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24. Februar 2006, 10:40 Uhr

Ausgangssperre soll Gewalt eindämmen

Die irakische Übergangsregierung hat nach der jüngsten Eskalation der Gewalt eine Ausgangssperre für Bagdad und drei weitere Provinzen verhängt. Die größeren Straßen sind seitdem nahezu menschenleer.

Ein irakischer Soldat steht Wache nach einem Bombenanschlag auf einen Markt in Bakuba, bei dem zwölf Menschen ums Leben kamen© Ali Hussein/DPA

Mit einer verlängerten Ausgangssperre will die irakische Regierung die ausufernde Gewalt eindämmen. Nach US-Medienangaben gilt die außergewöhnliche Maßnahme in Bagdad und den Provinzen Dijala, Babil und Salahaddin von Donnerstagabend bis Freitag 16.00 Uhr (Ortszeit). Damit sollen auch die Gläubigen an der Teilnahme an den Freitagsgebeten in den Moscheen gehindert werden. Für Soldaten und Polizisten sei zudem eine Urlaubssperre verhängt worden. Der Anschlag auf eines der wichtigsten Heiligtümer der Schiiten am Mittwoch in Samarra in der Provinz Salahaddin hatte die Welle der Gewalt ausgelöst.

Landesweit wurden mehr als 100 erschossene Zivilisten gefunden, die vermutlich Opfer von Vergeltungsaktionen waren. Zahlreiche sunnitische Moscheen gingen in Flammen auf. Angesichts der eskalierenden Gewalt zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und den Sunniten warnte Übergangspräsident Dschalal Talabani, ein Kurde, vor dem Ausbruch eines Bürgerkriegs. "Wir müssen jetzt alle zusammenstehen, um einen Bürgerkrieg abzuwenden", mahnte er.

Erneut tote US-Soldaten

Wie das US-Militär am Donnerstag bestätigte, kamen bei Bombenanschlägen auf US-Streifen am Vortag im Irak sieben Soldaten ums Leben. Vier GIs wurden bei Howeidscha, 50 Kilometer westlich von Kirkuk, von einem Sprengsatz getötet, drei bei Balad, 60 Kilometer nördlich von Bagdad.

Aus Protest gegen die Brandanschläge auf Sunniten-Moscheen setzte die Irakische Konsensfront, das stärkste sunnitische Parteienbündnis im Irak, ihre Beteiligung an den Gesprächen zur Bildung einer neuen Regierung der nationalen Einheit aus. Das Bündnis werde den Gesprächen fernbleiben, so lange die Gewalt gegen sunnitische Moscheen nicht untersucht werde, sagte der Vorsitzende der zur Konsensfront gehörigen Irakischen Islam-Partei (IIP), Tarik al Haschemi, in Bagdad.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

Allein in Nahrwan, 40 Kilometer östlich von Bagdad, stießen die Behörden auf 62 durch zahlreiche Schüsse getötete Zivilisten. Sie waren möglicherweise Opfer eines sunnitischen Vergeltungsschlages. Unter den mehr als 100 Toten waren auch drei Journalisten des arabischen Fernsehsenders al Arabija, deren Leichen bei Samarra, 125 Kilometer nördlich von Bagdad, gefunden wurden.

Die Gewalt eskalierte, nachdem Extremisten am Mittwoch die Kuppel der Goldenen Moschee in Samarra in die Luft gesprengt hatten. Im ganzen Irak löste dies wütende Schiiten-Proteste aus, bei denen Rufe nach Rache laut wurden. Die Demonstrationen schlugen zunehmend in Gewalt gegen Sunniten und möglicherweise auch wiederum in Gegengewalt gegen Schiiten um. Bereits vor dem Fund in Nahrwan waren landesweit mehr als 50 erschossene Zivilisten gefunden worden.

Hinrichtungen und Bombenanschläge

Im südirakischen Basra wurden am Mittwochabend zwölf zumeist aus Ägypten stammende Gefangene aus einer Haftanstalt geholt und erschossen. Den landesweiten Ausschreitungen fielen auch mindestens vier sunnitische Geistliche zum Opfer.

Bei einem Anschlag auf einem Markt in Bakuba, 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad, starben am Donnerstag mindestens zwölf Menschen, darunter ein hochrangiger irakischer Armeeoffizier. Die Bombe war in einem Handkarren versteckt gewesen.

DPA
 
 
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