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10. Dezember 2008, 16:24 Uhr

Der Staat der Korrupten

Er soll ein Kinderkrankenhaus erpresst und Journalisten unter Druck gesetzt haben. Zuletzt versuchte Rod Blagojevich Barack Obamas frei gewordenen Senatssitz zu verhökern. Nun wurde der Gouverneur des US-Bundesstaats Illinois vom FBI abgeführt. Er ist nicht der einzige ranghohe Politiker aus Illinois, der sein ganz eigenes Rechtsverständnis hat. Von Felix Disselhoff

Blagojevich, Illinois, Korruption, USA, Politik, Obama

Die amerikanische Polit-Affäre hat wieder ein neues Gesicht: Rod "Blag" Blagojevich© Landov Greenblatt/DPA

"Chicago ist einmalig. Es ist die einzige Stadt in Amerika, die durch und durch korrupt ist." So formulierte der Politikberater Charles Merriam die dortigen politischen Zustände in den 1920ern. Daran scheint sich auch 90 Jahre später nicht viel geändert zu haben, wie nun der Fall "Blag" zeigt: Seit fünf Jahren schon ermittelt das FBI gegen Rod R. Blagojevich, dem Gouverneur Illinois, nun wurde er festgenommen und die Vorwürfe sind haarsträubend: Nachdem Illinois' Senator Barack Obama zum US-Präsidenten gewählt wurde, ist sein Senatssitz frei. Blagojevich soll geplant haben, ihn an den Meistbietenden zu verkaufen. Die Rede ist von 500.000 Dollar. Auch Blagojevichs Stabschef John Harris wurde festgenommen.

"Blag" hat ausgeblufft

Noch am gleichen Tag wurde "Blag" (englisch für "Bluff"), wie ihn die amerikanische Presse nennt, dem Haftrichter vorgeführt. Die "New York Times" druckte die 76 Seiten umfassende Klageschrift ab. Er wird darin der massiven Korruption und "andauernder krimineller Aktivitäten" beschuldigt. Außerdem wird ihm Verschwörung zum Betrug und Aufruf zur Bestechung vorgeworfen, darauf stehen jeweils maximal 20 Jahre Haft. Die US-Strafverfolger fürchteten sogar, dass Blagojevich sich den Posten selbst zuschanzen wollte - dann wäre seine Verhaftung dank diplomatischer Immunität nahezu unmöglich gewesen. Der Gouverneur schien dabei nur eines im Sinn gehabt zu haben: möglichst viel Profit aus seiner Position zu schlagen. Sein Gouverneursgehalt in Höhe von rund 177.000 Dollar pro Jahr reichte ihm offenbar nicht, laut der Anklage verlangte Blagojevich für den Sitz im Senat zudem ein Posten mit einem Gehalt zwischen 250.000 und 300.000 Dollar. Dazu noch einen Kabinettsposten und einen Platz in einem Aufsichtsrat für seine Frau Patti mit einem Mindestgehalt von 150.000 Dollar. Dabei gab er sich gar keine Mühe, seine Absichten zu verbergen. "Ich will Geld machen" soll er in einem der letzten Telefonate vor der Verhaftung gesagt haben.

Dieses Vergehen war aber nur der letzte Nagel im politischen Sarg des ehemaligen Staatsanwaltsassistenten. Schon zuvor gab sich "Blag" alle Mühe, dem Hollywoodstereotyp des skrupellosen Politikers zu entsprechen. So soll er versucht haben, ein Kinderkrankenhaus zu erpressen. Vom Leiter des Chicagoer Children's Memorial Hospital verlangte er 50.000 Dollar Bonus für die Bewilligung von staatlichen Zuschüssen in Höhe von 8 Millionen Dollar. "Fire those Fuckers!" Das Medienecho ist nicht nur wegen der Verbindung zu Amerikas nächstem Präsidenten Obama groß. Blagojevich hatte unter anderem der finanziell schwer angeschlagenen "Chicago Tribune" zugesetzt. Die mittlerweile unter Gläubigerschutz stehende Tribune Company versucht seit einiger Zeit ihre Baseballmannschaft Chicago Cubs samt Stadion zu verkaufen. Der rücksichtslose Gouverneur blockierte den Verkauf und forderte, dass Redakteure gefeuert werden, die kritisch über ihn schreiben. "Fire those Fuckers", soll er gerufen haben. Blagojevich und sein Stabschef Harris hatten daraufhin versucht, die Berichterstattung der Zeitung massiv zu beeinflussen. Beide wurden gestern nach einen fünfzehnminütigen Anhörung am Bundesgerichtshof entlassen, nach Zahlung einer Kaution von je 4.500 Dollar. Ein FBI-Angehöriger, der an der Untersuchung mitwirkte, sagte, er wisse nicht, ob Illinois der korrupteste Staat der USA sei. Er müsse aber als heißer Anwärter gelten.

Illinois: Sündenpfuhl der amerikanischen Politik

Denn dieser Vorfall ist nur ein weiteres Beispiel für das gestörte Rechtsverständnis mancher Politiker im Staate Illinois. Bereits in den 1830ern blühte in Illinois das illegale Glücksspiel, ab den 1870ern auch die Prostitution. Chicago, die größte Stadt Illinois und drittgrößte der USA, gilt als Wiege des amerikanischen organisierten Verbrechens. Zu Zeiten der Prohibition wurde Verbrechergröße Al Capone mit illegalem Glücksspiel, Prostitution und illegalem Alkoholhandel zum Mythos. Und selbst John F. Kennedys Karriere erhielt einen kleinen Dämpfer aus dem Staat am Lake Michigan. Bei der Präsidentschaftswahl 1960 kam der Verdacht auf, dass das Wahlergebnis manipuliert worden sei. Er gewann nur mit einem Vorsprung von knapp 9.000 von insgesamt rund 4,7 Millionen abgegebenen Stimmen im ganzen Staat. Erneute Auszählungen wurden damals mit juristischen Mittel gestoppt. Zwei Jahre später bekannten sich aber tatsächlich zwei Wahlhelfer aus Chicago schuldig, Stimmzettel manipuliert, verändert und zerstört zu haben.

Schon vor Blagojevichs Verhaftung sind bereits drei Gouverneure wegen diverser Gesetzesverstöße im Gefängnis gelandet: Der Republikaner Georg Ryan sitzt eine sechseinhalbjährige Haftstrafe wegen Betrugs ab. Der Demokrat Otto Kerner wurde Anfang der Siebziger der Korruption, Verschwörung und des Meineids in siebzehn Fällen überführt. Der letzte demokratische Gouverneur vor Blagojevich, Dan Walker, wurde wegen Bankbetruges verklagt. Ein ähnlicher Fall kam 1970 zu Tage, als bei der Leiche des damaligen Ministers Paul Powell 800.000 unterschlagene Dollar in Schuhkartons entdeckt wurden. Wer korrupt ist, scheint in Illinois auf großem Fuß zu leben.

Von Felix Disselhoff
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
mramorak (11.12.2008, 12:22 Uhr)
Welcher Partei gehört der an?
Aus Ihrem Beitrag konnte ich das nicht raus finden. Da ich aber auch amerikanische Medien verfolge, weiß ich, das er den Demokraten angehört, der Obama-Partei. Und dennoch konnten einige Kommentatoren es nicht lassen, den in die Bush-Regierung zu schieben. Was werden diese Leute machen, wenn der Herr Bush nicht mehr regiert und die Dinge höchstwahrscheinlich schlechter werden? Denken Sie nur an denn "demokratischen" Gouverneur. Interessant war auch ein Gespräch des Herrn Obama im Bezug auf den Gouverneur: Mehrfach hat der Herr Obama von wir auf ich umgeschalltet. Denn er war sich nicht sicher, dass keiner seiner Mitarbeiter darein verwickelt war. Die Dinge um die Partei der Kennedys und Clintons, nehmen Gestalt an. Es muss nur noch klar werden, von wo der Herr Obama $700 Millionen her hatte.
Salzsteuer (11.12.2008, 11:15 Uhr)
gell vegefranz,
weil wir weder in Nordkorea noch in der DDR leben möchten fördern wir hier die Korruption nach besten Kräften.
Oder soll es doch anders sein??
Vincent_Vega (11.12.2008, 10:16 Uhr)
@albundy, @preachthegospel
Mit seiner Korruption wäre Bagel ja eigentlich ein typisches Mitglied des Bush-Kabinetts gewesen. Ist dier "Fa. Haliburton" ein Begriff???
bmpost (11.12.2008, 09:05 Uhr)
Mensch,
der Mann wäre doch geradezu prädestiniert, schwarz-gelb in die Regierung zu führen, was Herr Güllner?
Sveto (11.12.2008, 07:06 Uhr)
Bizarr
Was hat denn die Blüte der Prostitution um 1870 mit gestörtem Rechtsverständnis zu tun?
flyingfree (11.12.2008, 06:47 Uhr)
Korrupt sind viele
Es sind nur nicht alle so bodenlos blöd wie der.
Wir sehen in Deutschland auch nur gelegentlich die Spitzen der Eisberge. Die Amtierenden schieben dann aber sofort einen großen Brocken davor.
Leider stellen all diese Gangster letztlich eine ziemliche Bedrohung für den Frieden dar.
Wieso wohl spielt Deutschland in den Top Five der Waffenhändler mit? Politische Landschaftspflege ist sicher nicht falsch vermutet.
Countryjoe (11.12.2008, 06:14 Uhr)
Balken im Auge...
Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, doch den Balken in deinem Auge nimmst du nicht wahr...
Wer weißschon was hier und vor allem in der EU-Hauptstadt abläuft. Es kann sein, daß der gute "Blag" dagegen nur ein bescheidener Amateur ist. Nur sind hier die Presse und Polizei stärker unter Kontrolle der Machthaber.
gmathol (11.12.2008, 05:31 Uhr)
Das Furchtbare ist das die USA Atomwaffen besitzen.
Und erinnern wir uns die haben die sogar schon eingesetzt: Hiroshima/Nagasaki. Natuerlich wollte man nur Frieden stiften.
Wir sollten uns aber nicht beklagen und die Vasallen Parteien in Deutschland die in den USA einen Verbuendeten sehen und sogar fuer den Voelkermordeinsatz in Afghanistan die deutsche Verfassung brechen, endlich zur Strecke bringen.
Amis raus, Deutschland raus aus der NATO und endlich wieder eine Politik fuer den Frieden.
Oder gibt es Gehirnamputierte Deutsche die an tatsaechlich an den Kampf gegen Terror glauben.
Terrorstaat Nr. Eins ist Israel dicht gefolgt von den USA.
keinheiliger (11.12.2008, 03:15 Uhr)
Wer
denkt, das es bei uns keine Korruption oder vornehm ausgedrueckt, sich geldwerte Vorteile durch kleine Gegenleistungen zu erbitten, der glaubt auch an den Weihnachtsmann.
Aber zugegeben, dieser Fatzke da drueben treibt’s auf Dritte-Welt-Land Niveau, ziemlich dreist kann man nur sagen. Das machen wir hier geschickter.
@ sedanon huebsch geschrieben, ack
MfG
chippo (11.12.2008, 02:18 Uhr)
frau xy
@bundesboy
mag zutreffen, nur wäre es unter der stasi-methoden-im, alias frau xy sicher keine spur besser geworden. zumal sie ihre hessenpartei schon zu einer art sekte umformen versuchte
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