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29. Juni 2009, 06:08 Uhr
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Militär putscht gegen Präsident Zelaya

Der honduranische Präsident Manuel Zelaya ist von Soldaten festgenommen und ins Exil geschickt worden. Nach seiner Ankunft in Costa Rica bezeichnete Zelaya das Vorgehen der Streitkräfte als Putsch und Entführung.

Honduras, Putsch

Brennende Reifen und aufgebrachte Bürger: Honduras Hauptstadt Tegucigalpa am Sonntag© Reuters/Edgard Garrido

Im mittelamerikanischen Honduras hat sich nach einem längeren Machtkampf ein Militärputsch ereignet. Der linksgerichtete Präsident Manuel Zelaya wurde am Sonntag nach eigenen Angaben von Soldaten verschleppt und nach Costa Rica ausgeflogen. Er sei durch Schüsse geweckt worden, sagte Zelaya dem in Venezuela ansässigen Fernsehsender Telesur. Seine Leibwächter hätten den Putschisten etwa eine halbe Stunde Widerstand leisten können. Nun habe er in Costa Rica um Asyl gebeten. Der Verbündete des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez rief seine Anhänger auf, sich dem Putsch auf friedliche Weise entgegenzustellen.

Augenzeugen berichteten, der Präsidentenpalast sei von rund 200 Soldaten umstellt worden. Über die Hauptstadt Tegucigalpa jagten Kampfflugzeuge hinweg. Der honduranische Rundfunk berichtete, Polizisten hätten Tränengas auf Regierungstreue Demonstranten gefeuert. Nach seiner Ankunft in Costa Rica bezeichnete Zelaya das Vorgehen der Streitkräfte als Putsch und Entführung.

Die EU verurteilte seine Festnahme. US-Präsident Barack Obama rief alle Seiten auf, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu respektieren. Der Machtkampf zwischen Streitkräften und Präsident entzündete sich an dem geplanten Referendum, das der Oberste Gerichtshof für unzulässig erklärt hatte. Die Wähler sollten darüber abstimmen, ob zeitgleich mit der Präsidentenwahl im November ein Referendum über die Wahl einer Verfassungsgebenden Versammlung stattfinden soll.

Kritiker warfen dem Präsidenten vor, er wolle mit der angestrebten Verfassungsänderung seine im Januar 2010 endende Amtszeit verlängern. Auch die Militärführung erachtete die für Sonntag angesetzte Volksabstimmung für illegal, selbst Abgeordnete von Zelayas Partei lehnten sie ab. Unterstützt wurde der Präsident dagegen von Gewerkschaftsführern, Bauern und Organisationen der Zivilgesellschaft, die sich von einer Verfassungsreform in dem armen Land mehr Mitsprache erhofften. Schon vor Tagen zeichnete sich ab, dass sich der Streit um das Referendum zur Staatskrise ausweitet.

Vergangene Woche entließ Zelaya den Armeechef, weil dieser sich weigerte, eine für Sonntag geplante inoffizielle Volksbefragung über die Pläne des Präsidenten zu unterstützen. Die Oberste Gerichtshof hob die Entscheidung kurz darauf auf, woraufhin Zelaya von einem Staatsstreich sprach.

Reuters/AP
KOMMENTARE (3 von 3)
 
horst.pachulke (29.06.2009, 21:51 Uhr)
Diktatoren putschen sich mitunter an die Macht.
Und geputscht hat der Präsident von Honduras nicht. Wem ein Militärputsch gefällt, sagt eigentlich schon alles über sein Demokratieverständnis.
Steht es dem Gericht in Honduras zu, den Präsidenten abzusetzen? Es wäre ein Verstoß gegen die Gewaltenteilung.
Wer einen Amtsinhaber mag, ist nicht von Belang - wenn ihn keiner mag, ist er auf verfassungsmäßigen Wege abzusetzen. Alles andere sind diktatorische Maßnahmen - ob der Amtsinhaber rechts, links, oben, unten, vorne oder hinten lokalisiert ist, ist vollkommen gleichgültig.
Im Fall von Honduras etwas von "Atombombe" zu geifern oder von "Dikataor, der sich die Macht sichern will" ist schon sehr lächerlich. Und einfach zu plump.

Kommentator Nummer Zwei: Lernen Sie zunächst die Grundzüge in Demokratie. Schreiben Sie dann noch einen Kommentar...
BeatDaddy (29.06.2009, 05:37 Uhr)
Hört sich
aber eher so an, als würden Militär und Gericht das Richtige tun. Noch einen Chavez (oder Ahmadinedingsbums oder Kim Jong Dumm)will doch keiner mehr haben. Also lieber Nr.1-Kommentator, wen interessieren Ihre Fragen überhaupt ausser Ihnen? Weg mit all diesen linken Drecks-Diktatoren bevor sie alle die A-Bombe besitzen und alles und jeden erpressen und zudem so tun, als würden sie regulär gewählt werden!
horst.pachulke (29.06.2009, 00:31 Uhr)
Einige Fragen...
Mit was schoss das Militär in Honduras mit seinen Sturmgewehren ohne Aufsatz für Tränengasgranaten? Platzpatronen, Gummigeschosse, Kampfmunition?
Was ist mit den Menschen, die für einen verfassungsgemäßen Staat demonstrieren? Lässt man sie von ihrem Recht Gebrauch machen? Werden sie daran gehindert? Wenn ja: Mit welchen Mitteln? Wo bleibt der Aufschrei, dass sie auf jeden Fall von ihrem Recht auf friedliche Meinungsäußerung Gebrauch machen dürfen müssen?
Wo sind die unabhängigen Journalisten? Weshalb wird keine Öffentlichkeit von vor Ort hergestellt? Werden sie in ihrer Arbeit behindert? Wenn ja: Wo bleibt das Aufjaulen von wegen Verletzung der Pressefreiheit? Wo die Forderung, unverzüglich freie Berichterstattung zuzulassen?
Wurden die diplomatischen Vertreter von Honduras von irgend einem Staat einbestellt? Haben diplomatische Vertreter in Honduras Protestnoten überbracht?
Wie gedenkt die internationale Gemeinschaft darauf zu antworten, dass internationale Vereinbarungen über die Immunität von Diplomaten einfach so gebrochen werden - auch wenn es Diplomaten sein mögen, die nicht jeder mag (was immer der Fall ist)?
Was war Gegenstand des Referendums, das abgehalten werden sollte? Diente es ausschließlich der Verlängerung der Amtszeit des Präsidenten oder wurden noch andere Punkte abgestimmt?
Diese und einige andere Fragen stellen sich mir.
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