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Im Flüchtlingslager Dolo Ado kehrt Normalität ein

Ein Jahr ist es her, seit die Hungerkatastrophe am Horn von Afrika die Welt erschütterte. Viele Somalier flüchteten nach Äthiopien. Wie sieht es heute im Flüchtlingscamp Dolo Ado aus?

  Viele Somalier flüchteten während der Hungerkatastrophe nach Äthiopien und fanden Unterschlupf im Flüchtlingslager Dolo Ado

Viele Somalier flüchteten während der Hungerkatastrophe nach Äthiopien und fanden Unterschlupf im Flüchtlingslager Dolo Ado

Eines hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in Dolo Ado nicht verändert: Noch immer liegt sengende Hitze über der staubigen Halbwüste, unbarmherzig brennt die afrikanische Sonne jeglichen Versuch von Vegetation nieder. Ansonsten aber hat sich vieles, ja fast alles zum Besseren entwickelt, seit die große Hungerkrise 2011 viele Hunderttausend Somalier in die Flucht trieb. Eine Art "Normalität" ist eingekehrt, obwohl dieser Begriff in Bezug auf ein Flüchtlingslager seltsam anmuten mag. "Alles was wir wollten, war Frieden und etwas zu Essen. Jetzt haben wir beides", bringt es Fasuma Ahmed auf den Punkt.

Zusammen mit ihren fünf Kindern war die hochgewachsene Somalierin im vergangenen Jahr zu Fuß über die Grenze in das äthiopische Camp gekommen. Auf der Flucht vor radikalen Islamisten und Hunger wollte sie im Nachbarland einen Neuanfang wagen. "Es gab immer wieder Probleme mit der Al-Shabaab, und dann hatten wir auch irgendwann keine Lebensmittel mehr", erinnert sich Fasuma. Jetzt gehen ihre Kinder zur Schule, leben in einem geräumigen Häuschen mit Wellblechdach, und die Teller sind voll. "Wir gehen nicht mehr zurück nach Somalia", erklärt sie entschlossen.

Flüchtlingscamp Dolo Ado wirkt wie eine Kleinstadt

Kein Wunder, wer hat schon Heimweh nach Bürgerkrieg, Terror und Dürre? Zumal Dolo Ado vielerorts eher wie eine gut ausgerüstete Kleinstadt denn wie ein Flüchtlingscamp wirkt. Das ist vor allem einer grandios organisierten Mega-Operation der Vereinten Nationen - speziell des UN-Flüchtlingskommissariats UNHCR und des Welternährungsprogramms WFP - sowie zahlreicher anderer Hilfsorganisationen zu verdanken.

Die Mitarbeiter können jetzt auf einer brandneuen zementierten Piste landen, statt mit kleinen Propellermaschinen im Staub aufzusetzen. Ansonsten leben sie nach wie vor unter schwierigen Bedingungen, bleiben oft sechs Wochen am Stück in der Gluthitze, werden von riesigen Kamelspinnen, Skorpionen und stechenden Nairobi-Fliegen geplagt - und verbreiten dennoch gute Laune.

So wie die fröhliche Irin Mary T. Murphy, die im neuesten Camp Buramino für die internationale Organisation Goal im Einsatz ist. Sie kümmert sich um die Ernährung von neuankommenden Kindern, die dringend vitaminreiche Zusatznahrung brauchen, um ihre aufgeblähten Bäuche zu beruhigen. Es gibt auch bereits eine Art Kindergarten mit Stofftieren, in dem die Kleinen spielen und malen dürfen. "Seit vergangenem Jahr ist alles besser geworden, vor allem die Sterblichkeitsrate ist extrem gesunken", freut sich Murphy.

Täglich kommen weitere 50 bis 200 Flüchtlinge

50 Prozent aller Flüchtlinge sind Kinder unter 15 Jahren. Viele von ihnen haben noch nie eine Schule besucht. Das soll jetzt anders werden: In jedem der fünf Camps von Dolo Ado gibt es derzeit vier bis fünf Schulen. Die größte Herausforderung sei es gewesen, Lehrer zu finden, die in der unwirtlichen Region arbeiten möchten, sagt Louise Sowe, die die WFP-Operationen in Dolo Ado überwacht.

Rund 200 Lastwagen bringen jeden Monat 3500 Tonnen Nahrungsmittel in die Lager. Sie kommen aus Nazareth südlich von Addis Abeba und sind vier bis fünf Tage unterwegs, um Weizen, Reis, Salz, Zucker und Öl anzuliefern. Jeder Flüchtling soll 2100 Kalorien pro Tag zu sich nehmen - schwangere und stillende Frauen erhalten Extra-Rationen.

Momentan leben 171 000 Menschen in Dolo Ado - Tendenz weiter steigend. "Noch immer kommen hier täglich zwischen 50 und 200 neue Flüchtlinge an", sagt der örtliche Koordinator der äthiopischen Flüchtlingsbehörde ARRA, Kebede Abayne. "Sie suchen Schutz vor der Al-Shabaab-Miliz, die mittlerweile eine neue Strategie entwickelt hat und in Südsomalia auch Landminen einsetzt."

Dodo Ado blüht auf

Zudem ist die Dürre noch nicht überstanden, erneut kam es im Oktober und November zu unregelmäßigen Regenfällen, sagen Beobachter. Auch auf der äthiopischen Seite ist bereits Vieh verendet. "Vermutlich brauchen wir bald ein sechstes Lager", sagt Abayne. Der Platz wurde von der Regierung bereits zugeteilt.

Aber die Somalier tragen auch ihren Teil dazu bei, um das Flüchtlingsleben zu verbessern. Sie sind begnadete Geschäftsleute, viele haben in ihren Häusern und Zelten Mini-Läden aufgemacht, andere kochen und bieten ihr Essen in kleinen Restaurants an. Auch Frauenvereinigungen mit gewählten Mitgliedern und Märkte gibt es in Dolo Ado. Hier werden neben Lebensmitteln unter anderem Stoffe, Schuhe, Spielzeug, Zigaretten, Süßigkeiten und Waschpulver verkauft.

Die 30-jährige Diarra Abdullahi, eine Mutter von zwei Kindern, lebt seit elf Monaten in Buramino. "Unser Leben hat sich völlig verändert, seit wir in Äthiopien sind", sagt sie. "Wir haben Frieden und die Möglichkeit, uns weiterzuentwickeln, etwas aus unserem Leben zu machen." Sie zupft sich ihr rosa Kopftuch zurecht und fügt hinzu: "Ich glaube nicht, dass wir nach Somalia zurückkehren werden."

Carola Frentzen, DPA/DPA

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