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11. Dezember 2008, 19:07 Uhr

Schüler distanzieren sich von Chaoten

In Athen haben sich zahlreiche Schüler und Studenten von den Gewalt-Exzessen der vergangenen Tage distanziert. Sie zogen friedlich durch die Straßen und skandierten: "Wir sind eure Kinder, keine Randalierer." Vor allem aber empört sie ein hässlicher Streit um das Vorleben des getöteten 15-jährigen Schülers

Griechenland, Athen, Schüler, Chaoten

Öffentliche Trauer: Der Platz, an dem der 15-jährige griechische Schüler starb, ist inzwischen zu einer öffentlichen Andachtstätte geworden© Simela Pantzartzi/DPA

Neue Proteste gegen die Polizei in Griechenland - aber auch Demonstrationen gegen Randalierer und Chaoten: Rund 3000 Menschen gingen am Donnerstag im Zentrum Athens wieder auf die Straßen, um gegen den Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel zu protestieren. Die Polizei stoppte den Verkehr rund um den zentralen Syntagma-Platz. Auch im westgriechischen Patras zogen erneut rund 2000 Menschen durch die Innenstadt. Vor der Universität im Zentrum Athens bewarfen am Abend Unbekannte am Rande einer Demonstration die Polizei mit Farbbeuteln und Feuerwerkskörpern. Nach anfänglicher Zurückhaltung der Ordnungshüter setzte die Polizei Tränengas ein, um die rund 200 Randalierer auseinander zu treiben.

Am Mittag waren zudem zahlreiche Schüler und Studenten auf die Straßen in Athen gegangen, um sich von den autonomen Gruppen zu distanzieren, die seit Samstag schwere Verwüstungen angerichtet haben. "Wir sind eure Kinder, keine Randalierer", skandierten sie und distanzierten sich dabei ausdrücklich von den rund 4000 Randalierern, die seit Samstag hunderte Geschäfte, Banken und andere Gebäude in Athen und weiteren Städten des Landes verwüstet hatten. Vor mindestens 15 Polizeistationen kam es zu kleineren Ausschreitungen. Die Polizei hielt sich zurück, hieß es. Vielerorts entstand ein Verkehrschaos.

Böse Gerüchte über den getöteten Schüler

Für Empörung sorgten unterdessen Äußerungen des Rechtsbeistands des Polizisten, dem die Tötung des 15-jährigen Schülers Alexandros Grigoropoulos vorgeworfen wird. Der Anwalt versuchte, das Opfer als bekannten Fußballhooligan darzustellen. Zudem soll der 15-Jährige aus der Privatschule verwiesen worden sein, was dementiert wurde. "Der Junge wird noch einmal getötet, indem der Rechtsanwalt solche fürchterlichen Gerüchte verbreitet", kommentierte die Athener Zeitung "Eleftherotypia". Die Rechtsanwälte der Familie des Opfers wiesen die Behauptungen mit Abscheu zurück. Der Tod des Jungen am Samstag hatte die schwersten Krawalle seit Jahrzehnten in Griechenland ausgelöst.

Mit Spannung wurde das Ergebnis der ballistischen Untersuchung der Polizeikugel erwartet. Medienberichten zufolge sollte es spätestens am Freitag bekanntgegeben werden. Die Kugel soll eine leichte Schramme aufweisen, was auf einen Querschläger und nicht auf einen direkten Schuss hinweisen könnte, hieß es in Medienberichten. Am Vortag hatte der Rechtsanwalt des Polizisten, aus dessen Waffe der tödliche Schuss abgegeben worden war, erklärt, die Untersuchung der Kugel entlaste seinen Mandanten. Die Kugel sei ein Querschläger gewesen, sagte der Anwalt. Sie wird in einem Speziallabor untersucht.

Erneute Ausschreitungen an der Technischen Universität

Im Laufe des Tages kam es rund um die Technische Universität der griechischen Hauptstadt zu erneuten Ausschreitungen. Rund 200 Autonome, die sich dort verbarrikadiert haben, lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Ein Mensch wurde verletzt, 28 wurden in Polizeigewahrsam genommen. In Piräus und in der Vorstadt Korydallos zündeten Schüler mehrere Mülltonnen an.

Bei Solidaritätskundgebungen in mehreren europäischen Städten kam es zu Ausschreitungen. In Madrid wurden in der Nacht neun Randalierer festgenommen, mehrere Beamte wurden nach Angaben der Behörden verletzt. Auch in Barcelona demonstrierten etwa 300 junge Leute.

Ausschreitungen auch in Rom und Bologna

Zu Ausschreitungen kam es nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa auch in Rom und Bologna. In der italienischen Hauptstadt seien Soldaten nach einer Kundgebung vor der griechischen Botschaft von Demonstranten mit Steinen attackiert worden. Dabei wurde ein Soldat verletzt.

Auch in Kopenhagen löste die Polizei eine nicht genehmigte Kundgebung auf. Die knapp 200 Demonstranten erklärten in Sprechchören ihre Sympathie für die protestierenden Jugendlichen in Griechenland. 25 Demonstranten wurden festgenommen.

DPA
 
 
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