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14. Februar 2012, 19:00 Uhr

Arztbesuch in der Strafkolonie

Wie krank ist Julia Timoschenko? Anhänger fürchten, die ukrainische Ex-Regierungschefin könnte die Haft in der Strafkolonie nicht überleben. Ein internationales Ärzteteam soll sie nun untersuchen. Von Nina Jeglinski, Charkow

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Hinter den Mauern dieser unschuldig anmutenden Gebäude im ukrainischen Charkiw befindet sich eine Strafkolonie. Hier ist Julia Timoschenko inhaftiert© DPA

Im Eiltempo fährt der kleine weiße Bus durch das Tor der Strafkolonie 54. Ein grauer Wintertag in der ostukrainischen Provinz, selbst der Schnee kann die trostlose Stimmung, die die Adresse Provulok Wischnevij 16 verbreitet, kaum aufhellen. Der Bus bringt ein internationales Ärzteteam zu der seit einem halben Jahr inhaftierten früheren Ministerpräsidentin Julia Timoschenko. Seitdem sie während ihres Prozesses wegen Amtsmissbrauchs aus dem Gerichtssaal heraus verhaftet wurde, soll sich ihr Gesundheitszustand sehr verschlechtert haben, sagen ihre Anwälte und ihre Familienangehörigen. Die 51-Jährige leide vor allem unter starken Rückenschmerzen.

Mit Unterstützung der deutschen Bundesregierung sind unter anderem zwei Professoren der Berliner Charite in die Ukraine gekommen. Der Neurologe Karl Max Einhäupl und der Chirurg Norbert Haas, sollen mit drei kanadischen Ärzten herausfinden, was der Oppositionspolitikerin fehlt und welche Behandlung nötig ist.

Anhänger haben Angst, ihr Idol überlebt die Haft nicht

Vor dem Gefängnis stehen seit dem Morgen Mitglieder und Unterstützer von Timoschenkos Partei. Nikolai und Vadim, beide Ende 50, haben ukrainische Fahnen in der Hand und machen ihrem Ärger lautstark Luft: "Die wahren Banditen sitzen bei uns nicht im Gefängnis, sondern in den Chefsesseln der Macht", ruft Rentner Nikolai. Er wohnt nicht weit von der Kolonie, in einem der Hochhäuser aus den 1970er Jahren. Sein ganzes Leben habe er als Elektriker gearbeitet, jetzt reicht die Rente nicht und sagen dürfte man auch nichts mehr.

Als die Menge einen Mitarbeiter des Bürgermeisters bemerkt, der die Demonstranten mit dem Handy filmt, kommt es fast zu einem Handgemenge." Jeder noch so kleine Protest wird bespitzelt", schreit eine Frau unter Tränen. Sie ist mit einer Gruppe aus Dnipropetrowsk, der Heimatstadt Timoschenkos, gekommen und hält das Portrait der Inhaftierten wie ein Heiligenbild. Für die 62-jährige Irina ist die Oppositionsführerin längst zur Märtyrerin geworden, viele der Anhänger haben Angst, ihr Idol überlebt die Haft nicht.

Die Regierung lässt sich nicht beeindrucken

Auch Anwalt Sergej Wlassenko teilt solche Befürchtungen: "Timoschenko kann nicht laufen, obwohl die Behörden das Gegenteil behaupten", sagt er stern.de am Telefon. Seit Monaten kämpft er für seine Mandantin. Doch die ukrainische Regierung hat sich weder von Protesten in der Ukraine noch von Kritik der EU und der USA umstimmen lassen. "Ihre politischen Gegner üben Rache an meiner Mutter, ich habe Angst um ihr Leben", sagt die 31-jährige Jewgenija Timoschenko.

Die Befürchtungen sind nicht unbegründet. Immer wieder kommt es zu Todesfällen in ukrainischen Haftanstalten. Die Strafkolonie 54 wurde zwar im vergangenen Jahr modernisiert, doch auch dieses Gefängnis gilt als völlig überbelegt. Mehr als 1000 Frauen, alles Verurteilte mit Langzeitstrafen, sitzen dort nicht nur ihre Strafe ab, sondern arbeiten täglich bis zu zehn Stunden. Über der Einfahrt der Katschanowska 54 wirbt ein Plakat für "Kleidung von bester Qualität, billig und schnell, direkt vom Hersteller". Die Strafkolonie 54 ist auch ein Wirtschaftsbetrieb, die ukrainische Polizei, die Feuerwehr und Teile des Militärs, lassen dort ihre Uniformen schneidern.

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