. .
Politik im Ausland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
24. September 2007, 08:58 Uhr

Ahmadinedschad schluckt Kreide

Irans Präsident Ahmadinedschad spielt plötzlich die verbale Friedenstaube: In einem Interview mit dem Fernsehsender CBS dementierte er ein iranisches Streben nach Atomwaffen. Neben der Teilnahme an der UN-Vollversammlung will er in New York auch mit Studenten sprechen.

Der iranische Präsident schlägt neuerdings friedliche Töne an© Abedin Taherkenareh/DPA

Der Iran steuert Präsident Mahmud Ahmadinedschad zufolge nicht auf einen Krieg gegen die USA zu. "Warum sollten wir gegeneinander Krieg führen? Es steht kein Krieg bevor", sagte Ahmadinedschad in einem Interview des Fernsehsenders CBS, das am Sonntag ausgestrahlt wurde. Ahmadinedschad will in New York an der Vollversammlung der Vereinten Nationen teilnehmen und ist deshalb gestern zu einem Besuch in New York eingetroffen. Für politische Aufregung sorgte seine Absicht, eine Rede an der Universität von Columbia zu halten.

"Benötigen keine Atombombe"

Der Präsident bestritt erneut, dass die Islamische Republik nach Atomwaffen strebe. "Man muss anerkennen, dass wir keine Nuklearbombe benötigen", erklärte Ahmadinedschad zur Begründung. "In politischen Beziehungen heute hat die Atombombe keinen Nutzen", sagte er. "Wenn sie nützlich wäre, hätte sie den Zusammenbruch der Sowjetunion verhindert. Wenn sie nützlich wäre, hätte sie das Problem der Amerikaner im Irak gelöst. Die Zeit der Bombe ist vorbei."

Zum Vorwurf der US-Regierung, im Irak würden amerikanische Soldaten durch iranische Bomben getötet, sagte Ahmadinedschad: "Nun, das sagen die Amerikaner. Noch einmal, wenn Amerikaner irgendwo in der Welt ein Problem bekommen, dass sie nicht lösen können, beschuldigen sie andere, anstatt das zu akzeptieren. Es tut mir sehr leid, dass durch falsche Entscheidungen amerikanischer Verantwortlicher irakische Menschen und auch amerikanische Soldaten getötet werden."

Dann doch eine leise Drohung

Als CBS-Interviewer Scott Pelley bei dem am Donnerstag in Teheran aufgezeichneten Gespräch Ahmadinedschad vorhielt, er weiche seiner Frage aus, sagte der: "Wir sind hier nicht in Guantanamo. Wir sind hier nicht in einem Bagdader Gefängnis. Wir sind nicht in einem Geheimgefängnis in Europa. Wir sind nicht in Abu Ghraib. Wir sind im Iran. Ich bin der Präsident dieses Landes!"

Der Westen befürchtet, dass der Iran unter dem Deckmantel der friedlichen Nutzung der Atomkraft an Nuklearwaffen arbeitet. Da der Iran seine umstrittene Urananreicherung bislang nicht wie verlangt gestoppt hat, hat der UN-Sicherheitsrat verschärfte Sanktionen gegen das Land verhängt. Die ständigen Mitglieder des Gremiums beraten derzeit gemeinsam mit Deutschland über neue Strafmaßnahmen. Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner hatte erklärt, die Welt müsse sich im Atomstreit auf einen Krieg vorbereiten.

Cheney wollte Iran provozieren

Die Zeitschrift "Newsweek" berichtete am Sonntag, US-Vizepräsident Dick Cheney habe erwogen, Israel um Raketenangriffe auf iranische Atomanlagen zu bitten. Die Zeitschrift berief sich auf eine entsprechende Äußerung von Cheneys Berater David Wurmser, die zwei nicht genannte Informanten zitierten. Demnach hätten die israelischen Angriffe iranische Vergeltungsschläge provozieren sollen. Sie wären der Vorwand für US-Angriffe auf den Iran gewesen, meldete "Newsweek".

Ahmadinedschad hatte vor seiner Ankunft in New York mit seiner Absicht einen Sturm der Entrüstung ausgelöst, einen Kranz für die Opfer der Anschläge des 11. Septembers 2001 am Ground Zero niederlegen zu dürfen. Dies wurde unter Hinweis auf Sicherheitsgründe abgelehnt. In dem CBS-Interview sagte er zu seinen Beweggründen für einen Ground-Zero-Besuch, man bekunde mit einer solchen Geste Respekt. "Und vielleicht äußert man dort auch seine Ansicht über die Ursachen solcher Zwischenfälle."

Universität wollte ihn nicht ausladen

Am (Montag will Ahmadinedschad vor Studenten der Columbia University sprechen und sich auch Fragen stellen. Die Universität lehnte Forderungen nach einer Ausladung des iranischen Präsidenten mit Hinweis auf die Redefreiheit ab. Ahmadinedschad hat in international scharf kritisierten Reden die Zerstörung Israels gefordert und den Holocaust als Märchen bezeichnet.

Reuters
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
claudiasch (25.09.2007, 17:19 Uhr)
@Big -Brother
Zitat: "Auch zahlreiche deutsche Historiker haben in diesem Bereich geforscht". Alle die geforscht haben und andere Erkenntnisse erlangten, unter anderem auch Historiker und Wissenschaftler sitzen im Gefängnis. Warum setz man sich mit denen nicht auseinander und widerlegt deren Ergebnisse, wenn sie denn falsch sind. Nein. Man schuf den §130, um solche Leute los zu werden.
Ich bin zu jung und habe die NS-Zeit nicht erlebt, aber manch Geschichte, die mir als Kind eingebläut wurde, entspricht nicht der Wahrheit.
Big-Brother (25.09.2007, 13:35 Uhr)
@Claudiasch
Der organisierte Massenmord an Millionen von Menschen während des Zweiten Weltkriegs gehört wohl mit zu den am besten dokumentierten und erforschten Fakten der Geschichtswissenschaft. Auch zahlreiche deutsche Historiker haben in diesem Bereich geforscht. Wer den Holocaust bezweifelt ist entweder strunzdoof oder ein eiskalt berechnender Antisemit. Ich denke Ahmadinedschad gehört zu den Letzderen. Er ist ein populistischer Agitator, der eine freiheits- und menschenfeindliche Ideologie vertritt.
claudiasch (25.09.2007, 12:31 Uhr)
Bauernschläue?
Präsident Achmadinedschad ist kein Bauer, er ist Doktor meines Wissens. Außerdem war er viele Jahre Bürgermeister in Teheran.
Ich kenne einige seiner Reden und Interviews und gebe ihm in vielen seinen Aussagen Recht.
Zum Thema Holocoust sollte einfach noch mal unabhängig geforscht werden. Es sind Jahrzehnte vergangen. Die Deutschen haben nie selbst untersuchen dürfen. Soll es der Iran tun...Wenn das Ergebnis dann übereinstimmt mit dem was bis heute bekannt ist , sollte auch Herr Achmadinedschad seinen Frieden gefunden haben.
Es wird an Sachen geforscht, die 1500 Jahre zurückliegen. Warum soll man nicht Sachen erforschen dürfen die erst vor über 60 Jahren passiert sind?
bernie-abg (24.09.2007, 11:36 Uhr)
Vollkommen richtig, die Entscheidung...
...Ahmadinedschad an der Columbia Unversität reden zu lassen.
Solche Typen hängen sich früher oder später an ihren eigenen Worten auf.
JoeSkeleton (24.09.2007, 09:54 Uhr)
Ahmadinedschad...
Bauernschläue ist ja auch irgendwie eine Form von Inteligenz.Und die hat er ganz bestimmt.Das ist ein aalglatter Kerl,der zu seinen Lügen die er erzählt den Menschen noch frech ins Gesicht grinst.Komischer Kauz.
MEHR ZUM ARTIKEL
Irans Präsident Ahmadinedschad will Ground Zero besuchen

Ausgerechnet Irans Präsident Ahmadinedschad, ein erbitterter Gegner der USA, wollte den Ort der Terroranschläge vom 11. September in New York besuchen und sogar einen Kranz niederlegen. Nun haben die USA auf das Ansinnen reagiert. mehr...

Atomstreit Frankreich spricht von Krieg mit Iran

Frankreich muss sich wegen des Atomstreits mit dem Iran nach den Worten seines Außenministers Bernard Kouchner auf die Möglichkeit eines Kriegs einstellen. Zwar sollten die Weltmächte erst einmal auf weitere Sanktionen setzen - aber sich auch auf "das Schlimmste" vorbereiten. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe