David Störenfried gegen Goliath Brüssel

12. Dezember 2011, 18:25 Uhr

David Cameron hat mit seinem Veto in Brüssel seinen liberalen Koalitionspartner Nick Clegg düpiert. Der britische Premier will weiter den Störenfried spielen, denn er weiß das Volk hinter sich. Von Cornelia Fuchs, London

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Von den Euro-Skeptikern überschüttet mit Lob: Premier David Cameron während seiner Rede im Unterhaus©

Bemerkenswert war, was nicht präsent war während der Parlamentsdebatte im britischen Unterhaus zu David Camerons Auftritt in Brüssel in der vergangenen Woche. In Brüssel stellte er sich gegen den Euro-Rettungsvertrag. In Westminster zeigte der britische Premier keinerlei Bedauern über den Ausgang der Verhandlungen. Was ebenfalls fehlte, war allerdings sein Stellvertreter Nick Clegg, um mit ihm den Triumph nach einem Sieg über die französischen-deutschen Pläne zu feiern.

Clegg, Vorsitzender der Liberaldemokraten und Camerons Koalitionspartner, setzte sich der diesmal besonders lauten Zwischenrufe und Zischlaute nicht aus. Was wiederum auf das kleine Problem hinweist, das Cameron während der gesamten Debatte tunlichst zu ignorieren versuchte: Sein Nein in Brüssel gefährdet seine Koalition in London.

Hat Cameron Clegg bewusst hintergangen?

Dass der britische Verbleib in der Europäischen Union auf gar keinen Fall infrage gestellt werden wird, war Teil der Koalitionsvereinbarung mit den Liberaldemokraten. Nick Clegg, geboren in Holland in eine halb-russische Familie und verheiratet mit einer Spanierin, ist einer der wichtigsten pro-europäischen Politiker in Großbritannien. Eine Politik innerhalb Europas ist eines der Glaubensgrundsätze der Liberalen.

Doch Cameron hat sich in der Nacht zu Freitag einen Dreck um die Positionen seiner politischen Freunde geschert. Inzwischen gibt es sogar Gerüchte, dass er Clegg gar nicht informiert habe über seine wahren Absichten in Brüssel. Ein Vorwurf, den Cameron vehement abstreitet. Sicher ist jedoch, dass er Clegg nicht anrief, als in der Nacht die Verhandlungen immer schwieriger wurden, und er schließlich beschloss, dem Ganzen durch ein Veto ein Ende zu bereiten. Und das, obwohl Clegg in den Tagen vor dem Gipfel quer durch Europa telefoniert hatte, um für die Briten wichtige Zugeständnisse einzuholen.

Der eine ein Held, der andere ein Verlierer

Das Taktieren hat sich für Cameron ausgezahlt: Er gilt bei den Engländern als Held. Fast 60 Prozent halten seine Strategie für richtig. Der Verlierer ist Clegg. Seine Meinung änderte er nach einer ersten verhalten positiven Reaktion am Freitag um 180 Grad zu wütenden Angriffen auf Cameron. Großbritannien laufe Gefahr ein "Zwergenstaat" zu werden, sagte er in einem Interview. Doch sein Lavieren kommt bei den Wählern nicht gut an.

Die Liberaldemokraten sind in Umfragen auf neue Tiefstände gefallen. Was wiederum Clegg in eine Ecke treibt, aus der kaum entkommen kann: Er kann die Koalition trotz des offensichtlichen Affronts von Cameron nicht aufkündigen. Bei einer Neuwahl würde seine Partei ausradiert. Entsprechend ruderten Vertreter der Liberaldemokraten nach der harten Kritik ihres Vorsitzenden zurück: Niemand werde zurücktreten. Die Koalition sei da, um Großbritannien durch die schwere Wirtschaftslage zu steuern. Probleme werden geklärt.

Bremsklotz und Störenfried

Cameron währenddessen sonnt sich sehr offensichtlich in seiner neu gewonnenen Popularität. Die Fraktion aufsässiger euro-feindlicher Hinterbänkler überschüttete ihn mit Lob und guten Worten. Die Einwände der Opposition wehrte er ab als Angriffe naiver Jungs, die keine Ahnung haben, was wirklich in Europa los sei. Und an seine europäischen Partner richtete er so etwas wie eine Drohung: Großbritannien werde sehr genau beobachten, wie EU-Institutionen benutzen werden, um außer-europäische Verträge zu verhandeln und durchzusetzen.

Cameron will also weiter den Bremsklotz spielen beim Euro-Rettungsplan. Die Zukunft Großbritanniens liege innerhalb der EU, ließ er ebenfalls verlauten. Und Cameron hat für sich eine neue Hauptrolle ausgesucht, die des Störenfrieds.

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