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Als Donald Rumsfeld in Bagdad ein und aus ging

Der Prozess gegen Saddam Hussein wird Fragen aufwerfen. Etwa die, ob Washington Bagdad bei Giftgasangriffen gegen Teheran unterstützt hat. Im Mittelpunkt dürfte der damalige US-Sondergesandte stehen.

Der bevorstehende Prozess gegen Saddam Hussein wird nicht nur dessen irakische Verbündete nervös machen. Notgedrungen werden auch Fragen darüber auftauchen, ob die USA den Exdiktator im Iran-Krieg unterstützten. Bis heute hält sich zudem der Verdacht, Washington habe das Bagdader Regime - wenn überhaupt - nur halbherzig von Giftgasangriffen abzuhalten versucht. Im Mittelpunkt dürfte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld stehen. Der traf 1983 und 1984 als Sondergesandter von Präsident Ronald Reagan mehrmals in Bagdad mit Saddam Hussein zusammen.

Fest steht, dass der im vergangenen Dezember aus einem Erdloch geholte Expräsident und seine früheren Mitarbeiter zu ihrer Verteidigung etwaige Geschäfte mit der US-Regierung vorbringen werden. Derzeit bereitet der irakische Verwaltungsrat ein Tribunal vor, internationale Justizexperten fordern dagegen einen UN-Gerichtshof, der die Causa Saddam Hussein aufarbeiten soll.

"Extrem peinlicher" Prozess für die US-Regierung

"Kaum ein ranghoher Iraker wird sagen: 'Hey, die USA haben unser Programm für Massenvernichtungswaffen tatkräftig unterstützt'", schätzt Richard Murphy, in den 80er Jahren Chef der Nahost-Abteilung im Außenministerium. Dagegen glaubt Thomas Blanton, Direktor der Nationalen Sicherheitsarchive für Außenpolitik, der Prozess werde für die US-Regierung "extrem peinlich". Für andere Staaten mit noch engeren Beziehungen zu Irak, allen voran Frankreich, könne der Prozess gleichwohl noch unangenehmer werden.

Infolge des 11. Septembers 2001 erklärte US-Präsident Georg W. Bush Saddam Husseins angebliches Streben nach ABC-Waffen, seine angebliche Unterstützung internationaler Terroristen sowie seine unbestreitbaren Menschenrechtsverletzungen zu Kriegsgründen. In den 80er Jahren hatte Washington andere Sorgen. Alarmiert durch das Geiseldrama in der US-Botschaft in Teheran fürchtete die US-Regierung, Iran könne sich nicht nur Irak, sondern weitere Staaten einverleiben, um ein strikt islamisches Großarabien zu errichten.

Aus Sicht Washingtons das geringere Übel

Auch wenn Saddam Hussein den Krieg gegen Iran selbst begann und sich längst als rücksichtsloser Diktator gezeigt hatte, war er aus Sicht Washingtons das geringere Übel. Irak war ein säkularer Staat mit starkem Einfluss in der arabischen Welt, verfügte über gigantische Ölreserven und sollte nicht unter den Einfluss der Sowjetunion geraten.

Zurzeit von Rumsfelds erster Bagdad-Visite wussten die US-Geheimdienste, dass Saddam in Iran Chemiewaffen einsetzte. Die bislang zugänglichen Dokumente legen nahe, dass der heutige Pentagonchef das Thema dennoch nicht erwähnte. Ein Jahr später kehrte Rumsfeld an den Tigris zurück. In der Zwischenzeit hatte Washington Iraks Einsatz von Giftgas offiziell verurteilt. Rumsfelds Mission war es jedoch, Irak die Unterstützung der USA gegen Iran zu versichern.

Während des Krieges versuchte die Reagan-Regierung alles, um andere Staaten an Waffenlieferungen nach Teheran zu hindern. Schiffe nach Irak wurden dagegen nicht aufgehalten. Ein früherer Mitarbeiter im Nationalen Sicherheitsrat, Howard Teicher, erklärte 1995 unter Eid, der US-Geheimdienst CIA habe Waffenlieferungen anderer Staaten an Irak sogar arrangiert.

Nutzte Saddam bei Giftgasangriffen US-Informationen?

War amerikanischen Firmen die Lieferung von Waffen an Irak untersagt, erlaubte die Reagan-Regierung doch den Export von Produkten und Gerät "von zivilem oder militärischem Nutzen"; also Pestizide und Hubschrauber. Zudem bleibt der Verdacht, die USA hätten Saddam Hussein bei dessen Biowaffenprogramm "versehentlich" unterstützt: In den 80er Jahren, so wird in Washington eingeräumt, lieferten Regierung und Privatfirmen Bakterienstämme nach Bagdad, die etwa zur Herstellung von Milzbranderregern eingesetzt werden konnten.

Ein weiteres sensibles Thema ist die Zusammenarbeit amerikanischer und irakischer Geheimdienste während des Iran-Krieges. Unklar ist nur noch, welche Informationen die US-Agenten Saddam Hussein bereitstellten. Nach der Erklärung Teichers ging es um strategische Ratschläge. So habe der damalige Vizepräsident Georg Bush Saddam Hussein aufgefordert, die Bombardierung Irans auszuweiten. Die heikelste offene Frage lautet: Hat Saddam Hussein US-Aufklärung für Giftgasangriffe gegen Iran genutzt? Von offizieller Seite wird dies scharf dementiert.

Ken Guggenheim/AP/AP/DPA
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