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7. Juni 2007, 15:22 Uhr

"Dem Abkommen entkommt niemand"

Die G8-Staaten haben sich auf butterweiche Klimaziele geeinigt. Sie versprechen, den Kyoto-Prozess unter dem Dach der Vereinten Nationen voranzutreiben - und sie wollen "in Betracht ziehen", die CO2-Emissionen bis 2050 zu halbieren. Kritiker sprechen von "Etikettenschwindel" Von Florian Güßgen, Heiligendamm

Die G8-Staats- und Regierungschefs beim "Familienfoto" in Heiligendamm© EPA/PETER KNEFFEL

Es ist mehr, als zu erwarten war. Die G8-Staats- und Regierungschefs haben sich in der strittigen Klimapolitik auf gemeinsame Ziele geeinigt. So erkennen sie die Inhalte und die Schlussfolgerungen der Berichte des Weltklimarates an. Zudem sind sie sich einig, dass der Kyoto-Prozess unter dem Dach der Vereinten Nationen weiter geführt werden soll. Drittens "ziehen sie in Betracht", den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid bis 2050 um die Hälfte zu reduzieren.

Diese Angaben machte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag am Rande des Gipfeltreffens. "Diesem Abkommen entkommt niemand. Das ist ein Riesenschritt nach vorne", sagte die derzeitige G8-Vorsitzende Merkel bei einem Gruppeninterview mit deutschsprachigen Fernsehsendern, das live in das Pressezentrum im benachbarten Kühlungsborn übertragen wurde. Jetzt sei der Weg dafür frei, konkrete Klimaverpflichtungen anzustreben.

Butterweich, aber mehr als erwartet

Für Merkel ist es ein Erfolg, dass sie die Staats- und Regierungschefs dazu bewegen konnte, die Zielmarke 2050 sowie eine Halbierung des CO2-Ausstoßes zu erwähnen. Zwar ist die Formulierung "sie ziehen in Betracht" butterweich, aber bislang galt es als unwahrscheinlich, dass die USA selbst so einer butterweichen Fassung zustimmen würden. Zudem hat Merkel es geschafft, indirekt auch die Begrenzung der Erderwärmung in der Abschlusserklärung unterzubringen.

Indem der klare Bezug auf die Berichte des Weltklimarates hergestellt ist, in dem angemahnt wird, eine weitere Erwärmung der durchschnittlichen Temperatur zu verhindern, kann Merkel behaupten, der Gipfel habe auch diese Notwendigkeit anerkannt. Auch das ist für die CDU-Politikerin ein diplomatischer Erfolg. "Jetzt ist der Weg dafür frei zu sagen, wir brauchen konkrete Klimaverpflichtungen", sagte Merkel.

G8 will starke und frühzeitige Schritte unternehmen

Unter Absatz 48 der Abschlusserklärung der G8 unter dem Titel "Wachstum und Verantwortung in der Weltwirtschaft" heißt es. "Der jüngste Bericht [des Weltklimarates, die Red.] stellte fest, dass die Temperaturen weltweit steigen und dass dies größtenteils durch die Handlungen des Menschen verursacht worden ist." Der Anstieg der Durchschnittstemperatur habe negative Folgen für das Ökosystem, auch für die Versorgung mit Wasser und Lebensmitteln, heißt es in dem Dokument.

In Absatz 49 heißt es dann, man haben sich darauf festgelegt, "starke und frühzeitige Schritte zu unternehmen, um den Klimawandel anzugehen, um den Ausstoß von Treibhausgasen auf einem Niveau zu stabilisieren, das ein gefährliches menschliches Eingreifen in das Klimasystem verhindern würde." Wie es in dem Bericht des Weltklimarates stehe, müsse dafür gesorgt werden, dass die Erdtemperatur weiter steige. "Wir haben uns heute im Beisein aller großen Ausstoßländer darauf geeinigt, dass wir die Entscheidungen der Europäischen Union, Kanadas und Japans ernsthaft in Betracht ziehen werden, die Menge der globalen Emissionen bis 2050 mindestens um die Hälfte zu reduzieren."

Grüne kritisieren Ergebnis

Merkel sagte, bei dem Dokument handele es sich wie bei allen G8-Erklärungen nicht um eine verbindliche Abmachung. Es handele sich um politische Absichtserklärungen - auf denen man allerdings bauen könne. Sie dankte insbesondere Japan und Kanada. Diese Länder hätten sich bei den Verhandlungen besonders kooperativ gezeigt, sagte die Kanzlerin. Merkel sprach von einer "sehr angenehmen" Verhandlungsatmosphäre.

Kritik erntete die Kanzlerin von der innerdeutschen Opposition. "Frau Merkels angeblicher Riesenerfolg ist ein ganz gewöhnlicher Etikettenschwindel", sage Grünen-Chef Reinhard Bütikofer. "Es ist ein Triumph der Unverbindlichkeit und ein Sieg der Wortklauberei. Die G8-Staaten 'ziehen ernsthaft in Betracht', die Emissionen um 50 Prozent bis 2050 zu reduzieren. Einen lächerlicheren Formelkompromiss gab es lange nicht mehr", sagte der Grünen-Chef.

Umweltorganisationen sind enttäuscht

Die Umweltorganisation Greenpeace hat sich enttäuscht über den Kompromiss gezeigt. "Das ist absolut zu wenig", sagte Greenpeace-Klimaschutz- Experte Jörg Feddern am Donnerstag zu der Absicht der G8-Länder, sich für die Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen um 50 Prozent bis 2050 einzusetzen. "Was wir brauchen, sind verbindliche Vorgaben. Alles andere ist kein Erfolg, sondern ein Aufschieben der Probleme in die Zukunft." Die 50-Prozent-Reduktion hätte ebenso verbindlich festgeschrieben werden müssen wie unter anderem ein Stopp der Abholzung von Regenwäldern bis 2010.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) zeigte sich nur teilweise zufrieden mit dem Ergebnis des G8-Gipfels zum Schutz des globalen Klimas. Das Fehlen konkreter Klimaschutzziele werde mit "pseudoharmonischer Tünche und schwammigen Versprechungen" überdeckt. Die G8 hangele sich weiter mit vagen Absichtserklärungen von Gipfel zu Gipfel.

Gerhard Timm, BUND-Geschäftsführer: "Am Klimaproblem gemessen ist das Ergebnis überaus mager. Die Absichtserklärung zur Halbierung der Treibhausgase bis 2050 begrüßen wir jedoch. Jetzt müssen völkerrechtlich verbindliche Ziele her."

Von Florian Güßgen, Heiligendamm
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
NeuerMensch (07.06.2007, 18:56 Uhr)
@Denimdemon
Selbstgerecht sind in erster Linie Ihre Kommentare die nur der Provokation dienen sollen. Ich vermute, Sie haben nicht die Spur einer Ahnung über die Inhalte des heute stattfindenen "alternaiven Gipfels" oder des "P8". Wenn Sie auch nur etwas Geschichtsbewusstsein hätten, wüssten Sie, daß es die DDR auch heute noch gäbe, wenn Menschen nicht für Veränderung und Fortschritt auf die Straße gegangen wären. Für Ewiggestrige waren fortschrittlich denkende Menschen schon immer beunruhigend.
Ginnungagap (07.06.2007, 18:43 Uhr)
@ Denimdemon
"...die Welt geht unter und wir werden alle sterben"
Recht hast du! Falls das so weiter gehen sollte. Und es wird so weitergehen.
"Die Natur war vollkommen in Vielfalt, mit allem im Einklang, bis der Mensch mit Gewalt in sie eindrang."
Naja was rede ich, macht einfach mit bei der Kapitalakkumulation, die weder vor Natur und Mensch halt macht. Am Ende schmeissen wir alles in einen Topf und bezahlen die Marsmännchen damit sie uns einen Atmosphärengenerator bauen.
Und "die da oben" werden in naher Zukunft die bösen Autos älteren Baujahres so hoch besteuern, weil sie ja den höchsten CO2 Ausstoß haben.
Aber ganz sicher nicht wegen der armen Umwelt, sondern dass die Autobauer mal wieder was verkaufen^^
"Die da Oben" sind so falsch wie diese Gleichung: 1+1= 2798,47
Ginnungagap (07.06.2007, 18:18 Uhr)
Nette Utopie!
Jubeln? Also ich kann da nur lachen. Was man kann heute nicht besorgen, verschieben wir auf Morgen.
Denimdemon (07.06.2007, 18:14 Uhr)
Genau
Alles ist schlecht, die Welt geht unter und wir werden alle sterben!
Deutschland ist zum Heilerland Nummer 1 mutiert. Jeder heult rum und beklagt sich, der Staat soll dies und jenes aber das auch wieder nicht!
Euch gehts einfach zu gut!
Bevor ihr euch hier den ganzen Tag beklagt wie unfair und ungerecht die Welt ist und das "die da Oben" es eh nur schlecht meinen,
da machts doch einfach mal besser!
Da kam bisher noch nichts reelles!
Ich hoffe ihr erstickt an eurer überheblichen Selbstgerechtigkeit!
Oh mann gut das ich bald aus dem Land hier weg bin. Die Bürger sind schlimmer als alles andere in Deutschland.
Gute nacht ihr pessimisten!
GHopper (07.06.2007, 16:47 Uhr)
Immerhin: An der ernsthaften Erwägung des Ziels kommt jetzt keiner mehr vorbei!
Blöd, das alle die sie da sitzen 2050 nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können.
NeuerMensch (07.06.2007, 16:40 Uhr)
@ldrewitz
Sie können mich ruhig im Singular anreden, ich bin nicht von Adel. Zum Thema: wo ist der Durchbruch, wenn man etwas 'in Erwägung zieht'? An die Zusagen von 2005 hat sich fast kein Teilnehmerland gehalten. Jetzt macht man keine Zusagen mehr, sondern zieht bestimmte Schritte nur noch in 'Erwägung'. Dann muss man sich hinterher auch nicht nachsagen lassen, man hätte die Zusagen nicht eingehalten. Kenn Sie den Unterschied zwischen einer Erwägung und einer erklärten Absicht? Sind Sie wirklich so naiv?
bR4iNST0RM (07.06.2007, 16:17 Uhr)
Locker bleiben!
Ziel solle sein, "die Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2050 hier in Betracht zu ziehen und zwar ernsthaft", sagte Bundeskanzlerin Merkel.
Es sind nach wie vor Politiker, die sich gerne selber „schönreden“. Wir werden, außer Warten, keine andere Möglichkeit zur Verfügung haben diese Entwicklung, meinerseits nach wie vor Kritisch, zu beobachten. Gerade die USA, wo meines Erachtens, das Lügen so banal wirkt wie der „Präsident“, sehe ich das eher als irrelevant, dass sich an diese Abschlüssen gehalten wird.
Denn eines hat die Politik bis heute bewiesen: Es wird erst einmal nur geredet, dicke Verträge abgeschlossen, Wortschwangere Pressemitteilungen abgegeben und sich selbst gefeiert, doch die Handlung bleibt am häufigsten einfach aus.
Ausschließlich 2050 wird sich Zeigen, was hier „Ernsthaft“ eingehalten wurde und was, wie eigentlich immer, nur geredet wurde.
Allen Verdruss zum Trotz, es bleibt nur das warten. 2050 ist ja noch ein Weilchen, vielleicht haben die Menschen bis Dato eh wieder ganz andere Sorgen…
ldrewitz (07.06.2007, 16:04 Uhr)
@neuerMensch
klar, wenn die Politiker per sofort eine Senkung des CO2Ausstoßes beschlossen haetten und sich darauf geeinigt haetten nur noch regenerative Energien einzusetzen, ihr würdet etwas anderes finden. Die haben zwar Ergebnisse, aber zwei dieser Politiker unterstützen noch die Entenjagd - auf sie mit gebrüll - lasst steine hageln.
da merkt man wieder einmal, zarte pflänzchen am besten gleich zertrampeln, könnte sich ja etwas daraus entwickeln.
Ignoranten.
GHopper (07.06.2007, 15:59 Uhr)
Heiligendammbruch! Hosanna!! We are the world, we are the children!!!
Klimakatastrophe abgewendet, Raketenschirm plötzlich kein Thema mehr, und ab sofort sterben gefälligst keine Kinder mehr in Afrika - sonst setzts was mit dem Schlagstock und es gibt 'ne Mundspülung Tränengas. Wo doch jetzt alles abgehakt ist, knallen sicherlich die Sektkorken hinter dem Zaun, und Du hast Recht: Die G-8 Gipfel-Kritiker haben nichts zu feiern, schliesslich wird man bei all der Jubelstimmung drin irgenwann auch wieder nach Hause fahren wollen. Und dann will ich den Fahrer erleben der seinem volltrunkenen Staatsoberhaupt den Hubschrauberschlüssel vorenthält. Und was passiert, wenn man betrunken fliegt? Genau, entweder man landet neben der Sekretärin im Bett oder stürzt irgendwo besoffen in den Graben der Straße, den die bösen G-8 Gipfel Kritiker gerade blockieren.
Gipfelclowns vor und hinter der dem Zaun: Die Vorstellung ist noch lange nicht am Ende.
Und Du, lieber Denimdämon, einfach mal Fresse halten.
GHopper
NeuerMensch (07.06.2007, 15:53 Uhr)
Durchbruch!!
Hurra! Man will die Halbierung des CO2-Ausstoßes bis 2050 tatsächlich 'in Betracht ziehen'. Das ist ja ein Hammerdurchbruch und die Markierung als 'Eilmeldung' allemal wert! Jetzt wird alles gut!
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