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Absurdes Telefonat: Donald Trump prophezeit Touristenboom auf Guam

Mit einem Telefonat wendet sich US-Präsident Donald Trump an den Gouverneur der Pazifikinsel Guam, die im Fadenkreuz von Nordkoreas Atomraketen steht. Der Ernst der Lage wird dabei weggelacht.

US-Präsident Donald Trump sorgt einmal mehr für Verwunderung. Im Blickpunkt diesmal: ein Telefonat mit Eddie Calvo, dem Gouverneur der US-Pazifikinsel Guam. Der ernste Hintergrund des Gesprächs ist die Drohung Nordkoreas, seine Atomraketen auf das 160.000-Einwohner-Eiland abzufeuern.

Doch während sich die Behörden dort auf den Ernstfall vorbereiten und die für den Zivilschutz zuständige "Guam Homeland Security" der Bevölkerung Hinweise zum Verhalten im Falle eines nordkoreanischen Atomwaffenangriffs gibt, sieht Trump die ganze Angelegenheit offenbar deutlich gelassener, wie der Mitschnitt des Telefongesprächs zeigt.

Guam-Gouverneur und US-Präsident lobpreisen sich

Hochgeladen in die sozialen Netzwerke wurde das gut dreiminütige Video von Guam-Gouverneur Eddie Calvo, ebenso wie Trump Republikaner. Die gemeinsame Parteizugehörigkeit sorgt möglicherweise auch dafür, dass es keine Kontroversen zwischen den beiden Männern gibt: Im Gegenteil: Im Grunde ist das Gespräch eine einzige gegenseitige Lobhudelei. "Ich möchte Ihnen meinen Respekt zollen", sagt Trump gleich zu Beginn des Telefonats, "Wir stehen zu 1000 Prozent hinter Ihnen", "Sie sind sicher". Der Gouverneur entgegnet angetan: "Ich fühlte mich niemals so sicher und zuversichtlich" und "Wir brauchen einen Präsidenten wie Sie".


Tourismusboom durch Atomkrise?

Danach wird es noch absurder: Trump lobt die Schönheiten der Insel, die er im Fernsehen gesehen habe. Guam sei durch den Konflikt weltweit sehr bekannt geworden und werde von dem atomaren Säbelrasseln profitieren: "Sie werden etwa zehnmal soviel Tourismus haben, ohne auch nur einen Cent für Werbung ausgegeben zu haben." Unter Gelächter stimmte Calvo dem Präsidenten zu: "Wir werden bald 110 Prozent Auslastung haben." Trump sei eingeladen, Guam zu besuchen. Calvo sei im Gegenzug im Weißen Haus in Washington jederzeit willkommen, versprach Trump. Es klingt wie das Gespräch unter echten Männerfreunden, die nukleare Bedrohung ist keinem der beiden Politiker anzumerken.


Nach dem wandte sich Calvo per Videobotschaft an seine Bürger, sagte "Wir sind sicher". Er fühle sich durch Regierung und Armee beschützt. Immerhin: Auch die Bewohner Guams vertrauen darauf. Sie verfolgen die aktuelle Entwicklung zwar gespannt, bleiben aber nach Angaben von Reportern weitgehend entspannt. "Ich denke, es wäre eine dumme Idee, uns anzugreifen, weil wir glauben, dass die USA uns beschützen", sagte zum Beispiel eine 25-jährige Frau. Auch die vielen Touristen auf der Insel lassen sich ihren Urlaub nicht vermiesen. Der Fremdenverkehr gehörte schon zu den bedeutendsten Wirtschaftszweigen Guams, bevor die Insel zum Spielball der Weltpolitik wurde. 

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