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15. Juli 2008, 18:17 Uhr

"Interessant, was es nicht zeigt"

Sieben Stunden ist es lang, einige Minuten waren nun zu sehen: Erstmals ist ein Video gesendet worden, dass das Verhör eines 16-Jährigen in Guantanamo zeigt. Der US-Bürgerrechtler Ben Wizner glaubt, dass die US-Regierung sich vor dem Dokument nicht fürchten muss.

Als das Video entstand, war Omar Khadr gerade einmal 16 Jahre alt© Screenshot stern.de

In Kanada ist zum ersten Mal eine Videoaufzeichnung eines Verhörs im US-Gefangenenlager Guantanamo veröffentlicht worden. Die Anwälte des Häftlings Omar Khadr gaben die Bilder heraus, die zeigen, wie der damals 16-Jährige von einem kanadischen Geheimdienstbeamten verhört wird. Er ist der jüngste Gefangene im US-Lager auf Kuba.

Das insgesamt siebenstündige Verhör zeigt Khadr, wie er sein orangefarbenes Hemd hochzieht, um den Ermittlern die ihm zugefügten Wunden zu zeigen. Zehn Minuten lang weint der Junge, das Gesicht in seinen Händen verborgen. Zeitweise wirkt er ruhig, dann wieder resigniert und verzweifelt. "Hilf mir, töte mich", schluchzt er mehrmals. Alles in allem zwar erschütternde aber beileibe keine schockierenden Bilder.

"Diese Szenen sind nicht vergleichbar mit den Dingen, die wir aus Guantanamo kennen", sagt Ben Wizner von der US-Bürgerrechtsunion ACLU, der Khaled el Masri verteidigt hatte, stern.de. Dabei seien genau die Details interessant, die das Video eben nicht zeige. "Ich kann nicht sagen, ob auch Gewalt oder Missbrauch gefilmt wurde", so Wizner, "die US-Regierung aber wird das Video als Bestätigung dafür nehmen, dass auf der kubanischen US-Basis nicht gefoltert werde." Viele andere Videos, die mutmaßliche Missbrauchsszenen zeigen, seien verschwunden oder zerstört worden, so der Bürgerrechtler.

Omar Khadr, mittlerweile 21 Jahre alt, wurde 2002 als 15-Jähriger gefangen genommen. Während des Verhörs, das von einer versteckten Kamera aufgezeichnet wurde, berichtet er, er sei im US-Luftwaffenstützpunkt Bagram in Afghanistan gefoltert worden. Außerdem wirft er den USA vor - allerdings nicht im Video zu sehen -, dass er in afghanischer Haft, vergewaltigt worden sei. Außerdem sei er gezwungen worden, als "menschlicher Mopp" seinen eigenen Urin aufzuwischen.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums wies die Anschuldigungen zurück. Khadr sei nicht misshandelt worden. "Unsere Politik ist es, Insassen menschlich zu behandeln. Khadr ist menschlich behandelt worden", so der Sprecher. "Das ist nur die Standardantwort der US-Regierung für solche Fälle", so Wizner.

Khadr schon mit zehn Jahren auf US-Terrorliste

Khadr wurde in Kanada geboren und ist kanadischer Staatsbürger. Schon im zarten Alter von zehn Jahren ist er auf die Terrorliste der Vereinigten Staaten gerutscht. Damals war sein Vater Ahmad Said Khadr, ein hochrangiges Mitglied der al Kaida, mit seiner Familie 1996 von Peschawar ins afghanische Dschalalabad gezogen. Dort hatte Omar offenbar ein Ausbildungscamp des Terrornetzwerks durchlaufen. Ende Juli 2002 soll er amerikanische Soldaten beschossen, und mit einer Granate den amerikanischen Oberfeldwebel Christopher Speer getötet haben, so die Version der US-Ankläger. Im Februar 2006 hatte Speers Witwe den Vater angeklagt und Entschädigung in Höhe von 102,6 Millionen Dollar erstritten.

Die Anwälte, die das Video jetzt an die Sender CNN und BBC weitergeben haben, hatten die Freigabe vor einem kanadischen Gericht erstritten. "Auch wenn die Kanadier unter starkem Druck aus Washington stehen", so Wizner, "sind sie offensichtlich gewillt, die allgemeinen Vorwürfe gegen die US-Regierung eher objektiv zu betrachten." Khadrs Verteidiger wollen die Aufzeichnungen im bevorstehenden Prozess gegen ihn vor einem Sondergericht als Beweis für den Druck verwenden, unter dem ihr Mandant seinerzeit gestanden habe.

"Alles geht seinen rechten Gang

Ob es ihm hilft, ist allerdings zweifelhaft. Ben Wizner war bereits bei einigen Vorverhandlungen in Guantanamo dabei. Auch wenn sie auf den ersten Blick wie normale Verhandlungen wirkten, so der Bürgerrechtler, mit einem Richter, Anwälten und Anklägern, seien sie ein abgekartetes Spiel. "Eine potemkinsche Verhandlung, die der Welt, aber vor allem den Bürgern der USA zeigen soll, dass alles seinen rechten Gang geht."

Niels Kruse mit DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 17)
 
ecomoc4u (16.07.2008, 13:35 Uhr)
@durant2008
bush did it. bombs did it.
ron paul 08.
Mene68 (16.07.2008, 08:52 Uhr)
@durant2008
Als die Gustloff 1945 versenkt wurde, waren ca 10.000!!! Menschen an Bord. Das bei einer Länge von 209 Metern. Warum sollten auf einen "moderneren" und größeren Schiff nicht 25.000 Menschen eingefercht werden können?
Die Freedom of the Seas ist ein Luxusliner neuerste Generation für bis zu 5.700 Passagiere. Sperre in die Kabinen 5-10 Menschen ein....schon haste deine 25.000 Menschen an Bord...
Also wenn man keine Ahnung hat...
Zum Thema...was hier von "demokratischen" Staaten, die ja so auf Menschenrechte pochen...abgezogen wird, ist einfach nur verachtenswert. Und unsere Regierung unterstützt das auch noch.
Langsam schäme ich mich, ein Deutscher zu sein....
Huxley_82 (16.07.2008, 08:49 Uhr)
@gmathol
Hast du irgendeine Quelle für deine Behauptung mit dem Gefangenenschiff?
Es gibt nämlich auch Leute die behaupten, Hitler würde immer noch leben, und zwar auf dem Mars...
Bensil_Norm (16.07.2008, 07:59 Uhr)
911 Insidejob
Viel will ich nicht schreiben, nur das am 11.09.2001 die WTC-Türme in New York und das Gebäude 7 von der Regierung selber gesprengt wurde.
Leider findet sich kein Richter der diesen Massenmord und die daraus resultierenden weiteren Verbrechen zu verurteilen mag.Ach ja wenn jetzt die Schafe blöcken "Verschwöhrungstheorie" dann antworte ich das eben Stahl härter ist als Aluminium! Informieren Sie sich, doch bitte nicht in den Systemmedien.
Bensil Norm 2050minusX
Countryjoe (16.07.2008, 06:38 Uhr)
Anwälte
Nichts weiter als eine Anwaltsshow zwecks Schadensersatzmillionen. Wenn die Amis mal diesen Schadesersatzschwachsinn gründlich reformieren, verschwindet auch dieser Spuk recht schnell und spurlos.
gmathol (16.07.2008, 02:45 Uhr)
@durant2008
Wahrheit tut weh! Diese 25.000 Menschen sind in Kaefigen untergebracht!
Uebrigens Leute wie Sie die fuer die USA - vielleicht sogar bezahlt bloggen - koennen uns nicht mit Ihrer Propaganda und angeblichen Fakten beeindrucken!!!
Sicherlich nicht schoen wenn jemand "Tod den USA" schreibt, das "Tod dem Iran" und "Nuke Iran" des US (Demokratie?) Kongress scheint Sie ja nicht zu stoeren.
Mord, Folter bleibt sich gleich wer es begeht.
Mahatma Ghandi hat einmal gesagt: "What difference does it make to the dead, the orphans and the homeless, whether the mad destruction is wrought under the name of totalitarianism or the holy name of liberty or democracy?"
durant2008 (16.07.2008, 00:47 Uhr)
@gmathol LOOOOOOOOL
Mal wieder zu lange 5 Minuten Verschwoerungsvideos auf YouTube studiert?
"Menschenrechtler haben vor der US Basis Diego Garcia eine Art USS-Ausschwitz entdeckt, ein Gefangenenschiff indem 25.000 Menschen gequaelt werden!"
Wow... nicht schlecht. 25,000 Menschen! Was ist das denn bitte fuer ein Schiff? Das muesste ja kilometerlang sein!
Irgendwelche Quellenangaben von ERNSTZUNEHMENDEN medien?
Zum vergleich:
Die Freedom of the Seas fasst knapp 5,700 Leute MIT Besatzung bei einer Laenge von 390 metern.
D.h., dass man ein Schiff von mindestens 1 km laenge brauchte um ueberhaupt die "Gefolterten" reinquetscheb zu koennen... OHNE Wachen.
Was fuer ein humbug hier gepostet wird! Hauptsache gegen die USA!
gmathol (16.07.2008, 00:07 Uhr)
@Mannebacher
Lieber Ami-Freund, dieser 15 jaehrige ist entfuehrt und an US Soldaten verkauft worden!
Die Taliban sind uebrigens von den britischen SAS Gruppen in der Folter, die Sie zurecht abstossend finden ausgebildet worden!
Menschenrechtler haben vor der US Basis Diego Garcia eine Art USS-Ausschwitz entdeckt, ein Gefangenenschiff indem 25.000 Menschen gequaelt werden!
Sicherlich geniessen Sie auch die Vorzuege die Ihnen von der US-Finanzbetrugswirtschaft frei Haus geliefert werden: hohe Energiepreise, Inflation und Arbeitsplatzabbau. Volkswagen wird Teile seiner Passatfertigung in den Bundesstaat Alabama verlegen.
Schoenen Tag noch! Oder "Folter, Folter".
lazarus06 (16.07.2008, 00:06 Uhr)
Düstere Erinnerungen,
und zwar an den Volksgerichtshof im Dritten Reich. Da genügte auch nur der Verdacht,und Menschenrechte waren außer Kraft. Einfach nur unwürdig;ach so : War da nicht auch jemand vom BND ? Kurnaz ?
gmathol (16.07.2008, 00:02 Uhr)
Die USA muessen sich deswegen vor Menschrechtsverletzungen nicht fuerchten...
...weil es soviele Komplizen gibt. Alle Laender die diplomatische Beziehungen zu den USA betreiben oder in Buendnissen mit den USA zusammenarbeiten sind praktisch mitschuldig.
Das war das Gesetz von Nuernberg!
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