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7. Juni 2008, 08:40 Uhr

Der Abgang einer Löwin

Hillary Clinton wird heute den Kampf um die Nominierung ihrer Partei zur US-Präsidentschaftskandidatin offiziell beenden. Sie war zwar die Klügste und Härteste. Aber sie ist nicht in erster Linie an ihrem Konkurrenten Barack Obama gescheitert, sondern an den eigenen Fehlern und weil sie zwei Männer falsch eingeschätzt hat. Ein politischer Nachruf von Jan Christoph Wiechmann, Washington

Hillary Clinton hat es nicht geschafft, ihr Konkurrent Barack Obama wird US-Präsidentschaftskandidat der Demokraten© Reuters

In den Tagen ihrer schwersten Niederlage erhält Hillary Clinton so viel Lob wie selten zuvor in ihrer politischen Karriere. Barack Obama preist artig ihre historische Kandidatur und die Demokratische Partei ihren unermesslichen Beitrag für Amerikas Frauen. John McCain lobt ihr Beharrungsvermögen, und selbst ihre größten Feinde in den konservativen Talkshows bewundern den "Kampfeswillen einer Löwin". Für Millionen ihrer eigenen Anhänger ist sie spätestens seit diesem Samstag eine Märtyrerin, eine Evita der Neuzeit, die Anwältin der Schwachen und Unterdrückten.

In der Tat lieferte Hillary Clinton auf den ersten Blick einen starken Wahlkampf, in dem sie von Tag zu Tag besser wurde. Sie mobilisierte Millionen Frauen, sie gewann die wichtigen "Swing States" Ohio, Pennsylvania, Florida, New Mexico und schlug immer dann zurück, wenn alle Experten das "Comeback Girl" wieder mal abgeschrieben hatten. Hätte Hillary Clinton das Rennen gegen Obama gewonnen, wäre sie jetzt die klare Favoritin gegen John McCain bei den Wahlen im November.

Aber sie gewann nicht. Sie ging als große Favoritin ins Rennen und verlor. Sie hatte in den Umfragen bis zu 30 Prozent Vorsprung - und scheiterte. Sie verlor - in Zeiten zweier Kriege - gegen den jüngsten und unerfahrensten Kandidaten im Feld, gegen einen Mann mit der außenpolitischen Erfahrung eines Politnovizen. Gemessen an ihren eigenen Ansprüchen erlebte Hillary Clinton ein politisches Debakel.

Die Schuld trägt sie selbst

Sicher, sie hatte es mit sexistischen Angriffen zu tun, und - was schwerer wiegt - mit obamaverliebten Medien, die zu seinen größten Fans wurden. Doch Hillary Clinton scheiterte nicht am Sexismus oder CNN oder an diesem politischen Jahrhunderttalent aus Chicago, sondern an sich selbst. Die Niederlage war vermeidbar. Die Schuld trägt in erster Linie sie selbst. Sie hat Obama kläglich unterschätzt. Sie hatte ein eher mäßiges, zerstrittenes Wahlkampfteam. Und sie, die immer damit warb, von Tag 1 bereit zu sein für den härtesten Job der Welt, machte von Tag 1 an eine Reihe strategische Fehler, die sie keinem ihrer Mitarbeiter je verzeihen würde.

Es begann gleich am Anfang: Noch bevor Barack Obama und Hillary Clinton vor 17 Monaten ihre Kandidatur verkündeten, erhielt ihr Mann Bill einen Anruf von Mark Buell, einem der größten Unterstützer der Clintons. "Ihr wisst, Obama tritt auch an", sagte Buell dem Präsidenten, "ich habe es gerade von ihm selbst erfahren." "Obama ist nicht unser Problem", antwortete Clinton. "Unser Hauptgegner wird Edwards sein."

So sahen die Clintons das Rennen von Anfang an: Obama war hochtalentiert, aber zu jung. Inspirierend, aber ohne Substanz. Ein Leichtgewicht in Zeiten des Krieges. Einer, der den Vorwahlkampf als Trainingslauf begreifen würde für 2016 oder 2020.

Im Rückblick wundern sich Mark Buell und andere Clinton-Unterstützer über die Naivität der angeblich größten Politprofis der vergangenen zwei Jahrzehnte. Noch im Januar 2008, nach der Niederlage in Iowa, erklärte Hillary ihrem Freund Buell gegenüber, dass ihre Strategie weiterhin nicht darauf ausgerichtet sei, Obama zu schlagen, sondern McCain im November. Von Anfang an zielte ihr Wahlkampf auf den Sieg gegen die Republikaner, als habe sie die Vorwahlen schon in der Tasche. Sie wollte die Präsidentschaftswahl - wie einst ihr Ehemann - im politischen Zentrum gewinnen. An das Herz der Partei dachte sie dabei nicht.

Vorsicht wurde zum obersten Gebot

Im Herbst 2007, als die heiße Phase begann, wirkte Hillary zwar souverän, sie eckte nicht an, machte keine Fehler, doch ein Funke der Begeisterung sprang damals nicht über auf die Basis. Vorsicht wurde zum obersten Gebot, Misstrauen zur Doktrin. Dass sie sich in der Kriegsfrage, dort wo die Parteibasis am leidenschaftlichsten fühlte, weiter als Falke präsentierte, erleichterte ihre Aufgabe nicht.

Eine Parteiseele aber will berührt werden. Ein Land, das so gebeutelt ist von sieben Jahren Bush, will geheilt werden. Wähler, die so leidenschaftlich empfinden wie seit vier Jahrzehnten nicht mehr, sehnen sich nach Inspiration. Doch ihre Leidenschaft entdeckte Hillary Clinton erst, als es zu spät war, in einem Diner in New Hampshire, in den Fabriken von Ohio, bei den Arbeitslosen in Pennsylvania.

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KOMMENTARE (8 von 8)
 
googlezoomer (08.06.2008, 11:13 Uhr)
Iran Kreig entscheidet die Wahl
der Iran-Angriff ist schon geplant, es wird der Auftakt zum 3. WK sein. Deshalb ist Mc.Cain auch so gelassen, denn in (dann) Kriegszeiten wechselt Amerika keine politische Richtung. Es wird so kommen wie hier auf dieser Seite genau nachzulesen: http://9-11-verschwoerung.blogspot.com/
Klaus_P (07.06.2008, 14:19 Uhr)
Ich mag diese Frau nicht
genausowenig wie ich Schröder mochte. Wer so hemmungslos lügt und seine Macht um jeden Preis haben will - selbst wenn man die eigene Partei damit in den Dreck zieht - gehört m.E. nicht in die Politik und hat weder Achtung noch Respekt verdient.
nabed (07.06.2008, 13:21 Uhr)
@ Salzsteuer
Na ein Glück, daß wir Sie haben um uns die großen Zusammenhänge zu erklären...
Mit diesem Wissen müssen Sie aber vorsichtig sein, sonst werden Sie noch vom Ölkartell oder der CIA ermordet.
mramorak (07.06.2008, 12:58 Uhr)
Löwin?
Abgang einer Scheinlöwin und selbsternannten Erlöserin der Welt
Salzsteuer (07.06.2008, 11:43 Uhr)
Spielt es denn eine Rolle,
wer im Amiland Präsident wird??
Seine Entscheidungsgewalt beschränkt sich doch auf Nuancen, notfalls kann man ihn ja auch ermorden.
Die wahre Macht haben andere Götter: Das Ölsyndikat, das Rauschgiftkartell und die Isreallobby. Ein wenig vielleicht noch die Rüstungsindustrie. Alle anderen sind kleine Wichte in diesem abgewirtschafteten Land.
Datenaktuell (07.06.2008, 10:33 Uhr)
US-Demokraten sind zersplittert
Es ist ja nicht nur der Wahlkampf. Jenseits von Obama und Clinton sind nur weiße Flächen auf der Landkarte.
Clinton will/wollte die Macht und dann eben alte Ideen umsetzen. Onbama will die Macht für neue Ideen. Wer da mitmacht, kann Posten erhalten.
McCain hat Leute mit Ideen und Erfahrung, die er sich nach Sachgesichtspunkten zusammenstückeln kann. Die Republikaner sind nach 8 Jahren G.W.Bush ausgelaugt, aber der übrige Rest ist nicht zerstritten.
Er kann sich als Ex-Kriegsheld und gefolterter Gefangener überall auf der Welt blicken lassen und man wird ihn respektieren trotz US-Pass. Dabei gilt er politisch als liberal und kann die Mitte gewinnen.
elliottsmith (07.06.2008, 10:13 Uhr)
Die Frage
ist die, ob Hillary Clinton ihren Gegenkandidaten Barak Obama im Vorwahlkampf genügend geschädigt hat. Ihr Interesse besteht nun selbstverständlich weiterhin darin Barak Obama scheitern zu sehen und es in vier Jahren abermals zu versuchen. Daher bezweifel ich auch, dass sie wirklich Vizepräsidentin werden will, weil das erstens die Chancen für Obama erhöhen würde als Präsident gewählt zu werden und zweitens ihr die Chance verbauen würde dann in vier Jahren als Vizepräsidentin gegen ihren eigenen Präsidenten anzutreten. Die gute Frau ist noch nicht durch.
deholgi (07.06.2008, 09:36 Uhr)
McCain wird gewinnen
Ich mag die Clinton nicht, allein schon ihre Aussagen zum Irak-Krieg u.A. waren für mich nicht tragbar.
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Obama wäre der richtige US-Präsident in diesen schweren Zeiten, nur wird er nicht gewinnen.
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Auch wenn seine Herkunft ("Hautfarbe") immer ignoriert (runtergespielt) wird, werden die konservativen Kräfte wieder mal gewinnen im "Land der unmöglichen Möglichkeiten".
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Denn eines ist für mich gewiss, rechne immer mit der maximalen Dummheit der Menschen.
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Ich hoffe für die Welt dass ich mich irre, leider hatte ich in dieser Sache schon zu oft richtig getippt. ;-(((
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Trotzdem schönes Wochenende.
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Holgi
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