. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. Oktober 2008, 10:04 Uhr

Zocker von Ölmarkts Gnaden

Was haben Venezuelas Präsident Hugo Chavez und die Banker von der Wall Street gemeinsam? Beide sind Spieler, die mit ihren Zockereien Milliarden verdienten, dabei aber die Realwirtschaft vergessen haben. Nun rächt es sich, dass Chavez "Sozialismus des 21. Jahrhunderts" allein auf öligem Sand gebaut ist. Von Toni Keppeler

Die Erdölsubventionen könnten ihm noch Ärger bereiten: Venezuelas Präsident Hugo Chavez© Thomas Coex/AFP

Als Hugo Chavez im Februar 1999 die Präsidentenschärpe Venezuelas umgelegt wurde, kostete ein Fass Öl auf dem Weltmarkt gerade einmal zwölf US-Dollar. Seither ist der Preis stetig und immer schneller gestiegen. Bis vor drei Monaten. Da wurde Öl aus Venezuela für 126 Dollar pro Fass gehandelt. Weltweit spürten die Autofahrer den Preisschub, nur in Venezuela nicht. Dort kostet der Liter Benzin noch heute weniger als fünf Cent. Der Präsident lässt sich die Zufriedenheit seiner Landsleute etwas kosten. Geld spielte bislang keine Rolle.

In Venezuela wird viel mehr subventioniert als nur Benzin. Chavez verordenete seinem Land billige Lebensmittelläden und schickte kubanische Ärzte in für Patienten kostenlose Polikliniken. Dazu kamen Wohnungsbau- und Bildungsprogramme. Eben deshalb ist der Staatschef bei den Armen so beliebt. Dass gleichzeitig immer weniger produziert wurde, fiel den meisten gar nicht auf. Wenn riesige Farmen kaum mehr etwas anbauen, weil die Besitzer nicht wissen, ob und wann sie enteignet werden, was soll's? Dass ausländische Investoren Venezuela meiden wie der Teufel das Weihwasser, weil ein paar Firmen im internationalen Besitz verstaatlicht wurden, wen stört's? Venezuela ist der größte Erdöl-Exporteur Lateinamerikas und einer der größten der Welt. Der stetig steigende Ölpreis spülte genug Geld in die Kassen, um alles im Ausland einkaufen zu können: Lebensmittel genauso wie Konsum- und Investitionsgüter. Oder Waffen in Russland. Erst vor wenigen Wochen hat Chavez in Moskau Verträge über Milliarden schwere Lieferungen von Kriegsgerät unterschrieben.

Zwanzig Länder am subventionierten Öl-Tropf

Es blieb sogar noch genügend übrig, um sich politische Freunde zu kaufen. Fast zwanzig Länder in Lateinamerika und der Karibik hängen inzwischen am subventionierten Öl-Tropf von Chavez. Sie bekommen den Stoff zu Konditionen, die unter Kapitalisten nicht möglich wären: Sie müssen zunächst nur die Hälfte der Lieferung bezahlen. Die Restschuld stottern sie in 25 Jahren ab - bei einem Zinssatz von einem einzigen Prozent. Bei solch brüderlichen Bedingungen decken sich ein paar dieser Länder sogar über Gebühr mit dem Brennstoff ein - und verkaufen ihn zu Weltmarktbedingungen weiter.

Bis vor kurzem glaubte Chavez noch, dass es ewig so weitergehen werde. Der vor wenigen Tagen ins Parlament eingebrachte Staatshaushalt von 2009 sieht gegenüber dem laufenden Jahr Mehrausgaben von 23 Prozent vor. Dass der Preis für Rohöl inzwischen sinkt und sinkt, focht den Präsidenten bis Anfang Oktober nicht an: "Venezuela hält jeden Erdölpreis aus", tönte er. Die Finanzierung seiner Sozialprogramme und seiner internationalen Freundschaften sind auf der Basis von 80 bis 90 Dollar pro Fass kalkuliert. Im Vergleich zum Höchstpreis von 126 Dollar mag diese Rechnung vorsichtig erscheinen. Heute aber wird für ein Fass Öl aus Venezuela auf dem Weltmarkt nur noch um die 60 Dollar bezahlt.

Garstig großes Finanzloch droht

Neben dem Preis gibt es noch eine zweite Unwägbarkeit: Die staatliche Ölfirma PDVSA behauptet, sie würde derzeit 3,4 Millionen Fass am Tag fördern. Der Haushalt des kommenden Jahres geht von einer Tagesproduktion von 3,66 Millionen Fass aus. Die offizielle Statistik der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) aber weist für Venezuela nur eine Produktion von 2,33 Millionen Fass pro Tag aus. Schon mit den hoffnungsfrohen Zahlen der PDVSA wird sich ein Finanzierungsloch auftun. Stimmen die Zahlen der OPEC, dann wird es richtig garstig groß.

Der sonst gerne großspurig auftretende Chavez scheint das zu wissen und nimmt neuerdings kleinlaute Worte wie "Sparsamkeit" und "Austeritätspolitik" in den Mund. Der PDVSA-Ableger Petrocaribe hat angekündigt, der Bau einer vier Milliarden Dollar teuren Raffinerie in Nicaragua werde erst einmal verschoben. Das wird den dortigen Präsidenten Daniel Ortega gar nicht freuen. Billige Öllieferungen aus Venezuela hatten ihn Anfang 2007 nach 16 Jahren in der Opposition wieder ins höchste Staatsamt getragen. Seither ist seine Beliebtheit so tief gesunken, dass er jetzt, kurz vor den Kommunalwahlen im November, einen zweiten brüderlichen Schub von Chavez dringend hätte brauchen können.

Ob in Nicaragua oder Honduras, in Kuba oder Bolivien: Dass Chavez in Lateinamerika ernst genommen wird, verdankt er dem halb verschenkten Sprit. Nur mit Hilfe des Öls konnte er sich zu einer regionalen Führungsfigur aufschwingen. Jetzt sieht es so aus, als habe er sich verhoben. Er ist eben doch nur ein Spieler, der auf steigende Erdölpreise spekuliert und den Rest der Volkswirtschaft vernachlässigt hat. Wie ein Banker, der alles auf Derivate setzt und die Realwirtschaft vergisst. Auch solche Männer wurden bewundert, so lange sie Milliarden scheffelten. Jetzt, in der Finanzkrise, sind sie die Verlierer.

Von Toni Keppeler
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
verdad (26.10.2008, 18:07 Uhr)
wir sind die ware politiker
wie immer der Sur muss der Fehler von der nord einbüßen und es wäre noch Leute geben für lange zeit egal was passiert die denken wie sie Herr keppeler
verdad (26.10.2008, 12:46 Uhr)
ES WAR KLAR DAS SIE MIT SOWAS KOMMEN
!VIVA CHAVEZ! !VIVA EVO! !VIVA CORREA!
!VIVA LULA! !VIVA CRISTINA FERNANDEZ! !VIVA BACHELET!
STOPPEN DIE ERMORDUNGEN AN DIE INDIOS IN KOLUMBIEN UND PERU
Salta (25.10.2008, 00:45 Uhr)
Kapitalismus was vom Sozialismus lebt.....
Zum glück haben wir Heute einen so eindeutigen und direkten Beispiel...
Die Wirtschaftskriese die wir jetzt erleben und in naher Zukunft erleben werden, ist der klare Beispiel wie Kapitalismus nicht funktioniert.
Kapitalismus ist für wenige gut und für viele schlecht, es ist eine Piramide die nur eine Spitze verträgt. Das was Chavez dort macht, kann nicht genug sein, die Enteignungen sind nötig, denn es sind Länder die niemals gekauft wurden. Somit wurden diese niemals gekauft. Das wird aber gerne verschwiegen... Das selbe haben wir doch mit der ehemaligen DDR erlebt. Aber der Mensch vergisst nun mal schnell... Aber der Kapitalismus wird ja jetzt vom Steuerzahler finanziert. Und das ist Sozialismus in eine Richtung. Denn plötzlich hat der Deutsche Staat Geld um die Banken zu retten. Aber kein Geld um kostenlose Kittas anzubieten, oder gar Ganztagsschulen. Chavez hingegen bietet den Farmern die Rohstoffe herstellen, Zinzgünstige Kredite damit die breite Bevölkerung vom Erdöl profitiert. Da die Ärzte die in Venezuela ausgebildet werden, nicht ihrem Eid entsprechen, müssen welche aus dem Ausland geholt werden. Das selbe passiert auch mit den Lehrern. Darüber wird aber nicht geschrieben.
Dem Artikel gebe ich für die Gramatik eine 1
Für die Recherche eine glatte 6
Putinki (24.10.2008, 21:15 Uhr)
naiv02
Auch die Natur vollbringt "Schwachsinnigkeiten" in Ihrem Sinne und in meinem Sinne. Sie zerstört und erneuert zugleich. So ist es auch mit dem Menschen. Haben Sie Geduld und glauben Sie vor allem an sich selbst. Dann sind Sie stark und glücklich. Vielleicht verstehen sie das.
naiv02 (24.10.2008, 19:56 Uhr)
@Putinki
Gibst Abzocke nicht von zwei Seiten. Ich nenne das Gerechtigkeit eines zur Vernunft begabten Wesens. Oder glauben Sie, daß die Welt wie sie heute ist so sein sollte wie sie ist.
.
Und zu den "Utopisten und Traumtänzer" oh ja mag sein, bin ich wohl, meine Lieblingsübung dabei ist, daß ich mir vorstelle wir bekämen Besuch von Außerirdischen und die sehen den Schwachsinn (Kindersoldaten in Afrika mit chinesischen Waffen, ein Land gut für deutsche Entwicklungshilfe oder Diamanten besetzte Sonnenbrillen für Hunde, von Versklavten irgendwo auf dieser Welt geschürft) den wir hier verzapfen.
Putinki (24.10.2008, 19:27 Uhr)
Der nächste, bitte
Der nächste Reinfall wird wohl Hessen mit den naiven Weltverbesserern werden. Solange Geld
da ist (vor allem Fremdes oder von Reichen enteignetes), dann wird "auf den Putz" gehauen. Die Schmarotzer und Betrüger hören zu, denn ihre Zeit ist gekommen.
Am Ende bezahlt der, dem man alles schenken wollte. Der kann es aber nur, wenn die freie Marktwirtschaft (Kapitalismus) wieder für Ordnung sorgt. Das ist aber nichts für Utopisten und Traumtänzer. Solange die Abzocke eine primäre Eigenshaft des Menschen bleibt, werden wir die gewohnten und tiefsinningen Beiträge hier im Forum genießen können.
Salzsteuer (24.10.2008, 19:27 Uhr)
Wozu
diesen Indianern Lebensmittel und Medizin geben? - In den USA hat man die Indianer doch auch weitgehend ausgerottet.
In den Segnungen des Kapitalismus braucht man keine Indianer, nur viel Geld für die Häuptlinge.
Profiler (24.10.2008, 18:46 Uhr)
Autor
Hallo Schwabe Toni, der Artikel ist Schrottli
naiv02 (24.10.2008, 18:35 Uhr)
Richtig,
ich finde auch erschwingliche Lebensmittel und medizinische Versorgung für die Armen, sowas muß nun wirklich nicht sein. Also schleunigst die Ölreserven an die westlichen Konzerne verscherbeln, dann gehts den Leuten auch wieder gut, wie im Rest Lateinamerikas, leben ja schließlich mehrheitlich wie im Goldenen Westen.
.
Oh, Mann was für ein platter Artikel - Kann es sein, daß die ganze Sache ein bißchen komplexer ist, als sie in 5 Zeilen auf den Tenor Hugo Chavez - Schlecht und Kapitalismus - Gut, herunterzubrechen?
MEHR ZUM ARTIKEL
Panamericana Ein Zentrum gegen die Folter

Vor 25 Jahren endete die Militärdiktatur in Argentinien. Nun soll eines der grausigsten Folterzentren jener Jahre unter der Schirmherrschaft der Unesco zu einem internationalen Forschungs- und Ausbildungszentrum für Menschenrechte werden. Arbeit für so ein Institut gibt es genug. mehr...

Panamericana Wer kritisiert, der fliegt

Als Hugo Chavez zum Präsidenten von Venezuela gewählt wurde, hatte er versprochen, mit der 40 Jahre währenden Günstlingswirtschaft aufzuräumen. Heute umgibt er sich selbst nur noch mit ihm Wohlgesinnten. Wer das kritisiert, wie nun Human Rights Watch, wird des Landes verwiesen. mehr...

Venezuela Großmaul Chavez wird kleinlaut

Hugo Chavez vollzieht derzeit überraschende Kehrtwendungen: Der venezolanische Präsident kippt kurzerhand eine Verordnung für billigere Busfahrscheine und entzieht den lang gehätschelten kolumbianischen Farc-Rebellen seine Liebe - was ist mit dem populistischen Haudrauf los? mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe