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Iran warnt Saudi-Arabien vor der "Rache Gottes"

Die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr hat heftige Proteste ausgelöst. Irans Ayatollah Chamenei warnt das saudische Königshaus vor der "Rache Gottes". Zuvor hatten Demonstranten die Botschaft Saudi-Arabiens in Teheran gestürmt.

Proteste im Iran

Nach der Hinrichtung des schiitischen Klerikers Nimr al-Nimr durch das saudische Königshaus, kam es zu Protesten in Teheran. Die Demonstranten verbrannten Bilder des saudischen Königs und zündeten die Botschaft des Landes an.

Die Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien hat internationale Besorgnis und heftige Proteste ausgelöst. Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, der auch in allen wichtigen politischen Fragen das letzte Wort hat, hat das Königreich vor der "Rache Gottes" gewarnt. "Das ungerechtfertigt vergossene Blut dieses Märtyrers wird rasche Konsequenzen haben und die Hand Gottes wird Rache an der saudiarabischen Führung nehmen", sagte Chamenei am Sonntag vor Geistlichen in Teheran. "Dieser Gelehrte ermutigte Menschen weder zu bewaffneten Handeln, noch schmiedete er geheime Pläne, das einzige was er tat, war öffentlich Kritik zu äußern."

In der iranischen Hauptstadt stürmten aufgebrachte Demonstranten die saudiarabische Botschaft. Irans einflussreiche Revolutionsgarden drohten dem sunnitischen Königshaus in Saudi-Arabien mit einer "scharfen Vergeltung". Die USA und die EU äußerten sich besorgt, dass die Spannungen zwischen den Religionsgruppen in der Golf-Region weiter angeheizt werden könnten. Der Kleriker Nimr al-Nimr war in Saudi-Arabien wegen Terrorismus zum Tode verurteilt worden. Der Iran sah in dem entschiedenen Kritiker der Führung in Riad allerdings einen wichtigen Verfechter der Rechte der schiitischen Minderheit.

Chamenei vergleicht Saudi-Arabien mit IS

In Teheran brachen Demonstranten der Nachrichtenagentur Insa zufolge in die Botschaft ein, legten Feuer und zertrümmerten Mobiliar. Kurz darauf wurde das Gebäude von Polizisten wieder geräumt. Über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete Fotos zeigten, wie Teile der Botschaft in Flammen standen. Nach dem Zwischenfall rief die Regierung des schiitischen Irans zur Mäßigung auf. Es dürfe keine weitere Demonstrationen in der Nähe der saudiarabischen Botschaft geben, forderte ein Sprecher des Außenministeriums Insa zufolge. Zuvor hatte die Führung in Teheran die Hinrichtung Nimrs heftig kritisiert, woraufhin Saudi-Arabien den iranischen Botschafter einbestellte. Saudi-Arabien und der Iran ringen um die Vormachtstellung in der Region.

Auf der Internet-Seite des obersten geistlichen Führers im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, war ein Bild eines saudiarabischen Henkers neben dem als "Dschihadi John" bekannt gewordenen Extremisten des Islamischen Staats (IS) zu sehen. Das Foto trug die Unterzeile: "Irgendwelche Unterschiede?" Dem inzwischen vermutlich getöteten "Dschihadi John" wird die Enthauptung mehrerer westlicher Geiseln zur Last gelegt.

Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, die Staats- und Regierungschefs der Golf-Region müssten "ihre Bemühungen verdoppeln", um zu einer Deeskalation der Lage beizutragen. Saudi-Arabien müsse sich an die Menschenrechte halten und in jedem Fall faire und transparente Gerichtsverfahren gewährleisten.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini bekräftigte die ablehnende Haltung der Europäischen Union (EU) zur Todesstrafe generell und erklärte, Nimrs Hinrichtung wecke ernste Bedenken hinsichtlich der Meinungsfreiheit und dem Respekt gegenüber bürgerlichen und politischen Grundrechte in Saudi-Arabien. Sie forderte die Regierung auf, zur Versöhnung zwischen den verschiedenen Gruppen des Landes beizutragen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die rivalisierenden Religionsgruppen zur Zurückhaltung auf. Alle Verantwortlichen in der Region müssten zu einem Abbau der Spannungen beitragen, forderte er.

Ziel der Hinrichtungen soll Abschreckung sein

Der schiitische Geistliche war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad. Der 56-Jährige hatte während der Proteste im Zuge des Arabischen Frühlings 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Er wurde im Oktober 2014 zum Tode verurteilt und am Samstag zusammen mit 46 weiteren Menschen hingerichtet. Die Massenhinrichtung der wegen Terrordelikten verurteilten Menschen stieß auch im Westen auf Kritik.

Die Hinrichtungen zielten nach Einschätzung von Beobachtern darauf ab, Saudiaraber davor abzuschrecken, sich Islamistengruppen anzuschließen. Saudi-Arabien war in den vergangenen Jahren immer wieder Ziel von Bombenanschlägen und Attentaten militanter Sunniten. Auch der IS hat wiederholt zu Anschlägen im Königreich aufgerufen.

amt/Reuters/AFP
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