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20. März 2006, 14:04 Uhr

Drei Jahre Elend

Es sollte ein demokratischer Musterstaat im Nahen Osten werden - doch drei Jahre nach der US-Invasion versinkt der Irak in Gewalt und Anarchie. Die Amerikaner wollen sich nun angeblich langsam zurückziehen.

Bei mehreren Bombenanschlägen in Bagdad starben mindestens sieben Polizisten© Muhannad Fala’ah /Getty Images

Explodierende Straßenbomben haben in und um Bagdad wieder mindestens sieben Sicherheitskräfte in den Tod gerissen. In der irakischen Hauptstadt wurden auch erneut zehn von Kugeln durchsiebte Leichen gefunden, darunter ein 13-jähriges Mädchen. Die Behörden gingen davon aus, dass es sich um die jüngsten Opfer der eskalierenden Gewalt zwischen schiitischen und sunnitischen Extremisten handelte.

Regierung der nationalen Einheit

Auf den Straßen in Bagdad wurde zum dritten Jahrestag des Kriegsbeginns scharfe Kritik an den USA laut. "Seit sie in den Irak kamen, haben wir nichts bekommen", sagte der Iraker Ali Seidan. "Drei Jahre sind für das irakische Volk ins Land gegangen und es leidet immer noch psychisch und wirtschaftlich." Der britische Außenminister Jack Straw rief die politischen Kräfte im Irak zur nationalen Einheit auf. Es sei jetzt wichtig, "dass die politischen Führer zusammenkommen und eine Regierung der nationalen Einheit bilden", sagte Straw am Rande eines Treffens der EU-Außenminister in Brüssel. Straw räumte ein, dass die Sicherheitslage in dem Land nach wie vor ernst sei. "Und es haben mehr Menschen ihr Leben verloren als vor drei Jahren erwartet." Andererseits habe das Land bereits zwei Wahlen erfolgreich gemeistert und eine Verfassung verabschiedet.

Nach Einschätzung von US-Generalstabschef Peter Pace könnten die irakischen Streitkräfte bis zum Jahresende die Kontrolle über die instabilen Regionen des Landes übernehmen. Bis dahin seien alle notwendigen Einheiten rekrutiert, und die USA hätten einen Großteil der Soldaten ausgebildet, sagte Pace während eines Flugs nach Pakistan. Allerdings würden die Iraker noch auf technische und logistische Unterstützung angewiesen sein. Der zweithöchste US-Befehlshaber im Irak, Generalleutnant Peter Chiarelli, hatte in der vergangenen Woche angekündigt, die irakischen Sicherheitskräfte sollten bis zum Ende des Sommers 75 Prozent des Landes kontrollieren.

200 Aktivisten in N.Y.

Zehntausende Demonstranten in aller Welt forderten zum Jahrestag des Kriegsbeginns den Abzug der internationalen Truppen aus dem Irak. In New York zogen 200 Friedensaktivisten die Fifth Avenue hinunter und hielten auf dem Times Square eine Mahnwache. 17 Demonstranten wurden wegen ungebührlichen Verhaltens festgenommen. Sie hatten nach Angaben der Organisatoren der Demonstration versucht, vor einem Rekrutierungsbüro der US-Truppen mehrere in Leichentüchern gewickelte Objekte abzulegen.

Der Internationale Flughafen von Bagdad wurde aus Sicherheitsgründen für zwei Tage geschlossen. Das Verkehrsministerium erklärte, die Schließung erfolge mit Blick auf das schiitische Aschura-Fest. Das Fest markiert den Abschluss einer alljährlichen 40-tägigen Trauerphase für den Enkel des Propheten Mohammed, Imam Hussein, der im Jahre 680 in Nadschaf getötet wurde. In den vergangenen Jahren kam es bei den Aschura-Feierlichkeiten mehrfach zu blutigen Anschlägen mit zahlreichen Toten.

AP
 
 
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