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3. März 2010, 09:45 Uhr

"Wir erwarten nicht, dass die Deutschen uns retten"

In einem offenen Brief im stern verteidigt der griechische Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos sein Volk: Die Griechen gierten nicht nach Geld aus dem Ausland, um ihre Schulden in den Griff zu bekommen. Was sie bräuchten, sei "Solidarität". Wie sich das Land selbst hilft, berät sein Kabinett. Details sind schon durchgesickert.

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Philippos Petsalnikos, griechischer Parlamentspräsident, wendet sich mit einem offenen Brief an die Deutschen© Presse/EPA

Das überschuldete Griechenland bittet die Deutschen um ihre Solidarität. In einem offenen Brief in der neuen, am Donnerstag erscheinenden Ausgabe des stern schreibt Parlamentspräsident Philippos Petsalnikos: "Nicht Euer Geld, sondern Eure Solidarität und Eure Unterstützung braucht Griechenland, um die Angriffe der internationalen Spekulanten abwehren zu können." Die Griechen erwarteten nicht, "dass die Deutschen uns 'retten'. Diese Aufgabe haben wir uns zunächst einmal selbst gestellt".

Der Parlamentspräsident, der in Deutschland studiert und gearbeitet hat, wehrt sich dagegen, dass seine Landsleute in den deutschen Medien als "die Privilegierten der Europäischen Union" dargestellt würden. Auch die Bundesrepublik habe "erhebliche Mittel" aus dem EU-Strukturfonds erhalten, nicht nur die "kleinen Länder im Süden". Zudem sei Griechenland aufgrund seiner geografischen Lage und der Spannungen mit der Türkei gezwungen, "immense Summen für seine Verteidigungssysteme aufzubringen". Hauptlieferant dieser Systeme sei Deutschland.

Mit seinem Brief antwortet Petsalnikos auf einen Beitrag von stern-Autor Walter Wüllenweber. Der hatte in der stern-Ausgabe vor zwei Wochen den Griechen einen Brief geschrieben, in denen er ihnen unter anderem vorwarf: "Ihr haut die Euros lieber raus. In der EU seid Ihr Griechen das Volk, das von seinem Geld den größten Anteil für den Konsum verprasst."

Das griechische Kabinett kam am Morgen zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen, um zusätzliche Sparmaßnahmen zur Abwendung des Staatsbankrotts zu beschließen. Im Anschluss wollte Ministerpräsident Giorgos Papandreou die Verschärfung des Sanierungsprogramms vorstellen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat sich das Kabinett bereits auf Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro geeinigt. Die Kollegen von AP berichten, dass die Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent erhöht werden soll. Am Dienstag hatte Papandreou er gewarnt, es sei "schlimmer als eine Katastrophe", sollte sein hoch verschuldetes Land an den Finanzmärkten nicht zu ähnlichen Bedingungen wie andere europäische Staaten frisches Geld leihen können. Deswegen kämpfe das Land "um das nationale Überleben". Die Athener Regierung erhofft sich von zusätzlichen Einschnitten eine Beruhigung der Finanzmärkte und will zudem die EU zufrieden stellen.

Lesen Sie den gesamten Brief...

Lesen Sie den gesamten Brief... ... im neuen stern

 
 
KOMMENTARE (10 von 48)
 
Trallallaa (05.03.2010, 18:14 Uhr)
Türkei?? Verteidigung??
Ich denke, dass hat sich geklärt???
Hää? Denen sind anscheinend auch erneute Spannungen egal, solange es bloss ein Ablenkungsmanöver ist. Er sollte lieber folgendes in seinem Brief schreiben:

"Wir haben alles für Frauen, schnelle Autos und Alkohol ausgegeben. Den Rest haben wir verprasst."
Onzapintada (03.03.2010, 21:03 Uhr)
zu knilch dreicon begriffe
Der Kapitalismus war keine geplante Ideologie, er hatte seine historische Berechtigung in einer Zeit der Expansion, in den letzten 500 Jahren, Entdeckung beider Amerikas, Seeweg nach Indien etc. Die Zeit der Expansion ist zu ende, ob man das gut findet oder nicht. Ohne Expansion kein Kapitalismus.
Eine Ideologie ist jedoch der Neoliberalismus, eine Herrschaftsideologie zur Aufrechterhaltung der Vermoegensverteilung, als wirtschaftswissenschaftliche Theorie aber eine reine Luftnummer.
Die Revolution faellt in Deutschland aus, aber mangels weiterer Wachstumsmoeglichkeiten beruehrt das System sein Ende.
Die deutschen "Eliten" halten trotzdem standhaft daran fest, traditionell lernresistent, fallen noch hinter den IWF-Erkenntnisstand zurueck, halten am Neoliberalimus fest und sind offenbar entschlossen, das Land mit dieser Ideologie untergehen zu lassen, auf den Spuren Heinrich Brünings. Aus diesem Grund wird es in Deutschland sehr viel ungemuetlicher als in anderen Laendern.
knilch_59 (03.03.2010, 20:51 Uhr)
@dreicon: zwar völlig off-topic, aber dermaßen am Ende des threads geht das auch mal ...
Der Kapitalismus ist kein Bündnis, keine Verschwörung, sondern reiner Wildwuchs. In den entsprechenden Abhandlungen wird "die Natur" wirtschaftlichen Handelns beschrieben und Einwirkungsmöglichkeiten hierauf. Oder würden Sie Korallenriffe als ideologisches System begreifen wollen, weil viele Einzelwesen gleichzeitig und gleichmäßig Ähnliches machen?
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Demokratie gehört nicht zu den unveräußerlichen Menschenrechten. Sie ist eine Errungenschaft, die heute zu vielen einfach zugeteilt wird, einfach, indem man volljährig und damit wahlberechtigt wird. Warum macht man es mit dem Führerschein anders und prüft eine bestimmte Qualifikation ab, bevor man jemandem die Fähigkeit zuspricht ein Kraftfahrzeug zu führen? Ist das schon proprietäres Denken der herrschenden Klasse mit dem Ziel Ungleichheiten zu zementieren?
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Übrigens: Mindestlohn und andere Mindest-Arbeitsbedingungen gehören für mich zwingend zu den Bestandteilen, mit denen der völlige Wildwuchs des Kapitalismus verhindert werden soll. Aber die Rente mit 55, wie in Griechenland üblich, nicht!
dreicon (03.03.2010, 17:35 Uhr)
@Bitte-sachlich (03.03.2010, 17:29 Uhr)
Mein leltztes Posting hat sich augenscheinlich mit Ihrem gekreuzt. Ich gebe Ihnen vollständig recht. Es darf keine Eintrittskarte in eine Demokratie geben, welche von irgendwelchen interessierten Kreisen definiert, und damit manipuliert werden kann.

Aber noch was, lieber knilch_59. Ihre Menschenrechte. Was ist mit einem Menschenrecht, von seiner Arbeit Lohn auch leben zu können? In Verbindung mit der von Ihnen gelobten Balance Ihres lieben Kapitalismusses?
Bitte-sachlich (03.03.2010, 17:29 Uhr)
An meine beiden Vorredner
Das ist als Überlegung verständlich, aber mal sowas von Unsinn ^^. Sorry.

Wenn Ihr den "Wahl-Check" verlangt, dann bitte sehr, verlange ich mal ebenso den Sex-Check, egal welches Alter. Möge sich nur paaren, wer sich tief in der Sache auskennt. Lol.

Ne, das gehört nunmal dazu, die Unwissenheit oder Unkenntnis bei viel zu vielen Mitbürgern. Überlegt doch mal, warum die meisten Medien soviel Blödsinn absichtlich als wahr verkaufen. Dahinter steckt nichts anderes als bewusste Meinungs- und Abstimmungsmanipulation. Wenn dann alle Unwissenden ausgegrenzt werden, haben wir amerikanische Wahlverhältnisse. Dort wird die Bevölkerung seit Ewigkeiten von konservativen bzw. wohlhabenden Politikern überrepräsentiert, also entgegen den mehrheitlichen Bevölkerungsinteressen, weil es viele aus der Unterschicht nicht bis an die Wahlurne schaffen. Wegen extra Wahlregistrierung und so, mit Dokumenten, die sich manche schlicht nicht leisten können.
dreicon (03.03.2010, 17:26 Uhr)
Sie hatten schon mal genauer gelesen,
lieber knilch_59. Genau das sagte ich, daß der Kapitalismus im Gegensatz zum Sozialismus KEINE Ideologie ist. Er ist ein Zweckbündnis Privilegierter zur Erhaltung der Privilegien.

Außerdem ist es für einen wirklich gutwilligen Menschen, ich meine jemand der gewillt ist wirklich neutral zu urteilen, eigenlich etwas billig, die Vergangenheit des real exisierenden Solzialismus mit systemimanent, d. h. zwangsläufig zu betiteln. Zum ersten waren in ganz Europa totalitäre Regierungssysteme am Werk, (zumindest mehr oder weniger), und zweitens geschah seine erste, und damit prägende Umsetzung im für so ein Experiment ungeeignetsten Landstrick.

Natürlich ist es immer spekulativ, wenn man in der Retrospektive behauptet, wären die Umgebungsparameter anders gewesen, hätte die Entwicklung eine ganz andere Richtung genommen. Aber genauso spekulativ ist die Annahme, es müsse ein derartiges System immer diese Richtung nehmen.

Es ist für mich nicht wirklich wichtig, wie man das Gesellschaftssystem nennt, in dem man am besten lebt. Ich bin mir aber sehr sicher, daß ein System, das auf Ausbeutung vieler zum Nutzen weniger existtenziell setzt, ja setzen muß, keine wirkliche Zukunft hat.

Oder wie beurteilen Sie den Edelkapitalismus südamerikanischer Prägung? Genauso positiv?

Was Ihre Neigung zur Elitedemokratie betrifft: Wer bitte hat letztendlich die Entscheidung, wer Demokrat sein darf und wer nicht?
also_ne... (03.03.2010, 15:53 Uhr)
@ knilch_59
stimme Ihnen voll und ganz zu.
Wer wählen will, sollte sich auch (wenigstens ansatzweise) mit der Materie, Aufbau des Staates, etc. auskennen.
Vielleicht nicht unbedingt repräsentativ und sicher nicht seriös: Aber wenn ich an Raab's Erstwählercheck denke, dann rollts mir die Zehnägel auf! Und die Leute rennen dem größten Schreihals hinterher. Keine Ahnung von nix, keine Allgemeinbildung, sich "reif" genug zum Wählen fühlen aber nachher maulen, wenns nicht passt.
knilch_59 (03.03.2010, 15:13 Uhr)
@bitte-sachlich: stimmt!
Deshalb bin ich, als Demokrat, zunächst für die Abschaffung des Allgemeinen Wahlrechts. Wer wählen will, muss zuerst (!) seine demokratische Kompetenz nachweisen. Also zuerst eine Kenntnisprüfung über den Wahlgegenstand! Solange Deutsche glauben das Bundeskanzlerwesen (m/w) wählen zu können, wird das nichts! Solange die Leute den Föderalismus nicht begreifen, werden Bundestags- und Landtagswahlen zur Farce. Und Europawahlen sowieso!
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Was den Griechen passiert ist, hängt direkt mit deren Demokratiefähigkeit zusammen. Man hat sich 20 Jahre von einer politischen Clique mit einer allen-wohl-und-keinem-weh-Politik einlullen lassen. Gäbe es einen wirklichen Willen zur aktiven Mitarbeit, wäre das nie passiert! Siehe auch mein Beitrag von 11:54 Uhr. Oder man würde jetzt und heute die Verantwortlichkeit für die heutigen Zustände offener anerkennen und sich nicht als Opfer fühlen.
knilch_59 (03.03.2010, 15:04 Uhr)
@dreicon: hatten wir das nicht schon mal?
Sie unterstellen dem Kapitalismus eine Ideologie. Das ist falsch: Kapitalismus bekommt man, wenn man den Dingen ihren Lauf lässt. Seine Stärke und Schwäche ist die völlige Ideologiefreiheit. Das macht ihn höchst anpassungsfähig.
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Sozialismus ist eine tolle Idee, in sich logisch und schlüssig, funktioniert aber nicht. Weil ihm ein Merkmal fehlt: der Motivator. Wer menschliche Triebe als vorhanden anerkennt, sie aber im täglichen Handeln zwangsweise unterdrückt, begeht einen Fehler. Gier, Ehrgeiz, Geltungssucht gehören zum Menschen dazu, und kein sozialistisches System hat bisher vermocht diese Triebe zu befriedigen ohne sich selbst zu pervertieren.
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Also träumen Sie weiter vom Untergang des Kapitalismus. Ich genieße ihn und werde ohne Reue mein Haupt auf die Guillotine legen, wohl wissend, dass Sie mir nur kurze Zeit später folgen werden, ich aber zwischendurch mehr Spaß hatte. Weil die Revolution, die Sie ausrufen möchten, als Zweites ihre Kinder frisst. Das war schon immer so, und wird auch diesmal so sein. So habe ich wenigstens die Genugtuung, das Elend, das Sie und Ihresgleichen anrichten werden, nicht noch miterleben zu müssen, bevor mein Kopf in den Korb fällt - im Gegensatz zu Ihnen!
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Und viel Spaß beim Versuch die Griechen mit in diesen Strudel zu ziehen. Aber ich bin mir sicher, dass deren Cleverle-Mentalität auch ausreicht, um Ihren Idealismus nur auszunutzen. Die werden schon rechtzeitig das Weite suchen, wenn Sie merken, dass man Armut nicht damit bekämpft, dass hinterher keiner mehr etwas hat. So blöde waren nur die Franzosen und die Russen, mit allen bekannten Folgen. Das Ende ist immer Diktatur und noch mehr Armut.
Bitte-sachlich (03.03.2010, 14:52 Uhr)
@dreicon @knilch_59
Kapitalismus, Sozialismus, soziale Marktwirtschaft oder real existierender Sozialismus, das alles hat eine simple gemeinsame Messlatte: die Demokratie. Mit funktionierenden demokratischen Strukturen lässt sich jeder Gesellschaftsbau in Ordnung bringen. Und überleben tut das Modell, dass seine Bürger auf demokratischere Weise mitnimmt. In dem Sinne ist Demokratie = Vernunft. Und vernünftige Beeinflussung politischer Prozesse.

Woran es allen in der EU leider mangelt, ist eine störungsfreie Demokratie. Egal ob griechische Staatskrise oder Kölner U-Bahnbau, wo gemogelt wird (Korruption), geht alles den Bach runter.

Also wenn Ihr Euch darüber zerfetzt, wer oder was besser ist, denkt lieber über die gemeinsame Aufgabe der Stärkung der demokratischen Institutionen nach. Das führt Euch dann beide ans Ziel. Jeden auf seine Weise. Finde ich.
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