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10. Dezember 2008, 16:29 Uhr

"Wir wollen die Regierung stürzen sehen"

In Griechenland ist die Gewalt erneut aufgeflackert. Am Nachmittag griffen Jugendliche ein Gerichtsgebäude an, in dem zwei Polizisten verhört wurden, die für die Todesschüsse auf einen 15-jährigen Schüler verantwortlich gemacht werden. Die Demonstranten haben inzwischen ein konkretes Ziel für ihren Protest formuliert.

Griechenland, Athen, Generalstreik, Krawalle

Passanten begutachten die Schäden in einem ausgebrannten Laden in der Athener Innenstadt© Dimitar Dilkoff/AFP

Nach den beispiellosen Krawallen der vergangenen Tage hat sich die Lage in Griechenland am Mittwoch zunächst leicht entspannt. Am Nachmittag jedoch flackerte die Gewalt erneut auf. Jugendliche warfen in Athen Molotow-Cocktails und Steine auf das Gerichtsgebäude, in dem die beiden wegen des Todes eines 15-Jährigen angeklagten Polizisten vernommen wurden. Die Polizei feuerte mit Tränengas auf die Demonstranten. Mindestens zwei Menschen wurden verletzt. Darüberhinaus lähmte ein - schon länger angekündigter - landesweiter Streik das öffentliche Leben und brachte den Flugverkehr für 24 Stunden zum Erliegen

Unterdessen erklärte der Rechtsanwalt des griechischen Polizisten, aus dessen Waffe der tödliche Schuss auf einen 15-jährigen Jungen abgegeben worden war, die ballistische Untersuchung der Kugel entlaste seinen Klienten. "Die Untersuchung spricht für meinen Mandanten", sagte der Rechtsanwalt des mutmaßlichen Schützen. Die tödliche Kugel sei ein Querschläger gewesen, meinte der Rechtsanwalt. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht. Der Tod des Jugendlichen hatte die tagelangen Krawalle ausgelöst.

Der 37-jährige Polizist hatte seit Samstag mehrmals ausgesagt, er habe drei Warnschüsse abgefeuert; das Opfer sei von einem Querschläger getroffen worden. Er hofft nun, nicht wegen Totschlags oder Mord, sondern nur wegen fahrlässiger Tötung belangt zu werden. Einem 31-jährigen Polizei-Kollegen wird bislang Beihilfe zum Totschlag vorgeworfen.

Im Zentrum Athens waren am Mittwoch die meisten zerstörten Geschäfte mit Wellblech provisorisch gesichert. Andere Ladenbesitzer versuchten ihre Schaufenster wieder einzurichten. Der griechische Regierungschef Kostas Karamanlis versprach den Geschädigten günstige Kredite und eine Soforthilfe von 10.000 Euro für jeden Laden, der zerstört wurde. Bei Unternehmen, die bis zum 20. Dezember nicht wieder öffnen können, übernehme der Staat die Gehälter der Angestellten für drei Monate, kündigte Karamanlis an. Schätzungen nach wurden in Athen und Piräus rund 500 Geschäfte zerstört oder beschädigt.

Die kleinen autonomen und anarchistischen Gruppen stehen mit ihrer Wut auf das Establishment inzwischen nicht mehr allein, sondern haben Unterstützung und Zulauf von Studenten, die keine Arbeitsplatzperspektive haben - und auch etablierten politischen Organisationen. "Es ist ganz einfach: Wir wollen diese Regierung stürzen sehen", sagte Petros Constantinou von der Sozialistischen Arbeiterpartei. "Diese Regierung will, dass die Armen für die Probleme des Landes bezahlen - und nie die Reichen. Und sie wollen die, die protestieren, mit Polizeiunterdrückung unten halten."

Opposition fordert Neuwahlen

Die größte Oppositionspartei, die Sozialisten unter Führung von Georgios Papandreou, greifen die Emotionen auf und fordern im Gefühl eines sicheren Sieges eine vorzeitige Neuwahl. Karamanlis hat dies bislang ignoriert, seine Partei Neue Demokratie (ND) hat eine Mehrheit von 151 Abgeordneten im 300 Sitze zählenden Parlament. Die äußerst knappe Mehrheit wirkt vorerst stabilisierend für ihn: Bei einem Vorsprung von 4,8 Prozent für die Sozialisten in Umfragen setzt momentan kein Abgeordneter seiner Partei seine politische Laufbahn aufs Spiel, indem er für eine Parlamentsauflösung stimmt.

An dem Generalstreik der zwei größten Gewerkschaftsverbände des Landes nahmen nach Angaben eines Gewerkschaftssprechers rund zwei Millionen Arbeitnehmer teil. Beeinträchtigt wurde außer dem Flug- auch der Fährverkehr und der öffentliche Nahverkehr in Athen. Die deutsche Lufthansa strich nach Angaben eines Sprechers zwölf Flüge von und nach Athen. Den Kunden seien Umbuchungen angeboten worden.

Zudem blieben am Mittwoch in Griechenland die Schulen und die Ministerien geschlossen. Hotels und Taxis wurden dagegen nicht bestreikt. Die Gewerkschaften wandten sich mit dem Streik gegen die Lohnpolitik und Reformen im Rentensystem der konservativen Regierung.

DPA/AP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
ambio (11.12.2008, 08:10 Uhr)
Ja leider....
ich bin kein Freund der Gewalt aber scheinbar ist bei all der Vetternwirtschaft hier in diesem Lande keine andere Lösung in sicht.
Aber trotzdem bin ich zuversichtlich. dass HIER bei uns Weicheiern und Nabelriechern nichts passiert.
gaga007 (11.12.2008, 07:43 Uhr)
pitiplatsch (11.12.2008, 5:05 Uhr) ...
... wetten dass nichts passiert in Deutschland - der deutsche Michel ist viel zu feige !
ambio (11.12.2008, 07:22 Uhr)
Immer wieder lustig....
was für eine Ansammlung von Dampfplauderern.Trefft euch doch alle mal in einem stinkenden Kellerloch und haut euch ein paar Holzprügel über den Schädel.
Aber man braucht sich nicht mehr zu wundern hier,das Niveau vom Stern wird sowieso jeden Tag übler.
pitiplatsch (11.12.2008, 05:05 Uhr)
Ja was soll man dazu sagen
die Griechen habens bald hinter sich, die Merkel und Konsorten vielleicht bald vor sich ? Ich hoffe es ja nicht und denke das sie vorher nen Abgang macht samt ihrem unfähigen Abzocker und Ausbeuterhaufen.
h-p-t (11.12.2008, 00:31 Uhr)
@jackiki & @pamela_1971
@jackiki:
ok, kann man nachvollziehen, seh ich auch so wie sie. So weit liegen wir nicht auseinander, aber, irgendwie / irgendwo funktioniert eine Demokratie eben auch nur durch Aufgabenverteilung, und eben auch durch das Wahlrecht. Zum Glück haben wir die Möglichkeit relativ sicher zu sein das nicht allzuviel manipuliert wird. Das man bestimmten Leuten dann vertrauen muss bleibt nicht aus.
Ich bin kein Freund der Politiker, aber ein Freund der Polizei, denn ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, das Menschen die diesen Beruf ausüben, a: Menschen sind, b: meist für das Recht einstehen und notfalls schwer dafür herhalten müssen. Schwarze Schafe" die nur durch Uniformen etwas darstellen, und / oder aber Macht ausüben wollen gibt es überall. Dies ist nicht an der Polizei oder an Einzelnen Abgeordneten festzumachen. Volksentscheide wie in der Schweiz wären weitaus demokratischer und würden mir auch besser gefallen.
@Pamela_1971
Stimmt, noch ist es nicht bewiesen, aber ich vertraue immer noch lieber 2 Polizisten die wie ich oben geschrieben haben ( für mich ! ) eher vertrauenswürdiger sind ( da sie eben Recht und Gesetz vertreten ).
Was genau an diesem Tag passiert ist wird schwer nachvollziehbar sein, Beide Lager werden auf Ihre "Aussage" beharren. Trotz allem sehe ich keinen Grund den nun marodierenden Jugendlichen / Autonomen, Mob usw. mehr zu glauben.
Tragisch das dieser ( hoffentlich ) Unfall passiert ist. Aber für mich z.Z. recht glaubwürdig. Irgendjemand muss das Gesetz vertreten, irgend jemandem muss man vertrauen, oder sehen Sie das Anders ?
Wie gut würde es den Menschen in einer Anarchie gehen ? ( S. weite Teile Afrikas die ausser Kontrolle geraten sind, Vergewaltigung, Folter , Mord..? ist das besser ? )
jackiki (11.12.2008, 00:28 Uhr)
zaxxon
nazis müssen beleidigt werden ;)...
zaxxon (11.12.2008, 00:21 Uhr)
ist das nicht schön...
dieses sammelsurium aus nichtdemokraten, extremisten, faschos, kommis und deutschenhassern beim dikutieren/kommentieren zuzuschauen..!
und dann noch jackiki, heute ganz lieb und kaum extrem beleidigend, was ist los?
im echten leben hört euch doch sowieso nie einer zu wenn ihr euren politischen dünnschiß verzapft.
was meint ihr ganzen klappspaten, warum NIE ein kommentar von euch im Stern (papier) abgedruckt wird?!
Pamela_1971 (11.12.2008, 00:09 Uhr)
@ h-p-t
Was Sie für "so gut wie bewiesen" halten, muss noch lange nicht tatsächlich bewiesen sein. Bis jetzt ist noch nicht mal bewiesen, dass die beiden Täter - die 2 Polizeibeamten - "angegriffen" wurden. Das ist allein die Version der Täter - AugenzeugInnen berichteten von rein verbalen Auseinandersetzungen. Und dass es ein "Querschläger" war, behauptet bislang nur der Rechtsanwalt der Täter. Die Athener Staatsanwaltschaft dagegen scheint das doch etwas anders zu sehen: Sie wirft den Polizeibeamten nämlich unverändert (!) vorsätzliche Tötung vor (Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,595730,00.html). Die beiden bleiben weiter in Haft, und ihnen wird weiter vorsätzlicher Totschlag bzw. Beihilfe vorgeworfen...
jackiki (11.12.2008, 00:09 Uhr)
h-p-t
ich bin mit allem einverstanden, was sie geschrieben haben, es fehlt aber eine ganz entscheidendes kriterium, die demokratische legitimation der richter. kein mensch in deutschland hat diese gewählt, die einzigen, die gewählt wurden, das sind die abgeordneten, die das gesetz, welches für nichtig erklärt wurde, verabschiedet haben.
wer das nicht verstehen kann, dem kann ich das leider nicht einfacher erklären.
h-p-t (10.12.2008, 23:59 Uhr)
@jackiki
hm, berichtige mich bitte wenn ich falsch liege, aber ist das BVerfGG nicht dazu da, Entscheidungen der normalen Gerichte zu prüfen, und Gesetze die gemacht werden auf Verfassungswidrigkeit zu prüfen und bei Bedarf auszusetzen ?
Also ist es dazu da,festzustellen, ob ein Gesetz mit der Verfassung vereinbar ist oder nicht.
Es macht also eine Art "Abgleich mit dem GG" , das ist doch sehr demokratisch.
Wenn wie im Fall "Pendlerpauschale" eine Regierung aus Habgier beschließt mehr Geld einzunehmen, hat das ( finde ich zumindest ) wenig mit "den Deutschen" zu tun, als mehr mit korrupten Politikern und Lobbysten, und ich bin froh das es einer Demokratie die Möglichkeit gibt dagegen zu klagen ( in diesem Fall vor dem BVerfGG ) demokratischer geht es ja fast nicht :)
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