21. Januar 2012, 19:14 Uhr

Muslimbruderschaft feiert Wahlsieg in Ägypten

Das Ergebnis ist jetzt amtlich: Die Islamisten haben bei den Wahlen in Ägypten einen deutlichen Sieg errungen. Stärkste Kraft wurde die Muslimbruderschaft. Wie religiös das Land tatsächlich wird, hängt von künftigen Bündnissen ab.

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Eine Frau bei der Stimmabgabe©

Knapp ein Jahr nach dem Sturz von Langzeitmachthaber Husni Mubarak geben die Islamisten in Ägyptens neuem Parlament den Ton an. Die Wahlkommission stellte in Kairo das offizielle Endergebnis der ersten freien Wahl vor. Demnach gewannen die islamistischen Parteien zusammen mehr als 70 Prozent der 498 Mandate. Die sogenannte Revolutionsjugend, die am 25. Januar 2011 die Massenproteste gegen Mubarak initiierte und damit seinen Sturz herbeiführte, spielt dagegen im neuen Parlament mit nur sieben Mandaten kaum eine Rolle.

Großer Wahlsieger ist die Partei der Muslimbruderschaft sowie ihre Bündnispartner, die 45,7 Prozent der Stimmen erringen konnten. Diese Parteien bezeichnen sich selbst als "moderat islamisch". Allerdings wünschen sie eine noch stärkere Rolle der Religion im Staat als beispielsweise die tunesische Islamisten-Partei Ennahda.

Für die größte Überraschung sorgte die radikal-islamische Partei des Lichts ("Hizb al Nur"). Diese landete auf dem zweiten Platz und sicherte sich gemeinsam mit anderen kleineren Parteien aus dem Lager der sogenannten Salafisten 24,6 Prozent der Sitze.

Präsidentschaftswahlen im Juni

Die traditionsreiche liberale Wafd-Partei belegt demnach mit 8,4 Prozent den dritten Platz, gefolgt von der neuen liberalen Ägyptischen Allianz mit 6,6 Prozent. Die sogenannte Revolutionsjugend, die im vergangenen Jahr mit Massenprotesten den Sturz von Präsident Husni Mubarak herbeigeführt hatte, ist in dem neuen Parlament kaum vertreten.

Bei der Wahl, die in drei Etappen stattfand und sich vom 28. November bis zum 18. Januar hinzog, waren insgesamt 498 Sitze zu vergeben. Weitere zehn Mandate darf der Oberste Militärrat verteilen, der nach dem Sturz von Mubarak die Macht übernommen hatte. Unter Mubarak waren diese Plätze traditionell an Frauen und Angehörige der christlichen Minderheit vergeben worden.

Die erste Parlamentssitzung ist für den kommenden Montag geplant. Dann steht die Wahl des Parlamentspräsidenten an. Es wird erwartet, dass der Generalsekretär der Partei der Muslimbrüder, Saad al Katatni, gewählt wird. Seine beiden Stellvertreter werden wahrscheinlich ein Mitglied der Wafd-Partei und ein Mitglied der Partei des Lichts.

Bis zum Sommer sollen die Ägypter außerdem noch die Abgeordneten der Zweiten Kammer (Schura-Rat) wählen. Dann soll unter Mitwirkung des Parlaments eine neue Verfassung formuliert und dem Volk zum Referendum vorgelegt werden. Im Juni steht dann die Präsidentschaftswahl an.

mai/DPA
 
 
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