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14. Juli 2006, 15:33 Uhr

Hisbollah - Heilsbringer und Terroristen

Die radikal-islamische Bewegung Hisbollah ist im Libanon ein wichtiger Teil des gesellschaftlichen Lebens und arbeitet mit dem Militär zusammen. Die israelischen Angriffe auf Palästinenser betrachtet sie als Terrorakte.

Bei einer Parade der Hisbollah in Beirut marschieren auch Kinder mit© Nabil Mounzer/EPA

Die Hisbollah ist die größte radikal-islamische Organisation im Libanon. Mit der Unterstützung des Iran entstand sie 1982 mit dem Ziel die israelischen Besatzung zu bekämpfen. In der arabischen Welt genießt sie hohes Ansehen, während sie in den westlichen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Im Libanon ist die Organisation im Süden, in der Beeka-Ebene (West-Libanon) und im Süden Beiruts stark. Gemeinsam mit der libanesischen Armee kontrolliert sie den Süden und Nordosten des Landes.

Die schiitische Organisation hat sich der Vernichtung Israels und der Errichtung einer "Herrschaft des Islam" in Jerusalem verschrieben. In ihren Bestrebungen beruft sich die Hisbollah auf den iranischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini und bezeichnet sich selbst als antizionistisch. Die Unterstützung und Solidarität für die Palästinenser sind seit der Gründung der Organisation ein wichtiger Bestandteil ihres Programms. Das israelische Vorgehen gegen Palästinenser stuft die Hisbollah als Terrorakt ein.

Die zwei Flügel der Hisbollah

Derzeit wird die Hisbollah von religiösen Gelehrten und lokalen Führern geleitet. Oberste Institution der Hisbollah ist der nationale Konsultationsrat (Majlis ash-Shura), dem sieben Komittees unterstehen. Vorsitzender dieses Rates ist der Imam Muhammed Hussein Fadlallah. Die Organisation untergliedert sich in einen "politischen" und einen "militärischen" Arm.

Der "politische" Flügel wird durch ein Politbüro und einen ausführender Rat geleitet. Generalsekretär des Rates ist derzeit Scheich Hassan Nasrallah. Im Libanon hat der "politische" Arm der Hisbollah den Status einer regulären Partei und ist seit 1992 offiziell in das politische System integriert. Die Partei nennt sich Hizb Allah - "Partei Gottes". Als Mitglied der amtierenden Koalitionsregierung in Beirut stellt sie zwei Minister, welche die Ressorts für Wasser und Arbeit innehaben. Im Parlament (insgesamt 128 Abgeordnete) ist die Hisbollah mit elf Abgeordneten vertreten.

Der "militärische" Arm der Hisbollah wird durch Abbas al-Musawi geführt. Dieser Arm der Organisation umfasst hunderte aktive Kämpfer sowie tausende Mitglieder, von denen viele bewaffnet sind. Militärisch und finanziell wird dieser Arm durch Syrien und den Iran unterstützt. Laut CIA-Angaben verfügt die Hisbollah über schwere konventionelle Waffen wie Raketen und Panzer.

Teil des sozialen Lebens im Libanon

Die Hisbollah wird für Selbstmordanschläge auf US-Einrichtungen in Beirut (1983 und 1984) und die Entführung eines TWA-Flugzeuges (1985) verantwortlich gemacht. 1992 führte sie einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Argentinien durch, 1994 einen Anschlag auf das israelische Kulturzentrum in Buenos Aires. Im Jahr 2000 entführte die militante Organisation drei israelische Soldaten an der Grenze. Nach mehrjährigen Verhandlungen zwischen Israel und der Hisbollah konnte ein Geiseltausch durchgeführt werden. Allerdings konnten nur die sterblichen Überreste der drei israelischen Soldaten übergeben werden. Im Juli 2006 entführte die Hisbollah wieder zwei israelische Soldaten an der Grenze.

Die Zustimmung in der libanesischen Bevölkerung konnte die Organisation sich durch soziales Engagement sichern. Sie unterhält soziale Einrichtungen, Krankenhäuser, Schulen und Waisenhäuser und finanziert Infrastrukturprojekte. Es handelt sich vorwiegend um Projekte, die der ärmeren Bevölkerung zugute kommen. Im öffentlichen Leben ist die Hisbollah auch mit einem eigenen Radio- und Fernsehsender - "Al-Manar-TV" - vertreten.

Svenja Friedrich
 
 
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