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US-Bank half Griechen beim Verschleiern der Schulden

Am Montag beraten die EU-Finanzminister über ein Sicherungsnetz für das hochverschuldete Griechenland. Das EU-Mitglied hatte seine Finanzprobleme jahrelang vertuscht - unter tatkräfitiger Mithilfe einer amerikanischen Großbank.

Die US-Finanzbranche hat Griechenland laut einem Pressebericht geholfen, sein Schuldenproblem jahrelang zu verschleiern. So habe die Bank Goldman Sachs Griechenland kurz nach dessen Beitritt zur Eurozone einen Milliardenkredit gewährt, der als Devisengeschäft ausgegeben worden sei, berichtete die "New York Times". Eurozonen-Präsident Jean-Claude Juncker forderte eine engere Abstimmung zwischen den Mitgliedern.

Goldman Sachs habe Griechenland 2001 kurz nach dessen Zulassung zur Eurozone mehrere Milliarden Dollar geliehen, ohne dass dies öffentlich geworden wäre, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf mit der Transaktion vertraute Kreise. Das Geschäft sei als Devisenkauf und nicht als Kredit dargestellt worden. So habe Goldman Sachs dazu beigetragen, dass Griechenland dem Anschein nach die Defizitvorgaben der Eurozone erfüllte.

Selbst als die Haushaltskrise in Griechenland sich ihrem Höhepunkt näherte, suchten US-Banken dem Bericht zufolge nach Wegen, dem Land eine Offenbarung seines Schuldenproblems zu ersparen. Anfang November habe Goldman Sachs der Regierung ein Konzept vorgelegt, durch das sie die Fälligkeit der Schulden des griechischen Gesundheitssystems in ferne Zukunft hätte verschieben können. Auf dieses Angebot sei Athen jedoch nicht eingegangen, schrieb das Blatt.

Griechenland hat in den vergangenen Jahren Rekordschulden angehäuft. Die Neuverschuldungsrate lag zuletzt bei 12,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, obwohl in der Eurozone nur maximal drei Prozent erlaubt sind.

"Mittelmäßig schwerer Unterlassungsfehler"

Der Präsident der Eurozone, der luxemburgische Premierminister Juncker, räumte angesichts der falschen Defizitmeldungen Griechenlands gegenüber Brüssel einen "mittelmäßig schweren Unterlassungsfehler" der Eurogruppe ein. Sie werde die Angaben künftig "viel intensiver" prüfen, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Juncker mahnte eine engere Abstimmung zwischen den 16 Euro-Ländern an. "Eine Währungszone kann auf Dauer nicht bestehen, wenn die Unterschiede in den Leistungsbilanzen der Volkswirtschaften übergroß werden", sagte er der "Süddeutschen". Zugleich müsse der griechischen Regierung aber klar sein, "dass es ihre ureigene Sache ist, ihren Haushalt in Ordnung zu bringen". Einen Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone lehnte Juncker jedoch ab. Dies hätte "erdbebenartige, unkontrollierbare Folgen" und würde Griechenland in die Nähe des Staatsbankrotts bringen. Auch für das Image der Euro-Zone wäre das absolut negativ.

Nach den EU-Staats- und Regierungschefs werden die Euro-Finanzminister an diesem Montag in Brüssel über das Sicherungsnetz für das hoch verschuldete Griechenland sprechen. Die 16 Länder mit Euro-Währung wollen koordiniert vorgehen, falls ihr schwächstes Mitglied Griechenland in einem Notfall seine Schulden nicht mehr bezahlen kann. Wie konkret geholfen werden könnte, ist bisher nicht bekannt. Im Gespräch sind bilaterale Kredite oder der Aufkauf von griechischen Staatsanleihen, falls diese nicht mehr von den Finanzmärkten aufgenommen werden sollten. Ob die Minister schon zu Ergebnissen kommen, gilt als offen.

Eine Mehrheit der Bundesbürger plädiert derweil für einen Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone, wenn dessen Verschuldung die Stabilität der Gemeinschaftswährung gefährden sollte. In einer repräsentativen Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" sprachen sich 53 Prozent dafür aus. 38 Prozent lehnen diesen Schritt ab. Noch deutlicher ist mit 67 Prozent die Mehrheit, die sich gegen Finanzhilfen aus Deutschland und anderen EU-Staaten ausspricht.

AFP/DPA/DPA
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