Malische Truppen sollen Menschen hingerichtet haben

24. Januar 2013, 13:31 Uhr

Bisher waren die Fronten klar: Die Islamisten verletzen die Menschenrechte, deshalb bekommen die malischen Truppen internationale Hilfe. Doch auch malische Soldaten gehen offenbar brutal vor.

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Mali, Islamisten, malische Truppen, Rückeroberung Nordmalis, Menschenrechtsverletzungen, Frankreich

Gewalt gibt es auch von Seiten der malischen Truppen. Auf dem Foto misshandelt ein Soldat einen Mann, den er verdächtigt, ein Komplize islamistischer Kämpfer zu sein.

Nein, es sind nicht nur die Islamisten, die morden und die Menschrenrechte auf brutale Weise verletzen. Auch die Truppen Malis sollen auf ihrer von französischen Truppen unterstützten Rückeroberung Nordmalis in mehreren Orten Menschen hingerichtet haben, darunter Tuareg. Nach Informationen der Internationalen Vereinigung für Menschenrechte FIDH gab es solche Hinrichtungen in Sévaré, Mopti, Niono und anderen Ortschaften. Mindestens elf Menschen seien demnach in Sévaré getötet worden. Es gebe Berichte über 20 weitere Hinrichtungen in dem Gebiet, bei denen die Leichen anschließend hastig verbrannt worden seien.

Diese Berichte haben Frankreich nun tief beunruhigt, hatte der internationale Kampfeinsatz doch immer die gute Begründung, dass die Islamisten Menschenrechte verletzen würden. Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian sprach von einem "Risiko", ohne die Vorwürfe zu bestätigen. Er rief in französischen Medien die malischen Offiziere zu "extremer" Wachsamkeit auf: "Die Ehre steht auf dem Spiel." Nach Angaben der FIDH wurden die von den malischen Truppen Getöteten der Unterstützung der Islamisten verdächtigt oder waren im Besitz von Waffen. Einige hätten sich bei Kontrollen nicht ausweisen können oder hätten schlicht einer verdächtigen Volksgruppe wie den Tuareg angehört. Am 21. Januar sei ein Imam von malischen Soldaten verschleppt worden.

Frankreich und Deutschland besorgt

"Die Tuareg sind unsere Freunde", sagte Le Drian dazu. "Die Tuareg sind in Nordmali zu Hause. Wir müssen sie als Malier achten wie alle anderen."

Auch der deutsche Bundesaußenminister Guido Westerwelle zeigte sich besorgt. "Das sind schwerwiegende Vorwürfe, denen gründlich nachgegangen werden muss", sagte er. "Racheakte oder Gewalt malischer Soldaten gegen Zivilisten oder ethnische Minderheiten wären in keiner Weise akzeptabel. Das würde auch Bemühungen um politischen Ausgleich in Mali untergraben."

Der Einsatz der afrikanischen Mali-Truppe kommt derweil in Fahrt. Es seien bereits 1000 Soldaten der westafrikanischen Truppe in Mali, sagte Verteidigungsminister Le Drian. Soldaten aus Burkina Faso seien in der Stadt Markala eingetroffen. Die Europäische Union will voraussichtlich noch im Februar 200 bis 250 Militärausbilder nach Mali schicken, um die einheimische Armee zu schulen. Auch Deutschland will sich an dieser Mission beteiligen.

Frankreich hatte Mitte Januar in den Mali-Konflikt eingegriffen, um bei der Rückeroberung des im vergangenen Frühjahr durch Islamisten eroberten Nordens zu helfen. Die Franzosen haben laut Minister Le Diran die Aufgabe, den Afrikanern bei der Befreiung Malis von terroristischen Gruppen zu helfen. Dazu gehöre die Bombardierung von Befehlszentren, Munitionsdepots und Trainingslagern der Dschihadisten in den Städten Gao und Timbuktu, sagte der Verteidigungsminister. Die Rebellen vermischten sich mit der Bevölkerung, um den Einsatz der Luftwaffe zu erschweren. Sie seien sehr mobil, erfahren im Umgang mit modernen Waffen und zerstreuten sich, um keine Ziele zu bieten.

Die USA unterstützten Frankreichs Mali-Feldzug mit dem Einsatz von Aufklärungsdrohnen und Transporthilfen. "Wir haben mit den USA eine nützliche und wirksame Zusammenarbeit", sagte Le Drian. Es gehe dabei nicht um Kampfdrohnen, sondern um Aufklärung und Logistik. Auch etwa 160 Soldaten aus Burkina Faso der haben sich nun der Eingreiftruppe angeschlossen. Burkina Faso ist damit der erste westafrikanische Staat, der sich an dem Militäreinsatz gegen die Islamisten beteiligt.

Teil der Islamisten strebt friedliche Lösung an

Unterdessen hat sich die islamistische Gruppe im Norden Malis, Ansar Dine, aufgespalten. Die von abgespaltene neue Gruppe namens Islamische Bewegung von Azawad (MIA) kündigte an, eine friedliche Lösung in dem Konflikt anzustreben. Sie wolle sich "vollkommen von jeglicher terroristischen Gruppierung distanzieren", hieß es in einer Erklärung, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Sie sei entschlossen, "alle Formen von Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen".

Der Norden Malis ist derzeit unter Kontrolle mehrerer Extremisten- und Rebellengruppen. Die Tuareg-Gruppierung Ansar Dine wird von Iyag Ag Ghaly geführt, der bereits in den 1990er Jahren eine wichtige Rolle im Tuareg-Aufstand spielte, bevor er nach einem Friedensschluss als malischer Diplomat nach Saudi-Arabien entsandt wurde. Anfang Dezember traf sich die Gruppe zu Verhandlungen mit der Regierung, doch ein Anfang Januar geplantes weiteres Treffen sagte sie ab. Sie fordert Autonomie für den Norden und die Umsetzung des islamischen Rechts der Scharia.

pas/DPA/REUTERS
 
 
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