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10. Dezember 2009, 10:26 Uhr

Boni-Steuer schockt Banker

Großbritannien besteuert die Boni der Banker einmalig mit 50 Prozent. Die einst umgarnten City-Boys sind schockiert. Damit hatten sie nicht gerechnet - die Bonusregeln waren bislang sehr lasch ausgefallen. Von Titus Kroder

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Alistair Darling, der britische Finanzminister, sagt gierigen Bankern den Kampf an© Carl de Souza/AFP

"Buch schon mal den Flug nach Genf - danke, es war schön hier, gute Nacht!", empfiehlt ein anonymer Wertpapierhändler, nur Minuten nachdem Finanzminister Alistair Darling seine Sondersteuer von 50 Prozent auf Boni verkündet hatte, auf einer Kommentarplattform für City-Händler. Die zahlreichen Tippfehler des Blog-Eintrags lassen nur auf eines schließen: Entsetzen, Wut, Empörung. "Was soll eine GS, Deutsche, BoA, BNP hier noch machen?", rattert der Schreiber die Insiderkürzel namhafter in der City of London aktiver Bankadressen herunter.

Die Debatte über die Wettbewerbsfähigkeit von Europas wichtigstem Finanzplatz, die Horrorfantasien über den einsetzenden Massenexodus in die steuermilde Schweiz lassen Darlings plakative Strafsteuer wieder am hysterischen Siedepunkt ankommen. Die Pläne betreffen rund 20.000 Londoner Banker. "Diese Art Bankerprügelei kann nur der fehlgeleitete Versuch sein, eine historische Stärke der britischen Wirtschaft zu beschädigen", schimpft Michael McKee, Partner der Großkanzlei DLA Piper. "Eine hässliche, hinterhältige und schändliche Steuer", urteilt David Buik vom Brokerhaus BGC Partners. "Sie behaupten zwar, es sei eine einmalige Aktion. Aber wer weiß das schon?"

Die britische Investmentelite, jahrelang von der Regierung umworben, fühlt sich hinters Licht geführt, betrogen. Zwei Wochen zuvor sahen sich die Topverdiener im Finanzbezirk der Hauptstadt noch glimpflich davongekommen. Das Aufatmen war hörbar, nachdem die Regierung ihre neuen Grundsätze zur Behandlung von Boni vorgestellt hatte. Die auf dem "Walker-Bericht" basierenden Regeln waren in der Tendenz zahm bis zahnlos - auch wenn die Regierung sie damals schon als "die strengsten Regeln, die ein Land bisher erlassen hat" bezeichnete.

"Die wollen nur Spielen"

Banken sollen lediglich anonym veröffentlichen, wie viele ihrer Topleute mehr als eine Millionen Pfund Jahressalär nach Hause tragen. Es folgen laue Empfehlungen der Art, dass die Gehälter künftig "ausgewogen" auszugestalten seien und die begehrten Boni, die in angelsächsischen Ländern oft ein Vielfaches des Grundgehalts ausmachen, zur Hälfte an langfristige Ziele geknüpft werden sollen. Keine Gehaltsdeckelung, keine Namen, kein Pranger.

"Alles roger, die wollen nur spielen", werden so manche in den Handelssälen und den Bürotürmen im Bankenviertel Canary Wharf und rund um die Bank of England gedacht haben. Dass Finanzminister Darling plötzlich die politische Karte im britischen Vorwahlkampf spielen würde, dass sich Labour vom langjährigen Thatcher-Imitator über Nacht zum Jäger der Vermögen der Großkopferten aufschwingen würde - das hatten nur wenige auf der Rechnung.

Doch zu groß ist noch immer die Empörung der Wähler über Bankerexzesse. "Die größte Last für die breitesten Schultern", fasst Darling die Maßnahme zusammen. Die Steuer für Betreiber echter Kasinos senkte der Finanzminister am Mittwoch übrigens um zwei Prozentpunkte.

Dieser Artikel wurde gefunden... ...in der Financial Times Deutschland

Von Titus Kroder
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
knilch_59 (10.12.2009, 22:33 Uhr)
@mid63, @ideenschmid
völlig richtig erkannt. Die Komplexität der Finanzprodukte hängt eng mit der Verflechtung der Finanzwelt zusammen. Investment-Banking hat mit Retail-Banking nichts gemeinsam, deshalb sollten diese Geschäftsbereiche strikt getrennt werden: Keine Kapitalverflechtung und keine Personalunion in den Leitungsgremien. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht darüber streiten, dass die Banker die Krise eben nicht verursacht haben, sondern die reale Wirtschaftskrise nur nicht mehr verdecken konnten. Aber die Hebelwirkung, über die wir alle klagen, kommt eben daher, dass die Banken fast beliebig Sparkapital mit Risikokapital und Eigenkapital vermischen durften. Aber zu glauben, dass das wegen der Boni erfolgte, ist falsch. Der Hund freut sich ja auch nicht, weil er mit dem Schwanz wedelt.
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Ich bin ausdrücklich Fan von Spekulation, weil sie elementare Triebfeder allen Wirtschaftens ist. Schon der Bauer, der sät, spekuliert auf Ernte und Return of Investment. Wenn jemand dem Bauern die Ernte schon vorher abkauft (Warentermingeschäft), ist die Spekulation eine wichtige Form der Risikoaufteilung. Und so weiter. Aber sich fremdes Geld leihen, um damit zu spekulieren, ist verwerflich. Das ist aber das, was Banken heute im großen Stil machen - im zu großen Stil. Um den Sparern vergleichsweise mickrige Zinsen "garantieren" zu können, hat man zu große Risiken in Kauf genommen. Blöde ist, dass die Staaten den Sparern ihre Zinsen garantiert haben und man sich darauf geeinigt hat, den Bankern als bösen Spekulanten die Schuld in die Schuhe zu schieben. Und dass man jetzt gemeinschaftlich so tut, als seien die Boni schuld daran, dass es zu diesen Exzessen kommen konnte.
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Kein Problem wird gelöst, wenn die Boni niedriger werden oder in Zukunft stärker besteuert werden. Das ist nur Opium fürs Volk.
Ideenschmied (10.12.2009, 18:30 Uhr)
Fortsetzung
... liegt es also künftig an deren Aktionären den Vorstandsbankern mal kräftig die Ohren lang zu ziehen.

Bislang wurde das versäumt.

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Wenn ich allerdings über das Langziehen der Ohren nachdenke, fällt mir auf:

Welcher Bankster wird dem anderen Bankster schon die Ohren lang ziehen?

Ideenschmied (10.12.2009, 18:24 Uhr)
@ Malt (13:37 Uhr)

Danke für die Info.

Wenn in GB jetzt die Banken die Boni der Bankster "zusätzlich" versteuern müssen, liegt es also an deren Aktionären
mid63 (10.12.2009, 17:01 Uhr)
Realwirtschaft vs. Scheinwirtschaft
@ knilch_59: Der Vergleich zwischen merkwürdigsten Finanzkonstrukten der Bangster und dem Möbelverkäufer im Küchenhaus hinkt aber gewaltig! Im ersten Fall Glückspiel/Pilotenspiel getarnt hinter dem verharmlosenden Namen Hebelprodukt, und im zweiten Fall reale Ware gegen reales Geld.

Und soweit ich das in 2008 und 2009 verstanden habe, erfolgt die Zahlung von Boni im Bankbereich ohne Bezug zum erzielten Unternehmensgewinn am Ende des Jahres! Erzählen Sie das mal einem Mitarbeiter in der realen Wirtschaftswelt, genannt Industrie, dem gerade sein variabler Gehaltsanteil mit dem Hinweis auf das katastrophale Jahresergebnis seines Arbeitgebers auf Null Euro gekürzt wurde. Von feuchten Augen bis zur geballten Faust in der Tasche werden die Reaktionen mindestens reichen.
Dreistein (10.12.2009, 16:13 Uhr)
Grossbritannien-Bonisteuer schockt Banker
Hi Leutz,
die diversen Kommentare sind zwar zumeist interessant, aber sie bringen den Bürger/Verbraucher und erst recht die Politik kein Stück weiter. Die einige Methode, die "Bankster" zur Raison zu bringen, wäre, das ganze Pack auf den jeweiligen Hauptstadt-Marktplätzen der involvierten Länder "auf das Rad zu flechten" und sie wie im Mittelalter öffentlich auszupeitschen !
Dreistein
knilch_59 (10.12.2009, 14:42 Uhr)
@Malt - auch kurzfristige Gewinne sind nichts Böses
Das macht jeder Händler auch: Billig ein- und möglichst schnell und möglichst teuer verkaufen, Banker sind lediglich Geldhändler. Jeder Möbelverkäufer hat seine Umsatzprovision usw. Da verlangt auch niemand, dass er an morgen und übermorgen denkt.
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Nein - Problem sind die übergroßen Verdienstmargen, ein Zeichen für fehlenden Wettbewerb. Der kommt wieder nicht von den Boni, sondern daher, dass insbesondere das Investmentbanking gesellschaftlich falsch aufgestellt ist. Deren Geschäftsmodell basiert auf Hebelwirkung. Nur geringem eigenen Mitteleinsatz stehen Wahnsinns-Beträge an geliehenem Geld gegenüber. Wer leiht den Investment-Bankern soviel Geld und erwartet hierfür eine derart mickrige Rendite, so dass dort dermaßen viel für Gewinne übrig bleibt, dass Riesen-Boni abfallen können?
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Volkswirtschaftslehre Grundkurs: jedem Warenstrom steht ein Geldstrom gegenüber. Den vielfältigen Warenströmen aber nur eine vergleichsweise kleine Zahl von Geldhäusern, so dass dort eine immense Macht aggregiert. Besonderen Ausdruck findet das nun mal in den Investmentabteilungen der Banken, in denen Teams von ein paar Dutzend Leuten Multi-Milliarden jonglieren. Wenn die sich von dem Deal nur ein Promille abzwacken, sind das eben schon Millionenbeträge. Wenn das deren eigenes Geld wäre - kein Problem. Aber sie dürfen sich das Geld zu festem Zins leihen, sicheres Sparkapital in Risikokapital umtauschen, in einem Maß, in dem die Akteure selbst für Fehler gar nicht mehr einstehen können. Bezeichnender Weise will man politisch an diesem Grundproblem nichts ändern, nicht in Deutschland, nicht in England oder sonst wo. Dabei gälte es das zu ändern: wir brauchen im Investmentbereich mehr Eigen- und weniger Fremdkapital. Wie gesagt: An der Bonus-Schraube zu drehen, ist der falsche Weg! Das ist, wie den Möbelverkäufer dafür zu bestrafen, dass er die Küche verkauft hat.
DasBertl (10.12.2009, 13:49 Uhr)
Richtig so!
Die Briten machen das einzig Richtige! Die Banken haben die Finanzkrise verursacht, insbesondere auch mit ihren nicht leistungsgerechten Bonisystemen. Wird Zeit, das die Verursacher auch einen großteil des von ihnen verursachten Schadens wieder begleichen, nicht nur den ihrer eigenen Häuser, sondern auch den an der Volkswirtschaft! Leider hat es hierzulande eine Tigerente, die abtaucht, sobald es etwas gegen die Casinospieler zu tun gilt...
Malt (10.12.2009, 13:37 Uhr)
@deenschmied
Die Boni sind selbstverständlich Teil des Einkommens und müssen deshalb auch ebenso versteuert werden... diese "Sondersteuer" in England ist auch so geplant, dass diese nicht von den Bänkern, sondern von den Banken bezahlt werden muss - was für diese Boni natürlich extrem teuer macht!
Malt (10.12.2009, 13:36 Uhr)
@knilch_59
"Warum sollen Boni etwas Böses sein? "
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Das kann ich Ihnen sagen: Weil sich die Boni der Bänker AUSSCHLIEßLICH an kurzfristigen Gewinnen orientieren statt dass auf Nachhaltigkeit und lang- bzw. mittelfristige Planungen gesetzt wird. GENAU DAS hat die Krise verursacht! Dass jeder nur den Quartalszahlen nachgehetzt hat aber sich keiner Gedanken darum gedacht hat, was denn danach kommt, war und ist leider Gottes immernoch DAS HAUPTPROBLEM in unserm Wirtschaftssystem. Und bestimmt wird dieser Takt eben in erster Linie von den Banken, die diese Denkweise auch kleinen Unternehmen und Familienbetrieben aufzwingt - hier heißt das Stichwort Rating! Haben Sie sich denn noch nie gewundert, warum man, obwohl man ein und die selben Zahlen an die Banken weitergibt, von 3 Banken dreimal unterschiedlich geratet wird? NICHT MAL DIE BÄNKER können erklären warum das so ist - ich hab' nachgefragt!
Ideenschmied (10.12.2009, 13:33 Uhr)
Wie werden Boni versteuert ?
Zitat von OneSizeFitsAll, 11:47 Uhr
...dennoch eine Frage? Sind Boni nicht einfach Gehaltsbestandteile, die automatisch der Einkommensteuer unterliegen? ...

Als Ottonormalsteuerzahler bin ich bislang davon immer ausgegangen.

Ist es wirklich so, dass Boni nicht versteuert werden müssen ???

Kannn ein Boni-Banker (oder einer der es weiß) dazu mal grob Stellung nehmen.

Ein Steuerberater würde wahrscheinlich sagen, 'die Materie ist zu kompliziert', um dazu kurz Stellung nehmen zu können.



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