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Staaten stellen Mali 456 Mio. Dollar zur Verfügung

Militäroffensiven sind teuer. In einem riesigen Wüstenland wie Mali ist es schwer, Truppen auf den Weg zu bringen. Schritte zur Finanzierung sind getan - die afrikanische Mission Afisma kann starten.

Die Delegierten aus zahlreichen afrikanischen Staaten, darunter Staats- und Regierungschef der 54 Länder des Kontinents, haben sich zum 20. Gipfeltreffens der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstad Addis Abeba versammelt

Die Delegierten aus zahlreichen afrikanischen Staaten, darunter Staats- und Regierungschef der 54 Länder des Kontinents, haben sich zum 20. Gipfeltreffens der Afrikanischen Union (AU) in der äthiopischen Hauptstad Addis Abeba versammelt

Zu Beginn hatte die Geberkonferenz etwas von einer Einkaufstour. Der ivorische Generalstabschef Soumaïla Bakayoko machte im Namen der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS deutlich, was Afrika braucht, um die Islamisten ein für alle Mal aus Mali zu vertreiben: Mindestens sechs Kampfhubschrauber müssen her, dazu zwei Kampfjets und zwei Aufklärungsflugzeuge sowie Hubschrauber für den Transport von Verletzten. "Denn die Franzosen werden ja nicht für immer dableiben", betonte der General.

Die Gesamtsumme für eine afrikanisch geführte Mission und die Ausrüstung der malischen Verteidigungstruppen bezifferte die ECOWAS auf stolze 960 Millionen Dollar (718 Millionen Euro). Die Realität sieht anders aus: Rund 456 Millionen Dollar kamen zusammen - inklusive der Gelder für die malischen Verteidigungstruppen und humanitäre Hilfe. Deutschland steuert 20 Millionen Dollar bei. Andere wollen logistisch helfen und Ausbilder, Waffen, Munition und Benzin schicken.

Wie erwartet tragen die Afrikaner selbst zur Gesamtsumme nur einen kleinen Teil bei. Zum Vergleich: Mit 5 Millionen Dollar beteiligt sich das Ölland Nigeria in etwa gleicher Höhe wie Holland. Benin, Senegal und die Elfenbeinküste geben jeweils 2 Millionen Dollar. Von Südafrika, dem reichsten Land Afrikas, kommen immerhin 10 Millionen fürs Militär und die gleiche Summe für humanitäre Zwecke.

Verwunderung: China gibt nur eine Million

Dennoch war es ein außergewöhnliches Treffen in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Nie zuvor in der Geschichte der Afrikanischen Union (AU) standen die Mitgliedstaaten so eng zusammen, unterstützt von westlichen Diplomaten und finanzkräftigen Scheichs. Selbst das Königreich Bahrain ist mit 10 Millionen Dollar dabei.

Die Bedrohung durch den islamischen Terrorismus macht offenbar allen Angst. Einer nach dem anderen machten die Teilnehmer deutlich, wie viel sie zum Kampf gegen den Terrorismus in Westafrika beitragen wollen. Ein Gefühl von "Solidarität und Brüderschaft" wehte durch den eindrucksvollen Plenarsaal im AU-Hauptquartier, wie es der äthiopische Premierminister Hailemariam Desalegn auf den Punkt brachte.

Der 200-Millionen-Dollar-Bau, der komplett von China finanziert wurde, war im vergangenen Jahr eröffnet worden. China hat schon lange finanzielle Interessen auf dem Kontinent. Umso mehr verwunderte die Ankündigung eines Delegierten, dass das Reich der Mitte lediglich eine Million Dollar für humanitäre Hilfe in Mali beisteuern will. Viele im Saal sahen denn auch etwas verwundert aus, zumal Chinas Vertreter zu einer schnellen Entsendung der Afisma aufrief und sein Land als "traditionellen Partner" Malis bezeichnete.

Gesagt heißt nicht gleich getan

Wie geht es nun weiter? Die Mittel sollen zunächst in einen eigens eingerichteten Treuhandfonds fließen, bevor sie für die Mission ausgegeben werden können. Aber Worte sind Worte. Dem müssen nun Taten folgen, betonte der AU-Friedens- und Sicherheitskommissar Ramtane Lamamra am Ende des Treffens. Es sei wichtig, nun genau zu verfolgen, dass die Gelder auch wirklich locker gemacht werden.

Denn die Franzosen werden sich in einer nicht allzu fernen Zukunft zurückziehen, wie Außenminister Laurent Fabius betonte. Um sicherzustellen, dass all die mühevoll zurückeroberten Gebiete und Städte wie Gao und Timbuktu Islamisten-frei bleiben, muss die Afisma schnellstmöglich loslegen. Es gelte, eine 7243 Kilometer lange Grenze zu verteidigen, warnte General Bakayoko.

Carola Frentzen, DPA/DPA

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