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19. Dezember 2005, 07:07 Uhr

Susanne Osthoff ist frei

Wie Außenminister Frank Steinmeier bestätigte, ist die vor drei Wochen im Irak entführte Deutsche Susanne Osthoff von ihren Entführeren freigelassen worden. Nach stern-Informationen wurde möglicherweise ein erhebliches Lösegeld gezahlt.

Endlich frei: Susanne Osthoff© Peter Hinz/AFP

Die im Irak entführte Susanne Osthoff ist frei. Das bestätigte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Sonntagabend in Berlin. Sie sei in guter körperlicher Verfassung und befinde sich "in sicherer Obhut in der Botschaft in Bagdad". Die Entführer hätten angekündigt, auch Osthoffs Fahrer Chalid al Schmani freizulassen. Weitere Einzelheiten nannte Steinmeier nicht.

Nach stern-Informationen liefen die Verhandlungen mit den Entführern bereits seit über einer Woche. Vermutlich wurde ein erhebliches Lösegeld bezahlt, was der Krisenstab des Auswärtigen Amtes jedoch dementiert. Man werde sich zu Details nicht äußern, sagte der AA-Sprecher am frühen Montagmorgen. Dies sei bereits früher bei ähnlichen Fällen so gewesen und werde auch diesmal so sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte mehrfach betont, Deutschland werde sich nicht erpressen lassen. Die Freilassung Osthoffs verzögerte sich aufgrund der Wahlen: Seit Dienstag standen auf allen Überlandstrassen Kontrollposten und es war extrem schwierig, die Geisel nach Bagdad zu transportieren.

In den Medien war darüber spekuliert worden, dass die Entführer ihr Opfer zunächst für einen Spionin gehalten hätten. Auch hieß es, die militante islamische Gruppierung "Armee der Mudschaheddin" habe Susanne Osthoff in ihrer Gewalt. Die Organisation dementierte dies jedoch am Sonntag.

"Ich freue mich total"

Osthoffs Familie reagierte mit großer Erleichterung auf die Freilassung. "Ich freue mich total, aber es ist fast unwirklich", sagte ihre Schwester Anja in den ARD-Tagesthemen, "Ich brauch' bestimmt noch drei Tage, bis ich das versteh'". Der Bruder der 43-Jährigen, Robert Osthoff, sagte, er wisse nicht, wann seine Schwester nach Deutschland ausgeflogen werde. "Wir zünden jetzt Kerzen an, wir beten, und dann wollen wir vielleicht endlich wieder unsere Ruhe haben. Ich bin froh, ich bin glücklich, das kann ich nur sagen." Er betonte, seine Schwester Anja und seine Mutter hätten sich jetzt erst einmal eine Auszeit genommen.

Die Mahnwachen für die Entführten hatten Erfolg© Michael Kappeler/DDP

Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lobte die Bundesregierung für ihr Krisenmanagement: "Die Bundesregierung hat mit Umsicht und großem Geschick gehandelt." Die FDP danke dem Krisenstab des Auswärtigen Amts für seinen Einsatz. Auch die bayerische Sozialministerin Christa Stewens zeigte sich erleichtert. Sie wünsche der Frau ein schönes Weihnachtsfest im Kreis der Familie und mit ihrer kleine Tochter, sagte die CSU-Politikerin. Zahlreiche Prominente aus Politik, Medien, Kirche und Verbänden hatten in den vergangenen Wochen immer wieder in Plakataktionen, Fernsehspots und auf Kundgebungen die Freilassung der Archäologin gefordert.

Zentralrat der Muslime erleichtert

Auch der Zentralrat der Muslime begrüßte die Entwicklung. "Möge Gott unser Land, die deutsche Bevölkerung und die gesamte Welt vor ähnlichen verbrecherischen Handlungen in Zukunft bewahren", sagte der Vorsitzende Nadeem Elyas. Er hatte sich den Entführern sogar zum Austausch für Osthoff angeboten.

Hilfleistungen organisiert

Die 43-jährige Archäologin war am 25. November mit ihrem Fahrer im Irak verschleppt worden. Zuvor hatte sie jahrelang Hilfsleistungen für die Krisenregion organisiert. Auch ihrer Ehe mit einem Iraker hat Susanne Osthoff eine zwölfjährige Tochter, die in Deutschland lebt.

Politiker, Medienschaffende und eine Reihe von islamischen Institutionen hatten sich für Osthoffs Freilassung eingesetzt. Die Familie hatte mehrmals eindringliche Video-Appelle an die Entführer gerichtet, die im arabischen Fernsehen ausgestrahlt wurden. Steinmeier erinnerte ebenso wie die Familie Osthoffs an all die weiteren Menschen, die derzeit noch in der Gewalt von Entführern im Irak sind. Derzeit werden nach wie vor mindestens neun westliche Geiseln von Entführern festgehalten.

Christoph Reuter/stern/DPA/lk
 
 
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