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24. Juni 2005, 08:42 Uhr

"Gewalt wird kein Ende nehmen"

Die Kritik von US-Senatoren und Militärs an der US-Strategie im Irak wird lauter. Sie werfen der Regierung Schönfärberei vor. Das bestreitet Vize-Präsident Dick Cheney zwar, schloss aber nicht aus, dass die Gewalt im Irak weiter zunehmen werde.

Rumsfeld hält einen schnellen US-Abzug aus dem Irak für einen Fehler© Dennis Cook/AP

Mit dem erfolgreichen Aufbau eines demokratischen Systems im Irak wird nach den Worten von US-Vizepräsident Dick Cheney die Gewalt in den nächsten Monaten noch anhalten oder gar zunehmen. "Ich glaube, die nächsten Monaten werden noch schwierig werden", sagte Cheney am Donnerstag im Fernsehsender CNN. "Ich glaube, es wird noch viel Gewalt und Blutvergießen geben, denn ich denke, die Terroristen werden alles tun, was sie können, um diesen Prozess aufzuhalten."

Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte zuvor Vorwürfe zurückgewiesen, der Irak-Krieg sei für die USA festgefahren. Zugleich bezeichnete er zuletzt erhobene Forderungen nach einem Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat als Fehler.

In einer Anhörung vor dem Streitkräfte-Komitee des US-Senats warfen ihm einzelne Senatoren vor, ein Ende des Krieges im Irak sei nicht in Sicht, und die US-Regierung verheimliche diese Tatsache vor dem amerikanischen Volk. Ein hochrangiger Kommandeur der US-Truppen für den Nahen Osten erklärte, entgegen den Regierungsberichten verschärfe sich der Kampf der Rebellen im Irak sogar. Rumsfeld zufolge ist eine Verbesserung der Lage im Irak nur möglich, wenn die politischen Reformen in dem Land weiter vorangetrieben werden. Sollten die US-Truppen den Golfstaat verlassen, bevor die irakischen Sicherheitskräfte die Situation unter Kontrolle hätten, würden die Rebellen nur gestärkt, fügte er hinzu. Nach jüngsten Umfragen hat die Zustimmung der US-Bevölkerung zu dem Krieg deutlich abgenommen.

Krieg völlig unkoordiniert geführt worden

Der Irak-Krieg sei kontinuierlich völlig unkoordiniert geführt worden, kritisierte Edward Kennedy, demokratischer Senator aus Massachusetts. "Nun befinden wir uns anscheinend in einem Sumpf, aus dem nur schwer zu entkommen ist." Unterstützung bekam er von US-General John Abizaid, der erklärte, derzeit kämen mehr ausländische Rebellen in den Irak als noch vor sechs Monaten. "Ich denke, Sie haben Verständnis dafür, dass ich den US-Vizepräsidenten kritisiere", fügte er mit Blick auf die gegenteiligen Äußerungen von Dick Cheney hinzu.

Rumsfeld wies die heftigen Angriffe zurück. Niemand bezweifele, dass die Lage im Irak schwierig sei. "Allerdings ist die Unterstellung, dass Leute - ich oder irgendwer - ein rosiges Bild zeichnen, falsch." Das Land mache große Fortschritte mit seinen politischen Reformen. Die nächsten Schritte, etwa die Ausarbeitung einer Verfassung, dürften aber nicht verzögert werden. Der Abzug der US-Truppen sei derzeit undenkbar, fügte er hinzu. Wer gegenwärtig einen Zeitplan dafür fordere, der werfe den "Terroristen" einen Rettungsring zu. In den vergangenen Monaten hätten die Aufständischen in der irakischen Bevölkerung immer weniger Unterstützung erfahren. Das könnte sich schnell ändern, sollte ein Sicherheitsvakuum entstehen.

Reuters
 
 
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