11. Oktober 2012, 07:35 Uhr

Standard & Poor's sieht Spanien fast auf Ramschniveau

Angesichts der zunehmenden wirtschaftlichen Probleme hat die Ratingagentur S&P die Bonität Spaniens auf BBB- herabgestuft. IWF-Chefin Lagarde setzt sich derweil für mehr Zeit für Griechenland ein.

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Keine positiven Aussichten für Spanien: Die US-Ratingagentur senkt die Bonität des Landes zwei Stufen auf BBB- herab - Spanien liegt damit fast auf Ramschniveau

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Spaniens nahezu auf Ramschniveau gesenkt. Sie stufte die Bonität des Euro-Landes am Mittwoch um zwei Stufen auf BBB- herunter und behielt einen negativen Ausblick bei. Im Kampf um die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands plädierte IWF-Chefin Christine Lagarde derweil für zwei Jahre mehr Zeit für Athen, Ungarns Regierungschef Viktor Orban will den Euro für sein Land nicht.

Als Begründung für die Herabstufung nannte S&P die zunehmenden wirtschaftlichen und politischen Probleme in Spanien sowie die Krise der Banken. "Die sich vertiefende Rezession begrenzt die Politikmöglichkeiten der spanischen Regierung", erklärte die Ratingagentur. Steigende Arbeitslosigkeit und Einschränkungen bei den Staatsausgaben vergrößerten die soziale Unzufriedenheit und führten zu Spannungen zwischen der Regierung in Madrid und den Regionen. Außerdem gebe es Zweifel am Willen einiger Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, die Kosten für eine Rekapitalisierung der spanischen Banken mitzutragen.

Der negative Ausblick bedeutet, dass Standard & Poor's die Bonität Spaniens noch weiter auf BB+ senken könnte. Damit hätten spanische Staatsanleihen dann Ramschstatus. Der Ratingagentur zufolge droht eine erneute Herabstufung, sollten die politische Unterstützung für die von der Regierung vorangetriebenen Reformen schwächer werden sowie die Zinsen des südeuropäischen Landes an den Kapitalmärkten wegen mangelnder Unterstützung durch die anderen Länder der Euro-Zone über ein tragbares Niveau hinaus ansteigen.

Lagarde fordert Aufschub für Griechenland

Spanien kämpft seit geraumer Zeit mit massiven wirtschaftlichen Problemen, die Arbeitslosenquote beträgt fast 25 Prozent. Für die Rettung der spanischen Banken haben die internationalen Geldgeber bereits bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt. Die Krise hat in den vergangenen Wochen zudem zu vermehrten Überlegungen spanischer Regionen zur Abspaltung von Madrid geführt.

Mit Blick auf Griechenland sagte IWF-Chefin Christine Lagarde in Tokio: "Es ist manchmal besser, etwas mehr Zeit zu haben." Ein Aufschub von zwei Jahren sei für Griechenland "notwendig, um das Konsolidierungsprogramm zu bewältigen". Lagarde hatte sich zuvor schon mehrmals aufgeschlossen gegenüber einem zeitlichen Aufschub für Athen gezeigt, so deutlich für zwei Jahre mehr Zeit trat sie bisher aber nicht ein. Um einen solchen Aufschub wirbt seit längerem der griechische Regierungschef Antonis Samaras. Sein Land braucht unbedingt neue Hilfszahlungen, sonst droht die Pleite.

Angesichts der Euro-Krise erklärte Ungarns Regierungschef Orban kurz vor seinem Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin, dass er derzeit für sein Land keinen Euro will. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre die Einführung des Euros für sein Land "unverantwortlich", sagte Orban dem "Handelsblatt". Die südeuropäischen Staaten hätten sich der Währungsunion eindeutig zu früh angeschlossen. "Diesen Fehler machen wir nicht." Orban wird am Donnerstag von Merkel in Berlin empfangen. Der ungarische Regierungschef ist im In- und Ausland höchst umstritten. Kritiker werfen ihm vor, mit verschiedenen Reformen die Demokratie Ungarns in Gefahr zu bringen.

fle/AFP
 
 
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