Startseite

Kehrtwende: Athen will auf Schuldenschnitt verzichten

Die neue Regierung in Athen will vom harten Sparen und neuen Schuldenregelungen abrücken und fordert nun keinen Schuldenschnitt mehr. Wie das geht? Finanzminister Varoufakis hat eine Lösung parat.

  Umschuldung ist der neue Plan vom griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis

Umschuldung ist der neue Plan vom griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis

Griechenlands neuer Finanzminister Gianis Varoufakis hat eine mögliche Abkehr vom geforderten Schuldenschnitt für sein Land angedeutet. Statt des bisher geforderten Schuldenerlasses sei nun auch "eine Liste von Umschuldungsmaßnahmen" möglich, um die Schuldenlast Griechenlands zu erleichtern, sagte Varoufakis am Montagabend im Gespräch mit der "Financial Times". Dazu brachte der Minister auch neue Anleihen ins Gespräch, ebenso wie eine schärfere Politik Athens gegenüber Steuerflüchtlingen.

Seinen Vorschlag für neue Umschuldungsmaßnahmen nannte Varoufakis eine intelligenten Umgang mit den Schulden, der den Begriff "Schuldenschnitt" vermeide, da dieser #link;http://www.stern.de/video/video-merkel-lehnt-schuldenschnitt-erneut-ab-2170225.html;in Deutschland und anderen Schuldnerländern nicht akzeptabel# sei. Varoufakis gab am frühen Dienstagmorgen eine erläuternde Erklärung heraus. Um Griechenland aus der "Schulden-Leibeigenschaft" zu befreien, werde die Regierung (in Athen) nicht zögern, auch "Euphemismen" (beschönigende Bezeichnungen) zu benutzen, hieß es darin.

Merkel zurückhaltend zu Umschuldungs-Ideen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zurückhaltend auf die Vorschläge der neuen griechischen Regierung reagiert, das Land mit neuen Anleihen umzuschulden. "Ich möchte jetzt nicht alles kommentieren, was jetzt jeden Tag zu lesen ist", sagte Merkel am Dienstag in Berlin nach einem Treffen mit dem Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong. "Es ist klar, dass die griechische Regierung ihre Position noch ausarbeitet. Das ist auch mehr als verständlich, wenn man sieht, wie wenige Tage diese Regierung erst im Amt ist."

Varoufakis sagte im Gespräch mit der britischen Wirtschaftszeitung in London: "Was ich unseren Partnern sagen werde ist, dass wir eine Kombination aus einem primären Haushaltsüberschuss und einer Reformagenda zusammenstellen. Ich werde sagen: Helft uns, unser Land zu reformieren und gebt uns etwas fiskalischen Spielraum dies zu tun." Ansonsten werden das Land "ersticken" und laufe Gefahr, zu einem deformierten anstatt zu einem reformierten Griechenland zu werden.

Schulden-Werbe-Tour durch Europa

Griechenland hat Staatsschulden in Höhe von 320 Milliarden Euro. In diesem Jahr wird der Schuldenberg Athens knapp 169 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, erlaubt sind höchstens 60 Prozent. Vor drei Jahren hatten Privatgläubiger wie Banken bereits einen Schuldenschnitt von 50 Prozent hinnehmen müssen.

Varoufakis sowie der neue griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras werben derzeit in europäischen Hauptstädten für einen veränderten Umgang mit der griechischen Schuldenproblematik. Tsipras kommt am #link;http://www.stern.de/politik/ausland/renzi-empfaengt-griechenlands-neuen-ministerpraesidenten-2170787.html;Dienstag in Rom mit dem italienischen Regierungschef Matteo Renzi zusammen#. Danach reist er weiter nach Paris und Brüssel.

Tsipras wirbt auf seiner Europa-Tour für den Kurswechsel Athens, die Abkehr vom harten Sparen und eine neue Schuldenregelung. Einen Euroaustritt will er nicht, aber auch nicht mehr die Troika-Sparkontrolleure, wie er bei seiner ersten Station auf Zypern bekräftigte. Vor allem in Berlin beißt er damit auf Granit.

Bereits am Montag hatte Tsipras Zypern besucht und dort für den radikalen Kurswechsel Athens geworben. Varoufakis wollte am Dienstag Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan treffen.

lie/DPA/DPA
täglich & kostenlos
Täglich & kostenlos

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools