Der Druck der Märkte auf Griechenland nimmt zu. Experten fordern von dem südeuropäischen Land, endlich internationale Nothilfen anzunehmen. Finanzpolitiker der Eurozone reden die Gefahren zwar klein, haben sich nun aber dennoch darauf geeinigt, wie hoch die Zinsen für Hilfskredite sein müssten.

Die Akropolis von Athen unter dem EU-Banner: Analysten rätseln, wie Griechenland aus eigener Kraft seine Schulden begleichen will© Orestis Panagiotou/EPA
Wie schlimm steht es um den Patienten Griechenland wirklich? Darüber herrscht seit Wochen Rätselraten auf den internationalen Finanzmärkten. Über viele Jahre hinweg hat das südeuropäische Land einen gewaltigen Schuldenberg aufgetürmt, unter dem es nun begraben zu werden droht. Während Politiker der Euro-Zone fortwährend wiederholen, Europas Sorgenkind Nummer eins sei gesund genug, aus eigener Kraft wieder zu genesen, haben die Analysten diese Hoffnung nun anscheinend verloren.
Die Ratingagentur Fitch senkte die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Freitagabend erneut. Die Bonitätsnote für griechische Staatsanleihen wurde von bisher "BBB+" auf "BBB-" reduziert. Der Ausblick für dieses Rating bleibt negativ. Zudem forderte Fitch Griechenland auf, den in Aussicht gestellten EU-Notfallplan sofort zu nutzen. "Es ist an der Zeit, dass die Euro-Zone und die griechische Regierung das wahre Ausmaß ihrer Probleme anerkennen", sagte am Donnerstag der für das Mittelmeerland zuständige Analyst Chris Pryce. Die rasant steigenden Risikoprämien für griechische Anleihen und Unklarheiten über den Notfallplan der EU ließen keine lange Verzögerung zu. Pryce bemängelte, trotz des im vergangenen Monat beschlossenen Notfallplans sei unklar, was die EU genau tun wolle, wann sie es tun wolle und wie viel Hilfe sie bereitstellen würde.
Zumindest was die Zinshöhe für mögliche Hilfskredite an Griechenland angeht, haben die Finanzpolitiker am Freitag offenbar jedoch eine Einigung erzielt. Noch gibt es allerdings widersprüchliche Informationen über die genauen Konditionen. Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge müsste Griechenland für Kredite mit Laufzeiten bis zu drei Jahren deutlich mehr als sechs Prozent Zinsen zahlen. Griechenland käme damit kaum billiger weg als bei einer Finanzierung über den Kapitalmarkt. Demgegenüber melden griechische Medien am Freitagabend, bei dem Hilfspaket handele es sich um 20 bis 25 Milliarden Euro kombinierte Gelder der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) mit längerer Laufzeit - zu einem Zinssatz von 5,1 Prozent.
Wie auch immer die genauen Zahlen aussehen werden, fest steht, dass Griechenland schon lange vor sich her kränkelte: Statt das Haushaltsdefizit durch Reformen und durch Sparen wieder zurückzufahren, wurden immer mehr Schulden aufgenommen - so als würde ein Schwerkranker aus Angst vor der Therapie immer mehr Schmerzmittel zu sich nehmen. Doch nun ist die Stunde der Wahrheit nahe, denn nun werden auch diese Sedativa knapp: Schätzungen zufolge braucht Athen im April und im Mai über 20 Milliarden Euro, um seine Schulden umzuschichten und auslaufende Kredite zurückzuzahlen.
Spekulationen, dass dieses Umschichten dem Land misslingen könnte und möglicherweise eine Zahlungsunfähigkeit droht, hat die griechische Regierung erst am Donnerstag wieder brüsk von sich gewiesen. "Es gibt keinerlei Aussicht, absolut keinerlei Aussicht darauf, dass Griechenland seine Schulden nicht wird bezahlen können", sagte Wirtschaftsministerin Louka Katseli im staatlichen Fernsehen. An den Finanzmärkten würden derzeit gleichwohl die Möglichkeiten des Landes zur Finanzierung und Refinanzierung seiner Schulden getestet.
Konkret bedeutet das, dass die Regierung trotz derzeit hoher Zinsen und Risikoaufschläge neue Staatsanleihen platzieren will, sich also vom Finanzmarkt frisches Geld borgen will. Sollte es dem Land gelingen, dieses Geld zu einem moderaten Zinssatz zu erhalten, wird die Wahrscheinlichkeit geringer, dass das Land auf internationale Nothilfen angewiesen sein wird. Doch die Chancen für günstiges Schuldenmachen stehen schlecht für Athen: Der Risikoaufschlag für griechische Staatsanleihen kletterte am Donnerstag den dritten Tag in Folge auf ein neues Rekordhoch. Investoren verlangten für zehnjährige Staatsanleihen eine Rendite von rund 7,5 Prozent - gut 4,5 Prozentpunkte mehr als für entsprechende Papieren aus Deutschland.
Bliebe man bei dem Bild des Kranken, müsste man sagen: Seinen Schmerz zu betäuben, kann sich Patient Griechenland nicht mehr lange leisten.
Damit wächst die Sorge auch in Griechenland: "Schwarzer Donnerstag" titelte am Freitag die konservative Athener Zeitung "Kathimerini". Auch wenn es "noch so schmerzlich" sein werde, sollte Athen die gemeinsame Hilfe der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) beantragen, hieß es. Auch Hedgefondsmanager Eric Fine von der Investmentgesellschaft Van Eck Global glaubt, dass der Markt sich nur entspannen werde, wenn Griechenland formal die Europäische Union und den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitte.