Seit seinem Start vor zwei Jahren wird Twitter gefeiert und verteufelt. Bei den Protesten im Iran hat der Mikrobloggingdienst, genau wie Facebook oder YouTube, neue Bedeutung erlangt. Welche Tweets gelten als glaubwürdig? Wo kann man sich gut informieren? Wir haben die wichtigsten Links in den Iran zusammengestellt. Von Felix Disselhoff

Irans junge Bevölkerung ist der Regierung im Netz einen Schritt voraus© Julian Stratenschulte/DPA
In Krisensituationen ist Kommunikation überlebensnotwendig. Dauerte es während des gallischen Krieges noch Wochen, bis Rom Neuigkeiten über Verletzte und gewonnene Schlachten ereilten, erreichten die deutsche Bevölkerung während des Zweiten Weltkrieges die Stimmen der BBC oft verrauscht, dauert es heute nur einen Wimpernschlag und hunderte Kurznachrichten rauschen aus dem Iran auf die Bildschirme dieser Welt.
Protest auf allen Kanälen
Eigentlich dürfte aus dem hermetisch abgeriegelten Iran keine Neuigkeit an die Weltöffentlichkeit gelangen. Denn Irans Mediensystem ist gleichgeschaltet, das Staatsfernsehen übertragt nur noch Sportsendungen, die Handynetze werden konsequent lahmgelegt, Satellitenübertragungen staatlich reglementiert und ausländische Fernsehsignale gestört.
Doch die Proteste auf den Straßen Teherans werden seit der Präsidentenwahl auch im Netz weitergeführt. Über die sozialen Netzwerke Facebook und Twitter werden Demos organisiert, Berichte von Übergriffen werden rasend schnell weitergetragen, Videos zeigen der ganzen Welt, dass der Protest viel größer ist als es die iranische Regierung behauptet. Und Millionen User weltweit können dabei zusehen.
Doch wer bloggt eigentlich? Wer teilt sich digital mit und will auf die Ungerechtigkeiten im eigenen Land aufmerksam machen. In erster Linie junge, gebildete Iraner, die mit dem Internet aufgewachsen sind, so genannte Digital Natives. Die dürften im Iran in der Überzahl sein, denn das Durschnittsalter liegt hier bei 27 Jahren. Die Regierung hat es also mit einer sehr jungen Bevölkerung zu tun, die ein großes Bedürfnis hat, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten. Dass Twitter eines der Sprachrohre des iranischen Protests wird, war demnach fast schon abzusehen. Doch wie bei allen "Tweets" gilt: Keine Twittermeldung ist verifiziert. User können eigenen Interessen vertreten oder sich unter falschen Synonymen tarnen. Dennoch war der Zwitscherdienst eine der wichtigsten Informationsquellen seit dem Beginn der Proteste.
Einer dieser Protestler ist Twitter-User "iranbaan". Mittlerweile folgen dem User, der sich als junge Menschenrechtsaktivistin im Netz präsentiert, über 5000 Twitterer. Beinahe im Minutentakt sendet "iranbaan" News, wie zum Beispiel "In 50 Städten überschreitet die Anzahl der abgegeben Stimmen die Anzahl der Wahlberechtigten" oder "Ajatollah Chamenei wird das Freitagsgebet diese Woche leiten".
Facebook und Google beziehen Position
Seit einigen Tagen solidarisieren sich auch die Big Player des Web 2.0 mit den Demonstranten. Facebook wurde eine wichtige Plattform für den Informationsaustausch unter Protestlern. Das Entwicklerteam reagierte rasch. So ist der Dienst seit vergangenem Donnerstag auch auf persisch, der meistgenutzten Sprache im Iran, verfügbar.
Und auch Google hat seinen Übersetzungsservice GoogleTranslate um Farsi (Persisch) erweitern. Die Erklärung von Google: "Google Translate ist neben Angeboten wie Youtube noch ein Werkzeug, mit denen persisch Sprechende direkt mit der Welt kommunizieren können - und vice versa." Der Dienst übersetzt erstmal nur direkt ins Englische. Deutsche User müssen sich diese Übersetzung also erst einmal wieder ins Deutsche übersetzen.
Unter "Die Proteste im Netz" stellen wir Ihnen einige Mikroblogs vor, die sich als zuverlässige Quellen erwiesen haben.