Großbritannien und Frankreich haben wir in der G8 vier Atommächte. Diese 4 Atommächte sagen einem Staat, dass er keine Atomwaffen haben darf.
Und das nennen sie jetzt internationale Beziehungen? Die sollen mal lieber vor der eigenen Haustür kehren.
.
Übrigens gabs letztens eine Abstimmung im Bundestag, die nukleare Teilhabe der NATO zu beenden. Soweit ich mich entsinne, fand das die Kanzlerin nicht so toll, Atomwaffen aus Deutschland zu schaffen. Mit solchen Voraussetzungen kann man dem Iran prima irgendwas verbieten...
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