. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. April 2008, 09:29 Uhr

Experten warnen vor Hungerunruhen

Die steigenden Nahrungsmittelfpreise können nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds in vielen Entwicklungsländern zu schweren Hungerunruhen führen. Auf Haiti zeigt sich unterdessen, wie real die vom Währungsfond angesprochenen Gefahren schon sind.

Auf Haiti bewahrheiten sich die Befürchtungen des IWF schon jetzt: Hungerunruhen erschüttern den Inselstaat© Ariana Cubillos/AP

Die weltweit steigenden Nahrungsmittelpreise verschärfen nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds die Gefahr von Hungerkrisen in vielen Entwicklungsländern. "Hunderttausende Menschen werden darben und Kinder werden ihr Leben lang unter Mangelernährung leiden", sagte IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn beim Frühjahrstreffen der Weltfinanzorganisationen in Washington.

Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul rief in Washington zu einer Regulierung des weltweiten Marktes für Biokraftstoffe auf, damit deren Produktion die Nahrungsmittelpreise nicht weiter hochtreibe. "Es ist nicht zu akzeptieren, wenn der Export von Agrokraftstoffen die Versorgungslage gerade derjenigen Menschen bedroht, die ohnehin schon in Armut leben", erklärte Wieczorek-Zeul, die in Washington an den Beratungen der Weltbank teilnimmt. Die Welt brauche neue Regeln, um die Bewältigung des Klimawandels, eine sichere Versorgung mit Nahrungsmittel und soziale Entwicklung in Einklang zu bringen.

Scharfer Anstieg der Nahrungsmittelpreise

Der Interimsausschuss des Internationalen Währungsfonds (IWF) wies in einer Abschlusserklärung seiner Beratungen darauf hin, "dass eine Vielzahl von Entwicklungsländern, besonders die mit niedrigem Einkommen, mit einem scharfen Anstieg der Nahrungsmittel- und Energiepreise konfrontiert sind". Das Gremium rief den IWF zu einer engen Zusammenarbeit mit der Weltbank und anderen Organisationen auf, die Entwicklungsländer mit Krediten unterstützen.

Unterdessen dauern die gewaltsamen Proteste gegen steigende Nahrungsmittelpreise in Haiti weiter an. In der Hauptstadt Port-au-Prince wurde am Samstag ein nigerianischer Polizist der Vereinten Nationen erschossen, der Lebensmittel zu seiner Einheit bringen wollte. Andere UN-Polizisten setzten Tränengas ein und trieben die Menge mit Warnschüssen davon, um den Toten zu bergen. Der Zwischenfall ereignete sich auf einem Kleidermarkt in der Nähe der Kathedrale von Port-au-Prince. Die aufgebrachte Menge setzte mehrere Marktstände in Brand.

Fünf Tote bei Hungerunruhen

Wegen der angespannten Lage beschloss das haitianische Parlament am Samstag, Ministerpräsident Jacques Edouard Alexis zu entlassen. Präsident Réne Préval kündigte an, möglichst schnell einen Nachfolger zu berufen. Der Präsident stellte außerdem einen Plan vor, um die Preise für Reis zu senken. Er werde internationale Finanzhilfen dazu verwenden, den Reispreis zu subventionieren, sagte Préval. Bei den Hungerunruhen kamen in der vergangenen Woche fünf Menschen ums Leben. Seit Mitte vergangenen Jahres sind die Nahrungsmittelpreise weltweit um etwa 40 Prozent gestiegen. Haiti deckt nahezu den gesamten Nahrungsmittelbedarf auf dem Weltmarkt und ist deswegen besonders betroffen.

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 23)
 
ecomoc4u (14.04.2008, 00:01 Uhr)
Hispaniola
Wenn man Haiti mit Cuba vergleicht, direkt um die Ecke sozusagen, ist klar, in Cuba hungert keiner.
.Auch klar, in Kuba gibt es eine Regierung, in Haiti nur ein Piratennest.
.
Hispaniola wurde einfach in 2 Teile geteilt, DomRep und Haiti. Das haben die erwirkt, die mit "Teile und Herrsche" ihr Geld verdienen. Das hat in Kuba nicht funktioniert. Da konnte sich das Volk durchsetzen.
Nursery (13.04.2008, 15:12 Uhr)
Falsches Verständniss
Wenn hier einige Kommentatoren dem Bauerstand als Lobby hilfreich sein wollen dan bitte auch mit Sachverstand.Es gibt kein einzigen anderer Erwerbszweig in der EU der so massiv von Zuschüssen sich ernährt.Und dazu die Subventionen in die 3 Welt die der Landwirtschaft vor Ort den Garaus machen.Milchpulver z.B überschwemmt geradezu Afrika es wird zu Dumpingpreisen in den Markt gedrückt.Die Folgen sind erkennbar.Die 3. Welt auf Dauer an die Versorgungskette zu legen ohne Ausweg ist sehr kurz gedacht.Staatsdespoten die bis heute mit Krediten gefüttert werden und die Örtliche Bevölkerung ausrauben bleiben ohne Folgen.Natürlich müssen unsere Landwirte zu Handelspreisen produzieren wovon Ihr Betrieb auch existieren kann.Aber Landwirtschaftspolitik die ohne Rücksicht auf Folgen der verfehlten Industriepolitik Gewinne machen ist gerade zu zynisch. Die abgeschotteten Märkte in den Westlichen Geberländern sind ihre Klientelpflege wichtiger.Doch eines muß Klar sein die Folgen werden erheblich größer sein als die Profite für einige Wenige.Den schon jetzt zeichnet sich durch Klimaveränderung ein düsteres Bild für die Entwicklungsländer ab.Den Preis aber werden alle zahlen müssen.Ob die auf Dauer daß Spiel mitmachen sich von den Funktionären der Landwirtschaftslobby verarschen zu lassen muß man abwarten.
flashback02 (13.04.2008, 14:59 Uhr)
Juhuu, wir haben gewonnen!
Den kalten Krieg zwischen Kapitalismus und Sozialismus hat der Kapitalismus mit Pauken und Trompeten gewonnen. Aber wer oder was genau hat eigentlich dabei gewonnen?
Datenaktuell (13.04.2008, 14:14 Uhr)
Bauern sollen quasi umsonst arbeiten ...
Das ist leider die Einstellung vieler Menschen.
Da wird der Biosprit-Bauer zum Feindbild, weil er nicht zum Selbstkostenpreis seine Produkte abgibt.
Während der Durchschnittsmensch natürlich ein gutes Gehalt haben will und bei der Bank tüchtige Rendite für sein 'arbeitendes' geld haben will.
Aber 'bitte schön nicht bei der Nahrung' - muss edel topgünstig produziert werden.
Ebenso beklagen sich weltweite Funktionäre von Hilfsorganisationen, dass Lebensmittelpreise steigen und damit Bauern mehr Einkommen haben.
Da arbeitet aber auch keiner umsonst und erhält eher soviel Geld/ Monat, wie 10 Biospritbauern im ganzen Jahr.
Natürlich plündern die hohen Lebensmittelpreise die Spendenkassen und ergeben enorme Probleme bei Hilfsaktionen.
Aber der Sündenbock 'Biosprit' ist nur ein Verlegenheitssündenbock, der eigene Versäumnisse und absehbare Entwicklungen in Folge der Ölpreisexplosion kaschieren soll.
Wir stehen heute vor einem neuen landwirtschaftlichen Zeitalter, indem Bauern vielleicht mal soviel Geld verdienen werden wie Zahnärzte.
Für viele wohl ein Kulturschock der gewaltigen Art.
sophisticated (13.04.2008, 14:09 Uhr)
Es gibt viele Seiten des Problem,
auch die Überbevölkerung spielt da eine Rolle. Dennoch sehe ich das Hauptproblem in der ungerechten Verteilung von Ressourcen. NOCH wäre genug für alle da.....
Garnet (13.04.2008, 13:44 Uhr)
Da kann man sich drueber streiten
was der Grund fuer Hungersnoete sind. In der 3ten Welt ist es wohl auch der ungehinderte Bevoelkerungszuwachs, die nachhaltige Zerstoerung der Umwelt,die Korruption,die Ignoranz und der Unwille daran etwas zu aendern. Wenn etwas knapp wird, dann wir es teuer. Und wer es nicht bezahlen kann, der kann es nicht kaufen. Heute gibt es 6 Milliarden Menschen auf dem Planeten. Meere leer gefischt. Umwelt zerstoert. Das einzige das fuktioniert ist das Kinder kriegen. Der Landwirt moechte ein Produkt herstellen fuer welches er gut bezahlt wird. Ich denke das keiner in diesem Forum umsonst arbeiten geht. Das Problem ist nicht die Spekulation, der Kapitalismus oder die sonst ueblichen Boesewichte, sondern die Uebervoelkerung des Planeten.
Datenaktuell (13.04.2008, 13:35 Uhr)
Tot ohne Biosprit
Die Nahrungsmittelreise lagen früher noch deutlich über den Kosten für Energieträger.
Heute folgen sie den Energiepreisen, auch weil Energie für ihre Herstellung & Transport benötigt wird.
Lange wurde auf Ölpreise um $30 bis $50 gehofft - das ist vorbei und schlägt sich in den Kosten nieder.
Fatal besonders für ärmere Länder, da auch dies die Herstellungskosten erhöht und die Regierungen handlungsunfähig durch exlodierende Außenhandelsbilanzdefizite werden.
Das Zeitalter der preiswerten Öle und Lebensmittel ist für immer vorbei. Jetzt muss auf dieser Basis eine Loslösung von importierten Energieträgern und Einnahmen für Bauern geschaffen werden.
Es mah einige schocken wie brutal vieles abgeht (wie Haiti) und vor allem was uns beim absehbaren Staatsbankrott typ. Hungerstaaten noch erfolgt.
Aber die einzige Lösung dort ist Biosprit und dort es sehr schnell so erfolgen müssen, sonst sterben sehr viele Menschen.
Man kann das Rad der Teit nicht zurück drehen und angesichts der anstehenden menschlichen Tragödien ist mir Biosprit 1000-fach angenehmer als die schönsten Grabreden für Hungertote.
Es geht jetzt alles sehr schnell - zu schnell für Viele.
Aber Träume einer heilen Ökowelt sind angesichts der anstehenden Probleme fehl am Platz.
Der weltweite massive Ausbeu der Landwirtschaft für Nahrung und Biosprit ist das Thema der Zeit und gehört zügig umgesetzt.
sophisticated (13.04.2008, 13:21 Uhr)
Vergesst mal nicht die Spekulanten!
Nicht alle kaufen, weil sie wirklich Getreide haben wollen. Manchen genügt das Papier - und die Hoffnung auf weiter steigende Nachfrage und Preise. Anders als etwa bei Kakao oder Kaffee gibt es hier nicht einige wenige große Player, sondern "zigtausend Spekulanten". Als sich vor einigen Jahren der Kakaopreis binnen einem Jahr verdoppelt hatte, lag das zum einen am Krieg in der Elfenbeinküste, aber auch an einem britischen Handelshaus, das rund 5 Prozent der Kakaoweltproduktion aufgekauft und damit für eine künstliche Verknappung gesorgt hatte.
Das ist bei Getreide nicht der Fall. Fondsgesellschaften mischen auf dem lukrativen Markt mit dem Grundnahrungsmittel aber ebenfalls mit. Und auch die Bauern selbst werden zu "Spekulanten", etwa wenn sie "Absicherungsgeschäfte" tätigen und ihre Ware auf dem Papier an der Börse veräußern, statt sie dem Müller zu verkaufen, der ihnen im Moment weniger bietet.
mupfeline (13.04.2008, 13:20 Uhr)
@Datenaktuell
In D wachsen inzwischen auf etwa 20 Prozent der Anbaufläche Pflanzen für den Biosprit. Die Besteuerung des Biosprits hingegen klettert ebenfalls immer höher - also ist die Sonderrolle des Biosprits praktisch beendet wurden. Die Lebensmittelpreise hingegen steigen auch in D. Sie steigen und steigen und die Schlagen vor den Tafeln werden auch in Deutschland immer länger. Biosprit hingegen fördert Monokulturen, das Sterben von Tieren und Pflanzen auf Grund der ständig steigenden Monokulturenbewirtschaftung. Und das alles für eine Ideologie die sich schon jetzt selbst überlebt hat. Was für ein Wahnsinn. Können die Menschen vielleicht den Biosprit essen? Vom Biosprit wird niemand satt. Nicht in den Entwicklungsländern und auch hier in den Industriestaaten nicht.
Datenaktuell (13.04.2008, 13:15 Uhr)
Kein Biosprit = Wahnsinn !
Wir werden bald Bauern im TV sehen können, die ihre Felder wg. nicht mehr bezahlbaren Preisen für Diesel, Dünger und Saatgut nicht mehr bebauen können.
Und daneben sterben die Hungernden.
Der hohe Ölpreis würgt diese Gesellschaften und landestyp. Korruption wird die letzten Resourchen noch an sich ziehen wollen.
Biosprit hingegen schafft Einnahmen für die Landwirte und auch Unabhängigkeit von Energieimporten.
Die Landwirte bleiben handlungsfähig und ihre steiegenden Einnahmen schaffen Möglichkeiten für Arbeitsplätze, was natürlich den Hunger verhindert.
Sicherlich sind die trägen Hilfsorganisationen mit behäbigen Geschäftsführene (s. UNICEF-Deutschland) hier überfordert, ebenso deren Interessenvertreter.
Es wird Zeit, dass diese Länder proffesionell aus ihrer Krise geführt werden.
MEHR ZUM ARTIKEL
Studien Biosprit heizt Klimawandel an

Kraftstoff aus Pflanzen - das klang erst nach der grünen Alternative für fossile Brennstoffe. Doch die Bilanz für Biosprit ist mies, wie gleich drei aktuelle Studien zeigen: Durch den Biotreibstoff landen mehr Treibhausgase in der Atmosphäre. Und die Nahrungsmittelpreise steigen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe