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9. Februar 2006, 16:07 Uhr

US-Militärs ernähren per Schlauch

Mit offenbar drastischen Maßnahmen haben US-Militärs im Gefangenenlager Guantanamo einen Hungerstreik weitgehend beendet. Anwälte von Insassen sprechen von einem "brutalen" und "unmenschlichen" Vorgehen.

Aktuelle Bilder sind rar: Das US-Gefangenenlager Guantanamo im Jahr 2002© DDP

Das US-Militär hat einem Zeitungsbericht zufolge Hungerstreikende im Gefangenenlager Guantanamo zwangsernährt. Die Häftlinge seien stundenlang an Stühle gefesselt worden. Dann sei ihnen Nahrung durch Schläuche, die über die Nasenlöcher eingeführt wurden, verabreicht worden, berichtete die "New York Times" am Donnerstag unter Berufung auf Militärvertreter. Das US-Verteidigungsministerium nahm zunächst keine Stellung zu dem Bericht.

"Auf mitfühlende und menschliche Weise"

Die Zwangsernährung der Männer sei veranlasst worden, weil einige von ihnen entschlossen gewesen seien, sich zu Tode zu hungern, hieß es in dem Bericht weiter. Sollte jedoch einer der Insassen tatsächlich sterben, fürchteten die Militärs einen internationalen Aufschrei, berichtet die "New York Tims". Deshalb hätten sie nun diese Maßnahmen ergriffen, die offenbar bereits Wirkung zeigen. Die Anzahl der Hungerstreikenden sei von 84 Ende Dezember auf nun vier gefallen, sagte ein Sprecher des US-Stützpunktes auf Kuba der Zeitung. Die US-Militärs nehmen für sich in Anspruch, die Zwangsernährung so durchgeführt zu haben, wie es auch in US-Bundesgefängnissen üblich ist. Dies sei in "mitfühlender und menschlicher Weise" geschehen und nur, um die Häftlinge am Leben zu erhalten. Die "New York Times" berichtete, die Männer seien daran gehindert worden zu erbrechen, nachdem ihnen die Nahrung zugeführt worden sei. Es gehe bei den Maßnahmen darum, das Leben der Insassen zu schützen und zu erhalten, sagte ein hochrangiger Pentagon-Vertreter der Zeitung.

Anwälte kritisieren Methoden

Anwälte verurteilten die Methoden des Militärs dagegen als erniedrigend. "Es ist eindeutig, dass die Regierung den Hungerstreik mit Gewalt beendet hat und dabei brutal und unmenschlich vorgegangen ist", sagte ein Anwalt aus Washington, der sechs aus Kuwait stammende Gefangene vergangenen Woche in dem Lager besucht hat. Die Hungerstreikenden seien zudem über längere Zeiträume in stark gekühlten Zellen in Einzelhaft gehalten worden. Dabei seien ihnen Annehmlichkeiten wie Decken oder Bücher verwehrt worden. Amnesty International äußerte sich bisher zurückhaltend zu dem Bericht. Im Prinzip sei die Organisation weder für noch gegen Zwangsernährung, hieß es in einem Statement, das die deutsche Sektion von Amnesty International veröffentlichte. Wenn die Art der Zwangsernährung die Betroffenen jedoch absichtlich leiden lasse, dann sei dies eine "grausame, unmenschliche und herabwürdigende Behandlung."

Nahrungsverweigerung seit August

Diejenigen Häftlinge, die in den Hungerstreik getreten waren, stammen überwiegend aus Afghanistan oder arabischen Ländern. Sie protestieren gegen ihre Inhaftierung auf unbestimmte Zeit und ihre Haftbedingungen. Auf Guantanamo halten die USA rund 500 Männer fest, die sie im Rahmen ihres Kampfes gegen den Terrorismus festgenommen haben. Bislang ist nur gegen zehn von ihnen Anklage erhoben worden. Das Lager existiert seit Anfang 2002. Nach einer Studie, die Anwälte einiger Insassen in dieser Woche mit Verweis auf Pentagon-Unterlagen vorgestellt haben, waren lediglich 45 Prozent der Häftlinge an feindseligen Handlungen gegenüber den USA beteiligt, nur acht Prozent waren demnach Al-Kaida-Kämpfer.

Reuters/Güss
 
 
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