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11. Februar 2010, 10:51 Uhr

Ahmadinedschad feiert atomare Revolution

Der 31. Jahrestag der Islamischen Revolution hat es in sich: Während Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad einen Durchbruch im Atomprogramm seines Landes verkündet, braut sich auf den Straßen Gewaltsames zusammen.

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Im Zentrum Teherans feiern unzählige Iraner den Jahrestag der Revolution© Irib/AP

Der 31. Jahrestag der Islamischen Revolution - könnte es für den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad einen besseren Anlass geben, sein Land zum Atomstaat zu erklären? Er war am Donnerstag Hauptredner der Feierlichkeiten in Teheran und verkündete unter dem Jubel zehntausender Anhänger: "Hiermit erkläre ich, dass es uns gelungen ist, in Natans die erste Charge von auf 20 Prozent angereichertem Uran herzustellen. Diese haben wir an unsere Wissenschaftler weitergegeben." Über die Menge des 20-prozentigen Urans äußerte sich Ahmadinedschad nicht.

Der Iran habe sogar die technischen Möglichkeiten zur Anreicherung auf mehr als 80 Prozent - was unter Umständen für eine Atombombe reichen würde. Da sein Land diesen Anreicherungsgrad aber nicht benötige, werde dies auch nicht gemacht, sagte der Präsident. Der Brennstoff solle für einen Forschungsreaktor verwendet werden und nicht für Kernwaffen. Ahmadinedschads Botschaft an den Westen: "Wenn wir eine Bombe herstellen wollen, werden wir das mitteilen."

Unglaubwürdig sind Ahmadinedschads vollmundige Äußerungen nicht. Der Physiker Wolfgang Liebert von der Technischen Universität Darmstadt hält die schnelle Anreicherung auf 20 Prozent Uran-235 für technisch denkbar. "Wahrscheinlich geht es jetzt erstmal um sehr kleine Mengen", sagte Liebert der Deutschen Presse-Agentur (DPA). "Der Iran hat ja Zentrifugen im Betrieb, und wenn man die geschickt zusammenschaltet, dann kann man durchaus in einem Schritt von schwach angereichertem auf 20-prozentiges Uran kommen."

Verbot der Farbe Grün

Während der Präsident den "Atomstaat Iran" feierte, dürfte es vor den Türen wieder einmal krachen. Der Jahrestag der Revolution von Ayatollah Khomeini ist einer der wichtigsten Feiertage des Landes. Hunderttausende haben sich dazu in Teheran versammelt. Die Opposition will die Feierlichkeiten nutzen, um ihren Unmut gegen das Regime kundzutun. Auf vom staatlichen Fernsehen übertragenen Bildern war am Donnerstag zu sehen, wie die Menschen aus allen Himmelsrichtungen auf den Friedensplatz im Zentrum der Hauptstadt strömten.

Die Regierung ergreift außerordentliche Mittel, um den Protest zu unterdrücken: beispielsweise das Verbot der Farbe Grün. Grün ist die Farbe des Islam und im Iran die Farbe der Opposition. Seit der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad im vergangenen Sommer ist Grün allgegenwärtig - für die Regierung offenbar zu allgegenwärtig, glaubt man denen Berichten aus dem Land. Am heutigen Jahrestag gelte das Tragen von grünen Tüchern als "Zeichen feindlicher Subversion", berichten Internetseiten der Opposition - und sei deshalb verboten worden. Das staatliche Fernsehen habe sogar Farbfilter eingesetzt, um Grün von den TV-Bildern der offiziellen Feierlichkeiten verschwinden zu lassen.

Markige Parolen

Auch sonst ließ das Regime nichts unversucht: Die Menge auf den Straßen Teherans skandierte Parolen, in denen sie ihre Ergebenheit gegenüber dem geistlichen Oberhaupt Irans, Ayatollah Ali Chamenei, zum Ausdruck brachte. Teilnehmer des Festzuges zum Jahrestag schwenkten iranische Flaggen und hielten wenig festliche Banner hoch, auf denen "Tod Israel" und "Tod den USA" geschrieben waren. Die iranischen Behörden hatten Kundgebungen der Opposition untersagt. Ungeachtet des Verbots versammelten sich nach Angaben oppositioneller Internetseiten tausende Regimegegner auf den Straßen Teherans. Der US-Sender CNN berichtet, dass größere Zusammenstöße zwischen den Sicherheitskräften und Regimegegner bislang ausgeblieben seien. Anderen Berichten zufolge aber schießt die Polizei auf Regimegegner - teilweise auch mit Farbpartronen, um sie zu markieren.

Zudem heißt es, dass der Bruder des ehemaligen Parlamentspräsidenten Mohammad Chatami, Mohammad Reza Chatami, zusammen mit seiner Frau Zahra Eshraghi, der Enkelin des Staatsgründers Ajatollah Komeini, verhaftet worden sei. Beide sollen allerdings wieder freigelassen worden sein. Auch der Sohn des Oppositionsführers Mehdi Karroubi, Ali Karroubi, wurde demnach in Polizeigewahrsam genommen, Wie "Jaras", ein regimekritisches Nachrichtenmagazin, berichtet, soll zudem das Auto des Ex-Präsidenten Mohammad Chatami demoliert worden sein. Sicherheitskräfte hätten den Wagen mit Schlagstöcken und Tränengas angegriffen, heißt es. Chatami habe daraufhin beschlossen, von der Kundgebung fernzubleiben.

Berichte über Sperre von G-Mail

Offiziell bestätigt sind diese Berichte nicht, denn der Iran hat sich weitgehend von der Öffentlichkeit abgeschottet. Ausländische Journalisten mussten das Land größtenteils verlassen, Aufnahmen und Beiträge von oder über Großkundgebungen sind untersagt. Das Internet war für die Regimegegner bislang das einzige Tor zur Außenwelt, doch die Regierung ist tatkräftig bemüht, auch diesen Kommunikationsweg zu schließen. Mitte Januar etwa wurde untersagt, SMS und E-Mail während Protestveranstaltungen zu versenden. Nun soll Medienberichten zufolge auch der Zugang zu Googles E-Mail-Dienst G-Mail gesperrt worden sein, einem der beliebtesten Angebote im Iran.

Das "Wall Street Journal" berichtet, die iranischen Behörden hätten das E-Mail-Programm im Vorfeld der Revolutionsfeierlichkeiten gestört. Der Betreiber selbst berichtet über Zugangsschwierigkeiten zu seinem Dienst. "Wir haben von Internetnutzern im Iran gehört, dass sie Schwierigkeiten beim Zugang zur G-Mail haben", teilte das Unternehmen mit. Der Datenverkehr habe stark abgenommen, die Google-Netzwerke aber funktionierten weiterhin, wie es in einer per Mail verschickten Erklärung heißt.

Kräftemessen seit dem Juni

Das Kräftemessen zwischen der Teheraner Führung und der Opposition hält bereits seit der umstrittenen Wiederwahl von Ahmadinedschad im vergangenen Juni an. Zuletzt waren bei Protesten am Rande des schiitischen Aschura-Festes am 27. Dezember acht Menschen getötet und rund tausend festgenommen worden.

1979 wurde die Regierung des Schahs von Persien gestürzt. Khomeini kehrte Anfang Februar des Jahres aus dem Exil in Paris zurück, am 11. Februar brach die bis dahin geltende Ordnung vollständig zusammen.

Niels Kruse mit Agenturen
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
facility (11.02.2010, 23:14 Uhr)
Nicht von Kommentaren verblenden lassen...
Liebe Mitkommentatoren,
"Heutige Verbreitung des Persischen im Nahen Osten. Aus der Karte wird deutlich, dass zum einen nicht alle Bewohner Irans persischer Muttersprache sind und dass zum anderen ein Großteil der Bevölkerung Afghanistans und Tadschikistans persischer Muttersprache ist."
(Quelle: (nur) Wikipedia, Karte: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Persian_Language_Location_Map1.png )
Wer den Kommentar mit der Frage danach gelesen hat, warum denn die Bundeswehr Persisch lernen muss, kann nun 1 und 1 zusammen zählen und großspurig behaupten, dass Persisch nützlich zur Kommunikation mit Afghanen sein kann.
Ja, natürlich können wir dann, wo wir schon mal die Sprache können auch sofort in den Iran einfallen.

Mal zurück zum Thema des Artikels: Meiner Meinung nach sollte man mit so jemandem genauso umgehen wie mit einem kleinen Kind, das denkt, einen ständig an der Nase herumführen zu müssen. Sehr starke Sanktionen, kein Militärschlag (Die Kinder in Deutschland kommen ja auch auf die stille Treppe, wenn sie nicht brav waren).
Das Problem ist einfach, eben wie bei den Kindern, dass inkonsequentes Handeln nur als Zeichen von Schwäche gewertet wird.
Abgesehn davon wäre der Zeitpunkt, dem Iran den Hahn abzudrehen, nie besser als jetzt, wo es schon von Innen heraus so starken Wiederstand gibt.
"nie besser als jetzt" sollte für Leute, die wissen was dort nun passiert und was noch alles passieren kann, schwer zu lesen sein, deswegen entschuldige ich mich für die Wortwahl und hoffe einfach, dass das alles in einem besseren Iran ohne Kind an der Macht endet.
chatahootchee (11.02.2010, 22:08 Uhr)
@OLUJA
Haaa-loooo-luja, Haaa-loooo-luja, Haaa-looo-luuu-jaaaa!
Bruderschmatz links, Bruderschmatz rechts, allah-u-akbar, und jetzt in's Bett.!
Zorro01 (11.02.2010, 20:39 Uhr)
Oh, @Oluja
jede Diktatur im Iran hat traditionell ihre Karawane aus Jubel-Persern.

Hoffentlich kriegen Sie vom Regime für Ihre warmen Worte einen hübschen Orden.
Aquarius2 (11.02.2010, 19:09 Uhr)
Unverständlich
Warum wollen die Iraner eigentlich genauso ausgestattet sei, wie die Friedensnationen Israel, USA und Russland?
DasBertl (11.02.2010, 15:34 Uhr)
@x-cube
Gmail IST tatsächlich ein Programm, auch wenn es nur auf den Servern von Google liegt. Alles, was dazu geeignet ist, Daten auf Computern zu verarbeiten ist ein Programm (da programmiert...). Das Internet besteht aus Millionen von Programmen und wahrscheinlich Billionen an Datensätzen. Nur weil es nicht auf dem eigenen Computer gespeichert ist, wird aus einem Programm noch lange kein "Nicht-Programm"
Epedemic (11.02.2010, 15:31 Uhr)
@Fari
Genau Demokratie ist die Meinung der Medien an zu nehmen. Eine andere Meinung ist nicht gewünscht und sollte sofort gelöscht werden.
Ich stimme Ihnen zu!

Falls ichs falsch verstanden haben sollte Sorry.
ganzbaf (11.02.2010, 14:48 Uhr)
Auf eine Erfindung der "Ungläubigen"...

ist Ammerschinad so stolz...;-??
chatahootchee (11.02.2010, 14:26 Uhr)
LOESUNG:
Vince Flynn: "Protect and Defend"
Administrator (11.02.2010, 14:15 Uhr)
@Fariborsm
Kein Grund, so zu schreien :-)
facilidad_de_ser (11.02.2010, 13:40 Uhr)
@Niels Kruse mit Agenturen
Offiziell bestätigt sind diese Berichte nicht....

Na dann verlassen wir uns eben auf das was Reuters sagt (Eigentümer: Rotschild, dem 80% von Israel gehört), dem Mann kann man vertrauen.
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