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22. März 2009, 19:24 Uhr

"Die DDR hatte auch Stärken"

Während westdeutsche Prominenz sich ab und an mit verunglückten Anspielungen auf das Dritte Reich in die Nesseln setzt, widerfährt selbiges Ostdeutschen mit der DDR. Nun löste der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, Empörung aus. Er fand an der DDR einiges ganz gut.

Erwin Sellering DDR Mecklenburg-Vorpommern

Die kommenden Tage dürften ungemütlich werden: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering© Sören Stache/DPA

Mit relativierenden Äußerungen über die DDR hat der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, eine Welle der Empörung ausgelöst. "Ich verwahre mich dagegen, die DDR als totalen Unrechtsstaat zu verdammen, in dem es nicht das kleinste bisschen Gutes gab", sagte der SPD-Politiker der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Vor allem Politiker aus den Reihen der Landes-CDU, Sellerings Koalitionspartner, nannten die Äußerungen des Ministerpräsidenten unerträglich und anmaßend.

Sellering räumte in dem Interview zwar ein, dass es keine Kontrolle durch unabhängige Gerichte gegeben habe, weshalb zur DDR auch immer ein Schuss Willkür und Abhängigkeit gehörten. Er habe aber Bedenken gegen Diskussionen, die sich nur auf die DDR beschränkten, erklärte Sellering: "Die alte Bundesrepublik hatte auch Schwächen, die DDR auch Stärken." Es sei nicht ein idealer Staat auf einen verdammenswerten Unrechtsstaat gestoßen. Zu den Stärken der DDR zählte Sellering die Betreuung in den Kindertagesstätten. Auch heutige Reformen in der Schule und in der Gesundheitsversorgung habe es schon in der DDR gegeben.

Der Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Harry Glawe, warf Sellering daraufhin eine "gefährliche Relativierung des Unrechtsstaates DDR" vor. Die Aussagen Sellerings bezeichnete er als "unerträglich". Die DDR sei auf einem Lügensystem aufgebaut gewesen. Für persönliches Vorankommen sei staatskonformes Denken die wichtigste Voraussetzung gewesen. "Ich bin erschrocken, dass sich Sellering damit gerade im Jahr 20 des Mauerfalls in eine Reihe jüngster Relativierungsversuche aus Richtung der Linken stellt", sagte der CDU-Politiker. Wer die DDR nicht persönlich erlebt habe, sollte sich nach Glawes Ansicht gerade als Ministerpräsident mit beschönigenden Aussagen zurückhalten.

Der FDP-Fraktionschef im Schweriner Landtag, Michael Roolf, sagte "MVregio News", er empfehle Sellering einen Besuch der Stasihaftanstalt Hohenschönhausen, wo politisch Verfolgte ohne Anklageerhebung und Prozess eingesessen hätten und psychisch wie physisch gefoltert worden seien. "Das System der DDR war praktisch und rechtlich auf Kontrolle und Unterdrückung Andersdenkender ausgerichtet."

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KOMMENTARE (10 von 131)
 
O.Bi (25.03.2009, 17:54 Uhr)
@ AtticusFinch
Danke.
---
@confused
Wir sehen uns am 28 März, in Frankfurt.
Wenn Sie in Berlin sind, sind wir alle trotzdem zusammen!
O.Bi (25.03.2009, 17:46 Uhr)
@chatahootchee
Sie haben bestimmt von einer Pastorentochter gehört, die in der DDR sogar ihren Doktor machen konnte.
Vielleicht hätten Sie in der Schule etwas besser aufpassen sollen? :-)
Nachdenklich? (oder keine Fähigkeit kontroverse Diskussionen zu führen ohne Opponenten zu beleidigen und schon gar nicht versuchen zu verstehen)
confused (24.03.2009, 22:28 Uhr)
@alle
Anstelle hier viel heisse Luft loszulassen, versteckt hinter euren Monitoren daheim oder auf der Arbeit,
ZEIGT EINMAL das WIR mittlerweile EIN VOLK sind, und macht das was im ehemaligen OSTEN mit hundertprozentiger Sicherheit gut für das Volk war.... wehrt euch gegen die Volksverdummer und Volksverächter genannt Regierung.
Geht auf die Strasse - wir sind EIN VOLK.
mehr Info:
http://www.28maerz.de/
AtticusFinch (24.03.2009, 21:11 Uhr)
chatahootchee
Nun mal ganz langsam, Sie schreien doch hier jede Gegenmeinung in Grund und Boden und lassen keine andere Meinung gelten. Und das in einer Art und Weise die man nicht vernünftig nennen kann sondern eher cholerisch.
Mir gehts nicht darum, die DDR zu heiligen oder ihr nachzutrauern, sondern diese Schwarz/Weiss Denken abzulösen. Trotz vieler tragischer Schicksale in der DDR muss es doch möglich sachlich über einzelne Aspekte zu diskutieren. Um nichts anderes geht es mir (zum 26792 ten Mal). Sachlichkeit find ich bei Ihnen nicht. Inwieweit ich Ihnen gegenüber persönlich geworden bin (oder gar beleidigend) kann ich auch nicht nachvollziehen.
chatahootchee (24.03.2009, 20:53 Uhr)
@ATTIKUSFINCH
oder soll ich schreiben: @Oberlehrer? Sie haben natuerlich das Alleinvertretungsrecht der entweder hueben oder drueben aufgewachsenen Leute.
Was macht Sie denn so verletzt und verletztend, dass Sie immer persoenlich werden?
Oder was treibt Sie denn dazu, immer die Anderen fuer schuldig/zustaendig zu erklaeren an den sog. "sozialen Ungerechtigkeiten"? Es ist doch wohl ein Riesenunterschied zwischen ideologischen und wirtschaftlichen Zwaengen. Opposition gegen ideologische Zwaenge in der 'DDR' war Stasi und Knast. Oder bestreiten Sie dies? Gegen wirtschaftliche Zwaenge kann man sich wehren, z.B. durch Weiterbildung und Lehrgaenge. Und wenn Sie, wie Sie andeuten, verwahrlosen, dann sind es Sie einzig und allein, der was dagegen tun kann.
Sie trauern den Errungenschaften wie Jugendgruppen, Altstoffsammeln, vielleicht auch GST und Kampfgruppe, nach. Wohl bekomms, ich kann darauf verzichten.
Ihren Worten und Beitraegen kann ich nur entnehmen, dass Sie der 'DDR' nachtrauern, aber doch gerne die Vorteile einer Demokratie in Anspruch nehmen - ohne natuerlich viel dafuer zu tun.
Und, dies ganz ohne 'Emotionen', war mein Wort zum Dienstag.
AtticusFinch (24.03.2009, 19:23 Uhr)
@2laky
Ja aber sicher. Sie müssen es ja wissen, Sie sind schließlich hier groß geworden.
Politische Zuverlässigkeit war ein Kriterium, aber nicht das einzig entscheidende. Neben dem Abi gabe es ja auch noch die Begabtenförderungen für die strunzdoofen Kinder von strammen Parteigängern.
Ihre Haltung ist anmaßend und arrogant und mit Ihren Beiträgen spucken Sie so nebenbei ein paar Millionen Leuten ins Gesicht. Aber das ist o.k., Meinungsfreiheit. Die ist ja auch höher einzuschätzen, als z.B. soziale Gerechtigkeit und Sicherheit oder kostenlose Bildung. Ebenso die sozialen Projekte im Rahmen der Jugendgruppen (Altstoffsammeln, Pioniertage, alten Leuten helfen, Brieffreundschaften mit anderen Kindern aus anderen Ländern) aber natürlich immer mit der Ideologiekeule. Sie wissen das bestimmt, Sie haben es ja miterlebt.
Schöne Doppelmoral, die Sie hier vorleben. BRD ist o.k., die Fehler sind verzeihbar, da man hier frei ist. DDR komplett böse, da man dort nicht frei war.
In der DDR gab es ideologische Zwänge, in der BRD gibt es wirtschaftliche, die mich an der Ausübung meiner verfassungsrechtlich gesicherten Freiheit hindern. Was ist jetzt besser? Meinungsfreiheit gegen soziale Ungerechtigkeit oder Verwahrlosung? Oder Überwachungsstaat der dem Normalbürger relativ unbehelligt ließ aber dafür soziale Sicherheite geboten hat?
Ich weiss es nicht, eine Mischung aus beiden wäre gut, aber dafür sollte man sein Schwarz/Weiss Denken abstellen. Dazu sind Sie scheinbar nicht in der Lage, die Westpropaganda und Siegerjustiz hat ganze Arbeit geleistet. Gratulation
2laky (24.03.2009, 17:04 Uhr)
OHJEH!
@ AtticusFinch:
Das Schülern aus politischen Gründen Höhere Bildung verweigert wurde war keine Parteiküngelei sondern ein Grundpfeiler des Bildungssystems der DDR, bitte sehen sie diese geschichtliche Tatsache ein, nichtmal die DDR-Führung hat versucht das zu verschleiern!
_____________________________________
Typisch, wenn die Argumente nicht allgemein greifen, dann wird darum gebeten die Sache doch differenzierter zu betrachten. War die DDR zu Ulrichs Zeiten etwa nicht die DDR, ich meine das Gute am DDR-Schulwesen soll 40 Jahre gedauert haben, aber für die schlechten Seiten muss man dann die verschiedenen Epochen in der Geschichte der DDR berücksichtigen und darf das dann nicht auf die DDR als Gesamtes beziehen?? Als nächstes sollen vermutlich auch SED und Stasi als komplett getrennte Institutionen betrachtet werden??
whatever (24.03.2009, 15:06 Uhr)
DDR-Schulsystem
@littledrummer und atticus:
Ich bin selbst weit davon entfernt, alles zu verteufeln, was es in der DDR gab. Allerdings muss ich sagen, dass sich meine Erfahrung mit dem Bildungssystem der DDR (teilweise mit dem von chatahootchee deckt. Ich besuchte 1989 die neunte Klasse. Es stand also die Entscheidung an, ob ich die Zulassung zum Abitur erhalten sollte, oder nicht. Mein Notendurchschnitt lag bei 1,3. Ich bekam die Nachricht, dass ich nach der 10. Klasse für einen Besuch der EOS leider nicht in Frage käme. Begründung: Beide meiner Eltern hatten studiert. Wenn Kinder von Akademikern nun auch noch studieren würden, bestünde die Gefahr der Herausbildung einer "intelektuellen Klasse". Ein Unding in einer "klassenlosen Gesellschaft". Traurig aber wahr... Glücklicherweise kam bald die Wende, ich machte Abitur und habe später sogar noch studieren dürfen :0).
Im übrigen will ich aber anfügen, dass ich trotzdem ein großer Anhänger der Idee der POS bin. 10 gemeinsame Schuljahre für alle und keine frühzeitige Selektierung und Weichenstellung für´s gesamte Leben. Es war halt doch nicht alles schlecht...
Littledrummer (24.03.2009, 14:44 Uhr)
@chatahootchee
Deswegen schrieb ich ja auch in den 70er und 80er Jahren. Im übrigen waren die 60er Ulbrichts-Zeiten, welche nochmal ganz anders zu betrachten sind, denn immerhin gingen Ulbricht's Bestrebungen sogar Moskau zu weit, deswegen wurder er ja auch entmachtet. Nicht alles pauschal vermischen! Bitte erst konkret mit der Geschichte auseinandersetzen. In Ihrem Fall kann es dann durchaus sein, das Sie dem Fanatismus eines Ulbrichtschen-Systems zum Opfer fielen. Nur hatte diese Zeit nichts, aber auch überhaupt nichts mit Sozialismus zu tun. Lesen Sie mal nach...
AtticusFinch (24.03.2009, 13:25 Uhr)
@chatahootchee
1. Bitte nicht schreien (=Großschreibung in der Überschrift), so etwas gilt als unhöflich. sie werden trotzdem zur Kenntnis genommen.
2. Wie bereits von mir angemerkt sind Sie emotional vorbelastet. Demenstsprechend sehen Sie alles durch eine "Böse DDR" Brille. aus Ihrer Sicht und Erfahrung mag das vielleicht angebracht sein, trägt aber nichts zum Disput bei.
3. Das Schulsystem an sich war eine gute Idee. Einzelschicksale wie Sie z.B. scheiterten aber aufgrund von Parteiklüngeln. Deswege ist die Idee aber nicht schlecht, nur Teile der Umsetzung. Ich persönlich glaube ebenfalls nicht, dass Ihr Schicksal das von Vielen war. Diejenigen die intelligent waren wurden auch für das Abi zugelassen. Das aber nicht jeder Abi machen durfte stimmt und ist für mich die größte Schwäche dieses Systems.
4. Versuchen Sie in Ihren Beiträgen Neutralität zu bewahren. Niemand hier will die DDR zurück. Es geht lediglich darum, ob man dem Staat auch gute Seiten zugestehen kann. M.E. in jedem Fall.
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