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2. Juni 2006, 15:14 Uhr

Terroristen-Jagd in London

Bei einer Anti-Terror-Razzia in einem Londoner Wohnhaus hat die britische Polizei einen Mann angeschossen und einen weiteren festgenommen. Die Beamten trugen Schutzkleidung, im Haus wurde eine Bombenwerkstatt vermutet.

Ein britischer Polizist steht vor dem gestürmten Haus in der Landsdown Road in Forest Gate, Ostlondon© John Stillwell/AFP

Bei dem Sturmangriff auf eine Wohnung im Ost-Londoner Einwandererviertel Forest Gate wurde ein mutmaßlicher Terrorist vom britischen Anti-Terror-Kommando angeschossen. An der Operation, die gegen 04.00 Uhr am frühen Morgen begann, waren bis zu 250 Polizisten beteiligt - viele von ihnen in Kampfausrüstungen sowie in Schutzkleidung gegen chemische und biologische Wirkstoffe. "Uns lagen Hinweise vor, die ein intensives Vorgehen zwingend erforderlich machten", erklärte am Freitag der Chef der Anti-Terrorspezialeinheit der Londoner Polizei, Peter Clarke.

Kein direkter Zusammenhang zu den Bombenanschlägen

Der Großeinsatz rief bei Londonern Erinnerungen an die Bombenanschläge vom 7. Juli vergangenen Jahres auf U-Bahnen und einen Bus wach. Die Polizei erklärte, die Großrazzia im Viertel Forest Gate stehe in keinem direkten Zusammenhang mit noch anhaltenden Untersuchungen zu diesen Bombenanschlägen. Dabei hatten vier Selbstmordattentäter mit selbst gebauten Rucksackbomben 52 Menschen mit sich in den Tod gerissen.

In der Wohnung wurde ein weiterer Terrorverdächtiger festgenommen. Gegen beide Männer, die nach Angaben des Senders BBC Brüder sind, erging Haftbefehl wegen der Vorbereitung von Terroranschlägen. Nachbarn beschrieben die beiden 20 und 23 Jahre alten Männer als freundliche Muslime, die bislang nicht negativ aufgefallen seien.

Söhner einer Immigrantenfamilie

Die mit Schutzanzügen gegen Strahlen sowie biologische und chemische Gefahren bekleideten Polizisten hatten die Straßen um das Wohnhaus im Bezirk Forest Gate abgesperrt. "Ganz viele Polizisten kamen und drückten die Scheiben des Hauses ein, um ins Innere zu gelangen", sagte ein 14-jähriger Nachbar. "Dann kam ein Typ mit einem Schuss in seiner Schulter heraus, er schwankte." In dem Haus wohne eine Familie mit zwei Söhnen und einer Tochter. Nach den Worten der weiteren Anwohnerin handelt es sich um Immigranten aus Bangladesch. Einer der Söhne, der mit ihr zur Schule gegangen sei, habe sich vor kurzem einen Bart wachsen lassen und sich konservativer gekleidet.

Die Verletzungen des angeschossenen 23-jährigen seien nicht lebensbedrohlich, hieß es im Krankenhaus. Eine Kommission von Scotland Yard untersucht, ob der Schusswaffengebrauch gegen den nach ersten Erkenntnissen unbewaffneten Mann gerechtfertigt war. An der Aktion war das selbe Polizeikommando beteiligt, dessen Angehörige am 22. Juli 2005 in London den unschuldigen Brasilianer Jean Charles de Menezes für einen Terroristen gehalten und erschossen hatten.

Bisher drei Anschläge vereitelt

Seit den Attentaten vom Juli sind die britischen Sicherheitskräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Nach Angaben des Londoner Polizeichefs Ian Blair planen verschiedene Gruppen neue Angriffe. Drei Bombenanschläge konnten seither vereitelt werden. Der jetzige Einsatz von Schusswaffen ist der erste seit einer Anti-Terror-Operation der britischen Polizei kurz nach den Attentaten Mitte 2005.

Clarke sagte, die Polizei setze "nach konkreten Hinweisen von Geheimdiensten" ihre Anti-Terror-Operationen fort. Damit solle "die Sicherheit der Öffentlichkeit zu gewährleistet werden". Wegen der laufenden Ermittlungen könnten vorerst keine Einzelheiten veröffentlicht werden.

Keine Kampfstoffe gefunden

Nach Einschätzung von Sicherheitsexperten fand die Polizei in der betroffenen Wohnung jedoch keine wirklich gefährlichen Kampfstoffe oder Bomben, sondern vermutlich höchstens Materialien, die für die Fertigung verwendet werden könnten. Ansonsten wäre das Wohngebiet evakuiert worden, hieß es bei der BBC. Scotland Yard hatte aber ein Flugverbot über dem betroffenen Stadtgebiet verhängt.

DPA/AP/Reuters
 
 
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