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25. Juli 2007, 12:50 Uhr

Empörung über "Besatzungsmacht"

Die irakische Bevölkerung beklagt zunehmend die "Arroganz der Besatzungsmacht". Der Grund: Milde Gerichtsurteile und zahlreiche Spenden aus den USA für Soldaten, die wegen ihrer Verbrechen im Irak vor Gericht stehen.

Kälte gegenüber den US-Soldaten: "Sie haben gezeigt, dass ein irakisches Menschenleben nicht viel für sie wert ist."© Nikola Solic/Reuters

Seitdem der amerikanische Soldat Trent Thomas als freier Mann den Gerichtssaal verlassen konnte, wird im Irak noch mehr als sonst über die "Arroganz der Besatzungsmacht" geklagt. Der 25 Jahre alte Marineinfanterist war zwar des Mordes an einem gehbehinderten Iraker schuldig gesprochen worden. Doch nach den 520 Tagen Untersuchungshaft verhängte das Gericht in Kalifornien keine weitere Haftstrafe gegen den inzwischen aus der Armee entlassenen Mörder.

Das Urteil ist für viele Iraker, die sich schon nach dem Skandal um die Misshandlungen in dem von US-Soldaten geführten Gefängnis Abu Ghoreib über die aus ihrer Sicht zu milden Urteile der amerikanischen Militärjustiz ereifert hatten, ein weiterer Affront. Und obwohl der Streit zwischen den irakischen Parteien und die täglichen Anschläge die Nachrichtensendungen der lokalen Fernsehsender beherrschen, ist in Bagdad sehr wohl bekannt, dass neokonservative Kreise und Kirchengruppen in den USA Spenden für Thomas und andere US-Soldaten gesammelt haben, die sich wegen Verbrechen im Irak vor Gericht verantworten müssen.

"Wie ein Schlag ins Gesicht"

Das empört einige Iraker fast noch mehr als das milde Urteil. "Mit ihren Spenden für diesen Soldaten (Thomas) haben private Organisationen in den USA einen Beitrag dazu geleistet, dass Iraker getötet werden", meint der irakische Anwalt Mohammed al-Rubai (43). "Sie haben gezeigt, dass ein irakisches Menschenleben für sie nicht viel wert ist." Für die Beamtin Ibtihadsch Kader (52) aus Bagdad sind die Spendenkampagnen gar "Teil der amerikanischen Bemühungen, ihre Version dessen, was ihre Soldaten, die sie als Helden darstellen, im Irak und in Afghanistan tun, zu vermarkten."

Obgleich auch irakische Soldaten für Verbrechen, die sie bei der Invasion in Kuwait 1990 begangen haben, damals nicht zur Rechenschaft gezogen wurden, empfinden die Iraker die Straffreiheit für Trent Thomas als Schlag ins Gesicht. "Diese Strafe für Thomas steht in keinem Verhältnis zu der Tat, die er begangen hat", meint der Richter Wael Abdul Latif aus Basra, der als Abgeordneter einer säkularen Partei im Parlament sitzt. Er fordert Urteile, "die abschreckend wirken, damit sich so etwas nicht wiederholt".

Psychischer Stress spielt eine Rolle

Das bislang höchste Strafmaß im Irak-Einsatz hatte im November 2006 ein US-Militärgericht gegen einen 23-jährigen amerikanischen Soldaten verhängt, der eine 14-jährige Irakerin vergewaltigt und ermordet hatte. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine jeweils 18-jährige Haftstrafe erhielten zwei Soldaten, die drei gefangene Iraker erschossen hatten und anschließend behauptet hatten, diese seien auf der Flucht getötet worden.

Dass in der Debatte in den USA auch der psychische Stress eine Rolle spielt, dem die Soldaten im Irak ausgesetzt sind, lassen die Iraker nicht gelten, vor allem diejenigen nicht, die in den Amerikanern keine Schutzmacht, sondern Besatzer sehen. Genau wie die Kriegsgegner in den USA empfinden auch sie es als Hohn, wenn Amerikaner Sachspenden für die Truppen im Irak sammeln oder wenn Geistliche dazu aufrufen, "für unsere Jungs im Irak zu beten".

Anne-Beatrice Clasmann, Kadhem al-Atabi/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 27)
 
sachsenwini (28.07.2007, 17:36 Uhr)
Die USA haben mit erlogenen Kriegsgründen den Irak überfallen,
als sie ganz sicher sein konnten, dass Saddam Hussein wehrlos war und keine bedeutsamen Waffen mehr besaß. Dem Volk geht es jetzt schlechter als unter der Diktatur Husseins, und die neuen Machthaber sowie die amerikanischen Besatzer benehmen sich nicht humaner als das Saddam- Regime.
+
Dieser Krieg ist ebenso völkerrechtswidrig und illegal wie der Vietnamkrieg und er ist genau wie dieser nicht zu gewinnen.
J.Stahl (27.07.2007, 16:28 Uhr)
seagull
meinen sie es gibt in diesem land keine meinungsmache???ich sage nur bild...und was ist schlecht daran die truppen zu unterstützen?mein verlobter war 14monate in bagdad,ich bin nicht für diesen krieg hatte aber auch so eine flagge mit support our troups.sie haben keine ahnung was die da unten durchmachen.wieso sollte man sie dann nicht unterstützen?
Seagull (27.07.2007, 14:30 Uhr)
Berichtigung.
In meinem vorangegangenen Kommentar ist mir ein Schreibfehler unterlaufen.
Richtig lautet der Hinweis auf die Internetseite:
www.aktivepolitik.de
Ich bitte darum, diesen Fehler zu entschuldigen.
Seagull (27.07.2007, 12:17 Uhr)
Über die "Befreier".
Bis vor einigen Jahren habe ich sehr positiv von Amerika gedacht.Habe die USA auch auf eigene Faust bereist, quer durch.Schon nach dem ersten Krieg in Irak fiel mir die gezielte Informationspolitik in den USA auf. Obwohl zu der Zeit der Krieg schon lange beendet war, hingen in vielen kleinen Städten Transparente auf denen die Söhne der Stadt für ihren Einsatz in Irak gelobt wurden,mit dem Zusatz: bleibt stark,wir sind bei Euch.Mein Hinweis, dass der Krieg beendet sei,wurde damit beantwortet dass das TV und auch die Zeitungen was anderes berichten.
Soviel zur "Volksbeinflussung".
Der wirklich interessierte Leser sollte sich mal auf der Internetseite: www.aktuellepolitik.de - schlau machen.
Amerika ? Für mich,- Nein danke !
J.Stahl (26.07.2007, 16:33 Uhr)
@ alle
es stimmt leider das meist die ärmsten der usa in die armee gehen.meistens schwarze und hispanic.die meisten weißen gehen aus patriotismus und sind spätestens nach 7jahren wieder raus aus der army.es stimmt auch das der irakkrieg ohne öl nie begonnen worden wäre.aber das alles ändert nichts an der menschlichen tragödie auf beiden seiten im iark.es sollten keine 18jährigen u.s.soldaten fallen und es sollte nicht eine ganze irakische generation aufwachsen und nichts anderes als terror kennen.aber diese dummen argumente gegen die usa kann ich auch nicht mehr hören.wenn sich einige leute die hier so klug schreiben mal die mühe machen würden in die usa zu reisen würden sie sehen das die amis gegen diesen krieg und ihren präsidenten sind.ich jedenfalls bin in knapp 4wochen in amerika.niemand wird dort bei der einreise wie ein verbrecher behandelt!man sollte auch mal sein hirn anstrengen und überlegen warum gewiße daten aufgenommen werden.und man sollte daran denken wo dtl.jetzt ohne die usa wäre.in der gegend in der ich wohne sind die u.s.kasernen ein wirtschaftspunkt.man kann nicht alles in den dreck ziehen aufgrund eines unfähigen bush
chatahootchee (26.07.2007, 14:52 Uhr)
@provocateur
Sie bestaetigen mit Ihrer naiven Aussage, dass die meisten Amerikahasser nicht einmal Mindestkenntnisse ueber die USA haben. Sie waren nie hier in Amerika, wissen aber alles besser und dies auch noch ganz genau. Mann, bin ich froh, dass solche Leute wie Sie nicht hierher kommen.
DerJurist (26.07.2007, 13:33 Uhr)
Die Opferbereitschaft der Amerikaner....
Was für eine Ohrfeige diese Aussage. Erstaunlich, die Opferbereitesten in den USA, die das größtmögliche Opfer für Ihr Vaterland und die Freiheit geben sind erstaunlicherweise immer die Armen aus den Slums die keine Perspektive haben und oft nichtmal an nen Job mit dem Mindestlohn herankommen. Diese gehen dann in die Army, Navy etc. um Geld verdienen zu können und eine Ausbildung zu bekommen. Deswegen aber von Opferbereitschaft der Amerikaner zu sprechen ist mehr als Blauäugig. Opferbereitschaft wäre, wenn einer derjenigen Politiker oder Kapitalisten die einen Irakkrieg befürworten, ja sogar unbedingt gewollt haben, ihre Söhne in den Irak schicken würden. Wenn auch mal Menschen aus "gehobenem" Elternhaus im Irak sterben würden. Es grenzt schon an Ironie:
Besonders diejenigen die es am allerhärtesten in den USA haben, diejenigen die ganz besonders wenig von der Freiheit und vom Wohlstand profitieren sind immer diejenigen die diese "große Ehre" verspühren dürfen für ihr Vaterland zu sterben. Sterben für die Dividende von Exxon, Chevron, Enron, Haliburton, Lockhead Martin...
gruni36 (26.07.2007, 09:50 Uhr)
Guten Morgen mramorak
die Opferbereitschaft der Menschen in diesem großartigen Land ist recht selektiv. Wenn es nichts zu verdienen gibt wie z. B. in Somalia ist sie dann doch etwas niedriger. Ursprünglich ging es hier darum, dass die Iraker die Amerikaner als Besatzer empfinden. Das ist nachvollziehbar.
provocateur (26.07.2007, 09:48 Uhr)
@mramorak...
Ich persönlich kenne die USA nicht und werde diese wohl in diesem Leben auch nicht mehr kennenlernen, seit man dort bei der Einreise wie ein Verbrecher behandelt wird, hat sich das Thema für mich erledigt... Deutschland hat sich dann für mich auch bald erledigt, weil es hier viel zu viele Leute gibt, die alles was aus den USA kommt für besonders nachahmenswert halten...
mramorak (26.07.2007, 09:17 Uhr)
Größenwahn
Da schreibt doch einer, dass wir unseren Größenwahn hinter uns haben. Wie schön das wäre! Wir stecken mittendrin im Größenwahn. Man muß nur die Antiamerik-Stimmungmache des STERN und die Leserkommentare lesen. Zuviele, viel zuviele - wie dieser Artikel auch -lassen nichts gutes an Amerika, ohne Amerika je gesehn zu haben. Mir scheint es als ob diese Amerika-Hasser Amerika, Spiegel Journalisten eingeschlossen, dieses großartige Land und seine opferbereite Menschen nur durch Literatur der Kommunisten und oder aus der Terrorscene kennen. Noch eine Gruppe kann einen Einfluß auf diese nichtdenkenden (ganz nach der Order des Herrn Seinmeier)Kommentarschreiber: Der Atheismus, weil es in Amerike viele Christen gibt - und an denen kann man ja nichts gutes lassen.
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