5. Juli 2010, 10:41 Uhr

Großayatollah Fadlallah ist tot

Das frühere geistliche Oberhaupt der pro-iranischen Hisbollah im Libanon, Mohammed Hussein Fadlallah, ist tot. Der schiitische Großayatollah starb nach Angaben seiner engsten Berater am Sonntag im Alter von 75 Jahren in der libanesischen Hauptstadt Beirut.

Der libanesische Großayatollah Mohammed Hussein Fadlallah, eine der führenden Persönlichkeiten des schiitischen Islam, ist am Sonntag nach langer Krankheit im Alter von 75 Jahren gestorben. Ministerpräsident Saad Hariri würdigte den einflussreichen Geistlichen als "Stimme der Mäßigung und Verfechter der Einigkeit" zwischen Libanesen und Muslimen im Allgemeinen.

Der Geistliche Abdullah al Ghuraifi bezeichnete bei der Bekanntgabe der Todesnachricht Fadlallah als "Vater, religiöse Autorität und geistlichen Führer aller islamischen Bewegungen in der arabischen und islamischen Welt". Sein Tod sei ein großer Verlust für die islamische Welt, erklärte auch der irakische Politiker Ali Al Adib von der Dawa-Partei von Ministerpräsident Nuri al-Maliki, die Fadlallah mitgegründet hatte. Er werde schwer zu ersetzen sein.

Der großväterlich wirkende Großayatollah litt schon länger an Diabetes und hohem Blutdruck und lag seit zwei Wochen im Krankenhaus. Zuletzt führten Komplikationen eines Leberleidens zu inneren Blutungen. Vor dem Krankenhaus und vor der Moschee, in der Fadlallah gelehrt hatte, wurden Trauerflaggen aufgezogen. Tausende trauernde Anhänger ließen ihren Tränen freien Lauf. Fadlallahs Rundfunksender und der Fernsehsender der Hisbollah strahlten Koransuren aus.

Der Großayatollah hatte eine große Gefolgschaft sowohl im Libanon, wo er zum wachsenden Einfluss des schiitischen Bevölkerungsteils beitrug, als auch in seinem Heimatland Irak. Dort zählten zu seinen Anhängern führende schiitische Politiker wie Al-Maliki, dessen geistlicher Beistand er bis zuletzt gewesen sein soll.

1979 hatte Fadlallah die islamische Revolution im Iran unterstützt, sich aber vom alleinigen Führungsanspruch des Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Chomeini über die Schiiten in aller Welt distanziert. In den 80er Jahren wurde er in westlichen Medien als Mentor der militanten Hisbollah bezeichnet, was er aber zurückwies. Während des Bürgerkriegs im Libanon von 1975 bis 1990 wurde er mit militanten Schiiten in Verbindung gebracht, die mit Entführungen und Anschlägen auf US-Einrichtungen Aufsehen erregten.

Fadlallah wies jegliche Verstrickung in solche Taten zurück, bezeichnete sie aber als gerechtfertigt, wenn die Tür zum Dialog geschlossen sei. "Wenn jemand eine Kugel auf dich abfeuert, kannst du ihm nicht mit Rosen kommen", argumentierte er. Selbst entging der Geistliche mehreren Attentaten. So tötete 1985 eine Autobombe mit Zeitzünder auf seinem Weg zur Moschee 80 Menschen. Fadlallah kam nur davon, weil er mit einer Bittstellerin gesprochen und sich verspätet hatte.

Sein militanter Tonfall der 80er Jahre, als er gegen den "amerikanischen Imperialismus" wetterte, mäßigte sich später und wurde pragmatischer. Trotz seiner scharfen Kritik an der US-Politik verurteilte er die Anschläge vom 11. September als Terrorakte.

Fadlallah war auch bekannt für seine kühnen Fatwas: So sprach er etwa geschlagenen Ehefrauen das Recht zu, zurückzuschlagen. In einem anderen religiösen Gutachten verbot er das Rauchen.

B. Mroue, APN/AFP
 
 
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