Angesichts der Kluft im Weltsicherheitsrat sehen die USA von der angestrebten Abstimmung über eine neue Irak-Resolution zunächst ab.

Unüberbrückbare Differenzen im UN-Sicherheitsrat© AP
Angesicht der starren Fronten im Weltsicherheitsrat sehen die USA zunächst von der für Freitag angestrebten Abstimmung über eine neue Irak-Resolution ab. Der amerikanische UN-Botschafter John Negroponte verzichtete auf einen entsprechenden Abstimmungsantrag für Freitag. Unterdessen konnte auch ein neuer Kompromissvorschlag der bislang unentschiedenen Sicherheitsratsmitglieder die Kluft in dem Gremium nicht überbrücken.
Mexiko, Chile und Pakistan erklärten nach Angaben von Diplomaten, sie könnten den von den USA und Großbritannien eingebrachten Resolutionsentwurf in seiner derzeitigen Form nicht mittragen, seien aber weiter zu Verhandlungen bereit. Mit den drei afrikanischen Mitgliedern Angola, Kamerun und Guinea bemühten sie sich um einen Kompromiss. Sie schlugen nach Angaben aus Diplomatenkreisen eine Liste von Forderungen an den irakischen Staatschef Saddam Hussein und einen weiter gefassten Zeitrahmen vor. Nach Ablauf der Frist solle dann der Sicherheitsrat entscheiden, ob Irak die Auflagen erfüllt habe. Den am Vortag vorgelegten britischen Entwaffnungskatalog, wonach Irak sechs konkretisierte Forderungen erfüllen müsste, lehnten sie ab.
Zuvor hatte sich US-Präsident George W. Bush zu einer Verschiebung der ursprünglich noch für Ende der Woche geplanten Abstimmung über die Resolution bereit erklärt. Sein Außenminister Colin Powell sprach auch von der Möglichkeit, ganz auf eine Abstimmung zu verzichten.
In Washington war am Donnerstag außerdem ein Krisengipfel Bushs mit dem britischen Premierminister Tony Blair und dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar im Gespräch. Bei dem möglichen Treffen am Wochenende könnten die Verbündeten letzte diplomatische und militärische Strategien absprechen, erklärten ranghohe US-Regierungsvertreter.
In Vorbereitung eines Irak-Kriegs verlegen die USA etwa zehn Kriegsschiffe aus dem Mittelmeer ins Rote Meer, wie am Donnerstag in Washington bekannt wurde. Die mit "Tomahawk"-Raketen ausgestatteten Kreuzer, Zerstörer und U-Boote, die den Verbänden der Flugzeugträger "USS Harry S. Truman" und "USS Theodore Roosevelt" angehören, könnten bereits zu Beginn eines Militärschlags zum Einsatz kommen.
Die satellitengesteuerten "Tomahawks" könnten über Saudi-Arabien hinweg auf Ziele in Irak gefeuert werden. Eine Verlegung der Flugzeugträger sei noch nicht geplant, könne aber als nächster Schritt erfolgen, hieß es. Die Entscheidung deutet auf eine schwindende Zuversicht der USA hin, doch noch umfassende Überflugrechte für Flugzeuge und Raketen über die Türkei zu erhalten.
Die USA begannen nach Angaben der Luftwaffe weiter damit, so genannte Tarnkappenbomber vom Typ B-2 näher an Irak zu stationieren. Die für das Radar unsichtbaren Maschinen sollen auf dem englischen Luftwaffenstützpunkt Fairfield und der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean stationiert werden. Etwa 200 Techniker und Mechaniker reisten bereits in der vergangenen Woche voraus.