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2. Februar 2010, 09:57 Uhr

Das Regime schlägt zurück

Seit einem halben Jahr protestiert die Opposition gegen das Mullah-Regime. Das schlägt zurück und zerstört die Netzwerke der Kritiker - mit Einschüchterungen und immer häufiger mit dem Galgen. Von Benjamin Dierks, Teheran

Iran, Mullahs, Regime, Menschenrechte, Anwälte, Proteste, Todesstrafe, Geheimdienst, Einschüchterungen, Opposition

Stützt seine Herrschaft mit brutalen Mitteln: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad© Abedin Taherkenareh/EPA

Narges Mohammadi sitzt in ihrer Wohnung in Teheran und hat Angst. In den letzten Wochen hat sich ihre Lage zugespitzt. "Der iranische Nachrichtendienst hat Kontakt mit mir aufgenommen", erzählt die Menschenrechtsaktivistin und blickt auf ihre zwei Jungen, die auf dem Boden hocken und malen. "'Glaube nicht, dass wir dich nicht verhaften, nur weil du zwei kleine Kinder hast', sagten sie mir, 'wir stecken dich samt deiner Kinder ins Gefängnis.'" Eine unmissverständliche Drohung des Regimes.

Mohammadi ist Ingenieurin, sie arbeitete bis vor Kurzem für die Inspektionsfirma Iran Engineering Inspections - und nebenher für das betriebene Zentrum für die Verteidigung der Menschenrechte. Sie kennt die Macht des Staates: Ihr Mann, Taghi Rahmani, saß 15 Jahre für seine politische Arbeit hinter Gittern, einen Job als Wissenschaftler hat er danach nie wieder gefunden. Und vor wenigen Wochen verlor auch Mohammadi ihren Job: Als sie sich weigerte, ihre Arbeit für das Zentrum zu beenden, wurde ihr binnen einer Stunde gekündigt, nach acht Jahren im Betrieb.

Die Stimmung ist aufgeheizt

Die Stimmung im Iran ist aufgeheizt, besonders in dieser Woche. Denn trotz aller Repressalien mobilisiert die Opposition für den nächsten großen Protest. Wie zuvor wollen die Regimekritiker auch dieses Mal einen offiziellen Feiertag nutzen, um ihren Protest auf die Straße zu tragen - den Jahrestag der Islamischen Revolution, dessen offizielle Feiern am Montag begannen. Und auch dieses Mal dürfte das Mullahregime zurückschlagen. Während der letzten Proteste zum Aschura-Fest Ende Dezember wurden mindestens acht Oppositionelle von Polizei und Milizen getötet und Hunderte verhaftet. Die Revolutionsgerichte verhängen immer häufiger Todesstrafen gegen festgenommene Demonstranten. Die Sicherheitskräfte schrecken weder vor Beweisfälschung noch vor Drohungen gegen Kinder und Angehörige zurück. Und erst in der vergangenen Woche erreichte die Repression einen traurigen Höhepunkt: Zwei Oppositionelle, im Herbst in einem Schauprozess zum Tode verurteilt, wurden gehängt. Es scheint, als instrumentalisierten die Machthaber die Hinrichtungen, um Kritiker von weiteren Protesten abzuhalten.

Anwälte gelten inzwischen als Staatsfeinde

Und auch im Hintergrund greifen die iranischen Machthaber längst immer härter gegen die Kritiker durch. Systematisch attackieren sie die Strukturen der Opposition. Das Regime nutzt den Aufruhr der Gegner, um auch unter denen aufzuräumen, die sich abseits der Straße für Menschenrechte starkmachen, für einen humaneren Iran. Menschenrechtsaktivisten und Anwälte inhaftierter Regimekritiker werden immer offener bedroht oder selbst verhaftet. Ihre Büros werden geschlossen, Internetseiten gesperrt, der Kontakt zur Bevölkerung blockiert, ihre Netzwerke zerstört.

Die meisten von ihnen stellen weder das System der Islamischen Republik infrage, noch richtet sich ihre Arbeit direkt gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Sie versuchen lediglich, Beschuldigte im Rahmen der bestehenden Gesetze zu verteidigen. Dem Regime sind sie seit jeher ein Dorn im Auge, seit der Präsidentschaftswahl und dem Beginn der offenen Proteste aber werden sie so massiv angegriffen, dass sie ihrer Arbeit kaum noch nachgehen können. Inzwischen gelten sie als Staatsfeinde - und müssen nicht mehr nur um ihre Klienten, sondern auch um ihre Existenz fürchten.

Die Häscher des Regimes gehen selbst gegen Würdenträger der Islamischen Republik vor. Bei der Großdemonstration Ende Dezember wurde Ali Mussawi erschossen, ein Neffe des Oppositionsführers Mirhossein Mussawi. Ein paar Tage später verhafteten Beamte Nouschin Ebadi, die Schwester der prominenten Menschenrechtsanwältin und Nobelpreisträgerin Schirin. Die habe mit ihrer Arbeit nichts zu tun, protestierte Schirin Ebadi, die den Iran bereits vor Monaten verlassen hat. Das Vorgehen hat Methode: Seit ihrer Ausreise werde auch Ebadis Mann in Teheran mit Anrufen terrorisiert, berichten Vertraute: Seine Frau solle besser nicht in den Iran zurückkehren, sonst werde sie umgebracht.

Gefunden in ...

Gefunden in ... ... der "Financial Times Deutschland"

Seite 1: Das Regime schlägt zurück
Seite 2: "Alle Menschenrechtsanwälte sind in Gefahr"
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Administrator (03.02.2010, 11:52 Uhr)
@Epedemic
Wie wir bereits geschrieben haben, haben wir nicht nur die Postings, sondern auch alle sich darauf beziehenden Antworten gelöscht. Es ergibt einfach keinen zusammenhängenden Kontext, wenn wir nur das Ursprungsposting, nicht aber die entsprechenden Antworten löschen. Und Ihre Beiträge waren beides Antworten auf Postings, die wir gelöscht haben.
Epedemic (03.02.2010, 09:40 Uhr)
Es ist ein unding,....
dass ihr einfach Kommentare löscht die wirklich nicht gegen ein Land oder User gingen!
Was ist den los ist das die unbequeme Wahrheit die ihr nicht haben wollt? Ich würde mich über Aufklärung freuen.
Diese könnt ihr ja mit beiligender Begründung der Löschung gern an meine Email-Adresse schicken. Ihr seht sie ja.....

Demokratie ist was anderes...
Administrator (03.02.2010, 08:38 Uhr)
Liebe User,
vielen Dank für Ihre Beiträge. Wir mussten an dieser Stelle einige Postings samt der sich beziehenden Antworten löschen. Bitte diskutieren Sie sachlich, hetzen Sie nicht gegen andere User und Völker und mäßigen Sie Ihren Ton.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
GustavMahler (03.02.2010, 08:30 Uhr)
@tempelhofer
Die Kommentarfunktion ist es, was ich an den online-Ausgaben von Verlagen so schätze. Für mich ist diese Möglichkeit der urdemokrtische Prozess, Meinungen auszutauschen. Und ich muss mich nicht, wie in der analogen Welt, extra zu irgenwelchen Versammlungen bewegen. Im Zweifel erhalte ich sowieso keine ungeschminkten Beiträge, weil sich viele nicht trauen. Insofern ist eine anonyme Kommentarfunktion hilfreich. Hier wird eine Plattform angeboten, auf der Jeder der mag, schreiben kann, wie ihm der Schnabel gewachsen ist. Und eine Demokratie kann es aushalten, wenn auch merkwürdige Auffassungen vertreten werden oder Einzelne Probleme mit der Kinderstube haben.
Bedenklich halte ich es deswegen, wenn zunehmend die Kommentarfunktionen bei bestimmten politischen oder religiösen Themen einfach abgeschaltet werden.



Was ich allerdings bedauere ist, dass
RDUKE7777777 (03.02.2010, 07:57 Uhr)
@Tempelhofer
Vielleicht sollte die Redaktion ab jetzt Sie fragen, wann die Kommentarfunktion aktiviert wird und wann nicht.

Meinungsfreiheit bedeutet, auch in Ihren Augen unpopuläre Meinungen zuzulassen.

Es ist ein Unding, dass bei manchen Artikeln KEINE Kommentarfunktion erlaubt ist.
sidux42 (03.02.2010, 07:03 Uhr)
@Tempelhofer
schon mal was von Meinungsfreiheit gehört, wenn einige Kommentare unter Ihrem Niveau sind lesen Sie sie doch einfach nicht. Ich frage mich, ob man die Machthaber im Iran überhaupt beleidigen kann.


Gruß
Sidux
Julian2225 (03.02.2010, 05:39 Uhr)
Schon was dran,
aber viele hier sollten ZUERST vor der eigenen Tuer kehren!

Schonmal jemanden kennengelernt der fuer die totale Aufklaerung von 9/11 demostriert(e)? Die haben auch nix zum lachen und werden laut Gesetz (patriot act) als staatsfeindlich verfolgt!!

Schon mal etwas von Gitmo gehoert, von den "secret prisons" und Entfuehrungen dorthin? Von Angriffskriegen die wegen "Interesse" gefuehrt wurden und nicht nur 10Menschenleben kosteten und kein Protestant gegen diesen Krieg erhielt einen Nobelpreis!? Von den chemischen Waffen die in den 80zigern an den Irak geliefert wurden damit sie den Iran angreifen konnten und mit genau diesen Waffen hunderttausende Menschen toeten konnten?
Von den Quadratkilometergrossen Sicherheits-Absperrungen in Strassburg, London und wo auch immer irgendeine Demo stattfand?
Und Und Und!

Wahrscheinlich erinnert sich niemand daran oder will sich nicht daran erinnern weil es weitaus einfacher ist mit dem FInger zu zeigen!
Nein, was im Iran abgeht ist NICHT ok, aber vieles in dieser Welt ist nicht ok! Aber, wie hier einige schrieben, es sieht tatsaechlich irgendwie so aus als wuerde das Voelklein der Schafe wieder einmal auf eine bestimmte Weide gefuehrt die Krieg heisst!

Ach so, in Afrika sind heute wenigstens 1000Menschen verhungert, ooops, gehoert hier auch nicht hin weil es niemanden interessiert, gell!?!




mramorak (03.02.2010, 03:31 Uhr)
Systematische Vervolgungen sind ein Zeichen aller Gewaltherrscher
Ein sehr, sehr guter Beitrag! Die Tatsache, dass auch hier wieder einige Führsprecher der Gewaltherrscher sich bemerkbar machen, zeigt eigendlich wie notwendig Ihr Beitrag für unsere Freiheit ist! Und die Namansnennungen sind richtig. Denn im allgemeinen sind Diktaturen vorsichtiger mit Verfolgungen, wenn ihr Opfer in der Welt bekannt sind.
Ich hoffe nur, dass die westlichen Politiker, die mit solchen Diktaturen auf Augenhöhe verhandeln wollen, sich solche Berichte zu Herzeh gehen lassen. Denn wenn dieser bericht diese Politiker nicht berührt, haben die kein Herz und Freiheit und Menschenrechte bringt die nicht aus der Ruhe.
Die Tatsache, dass es noch etwa 100 andere Diktaturen in der Welt gebt soll doch keinen hindern sie einzel beim Namen zu nennen. Ich gratuliere Ihnen zu diesem Bericht! Zeigt es doch, dass wir uns nicht so einfach zurücksezen können und in Selbstgerechtigkeit sonnen.
SethusCalvisius (02.02.2010, 23:37 Uhr)
Lösung?
Die Lage im Iran ist fatal und das nicht erst seit Ahmadinedschad. Irgendwie taumelt dieses Land von einer Diktatur in die nächste, ob es nun der Schah, Khomeini oder jetzt Ahmadinedschad ist, das Volk hat nichts zu sagen und wird, wenn es aufbegehrt, mundtot gemacht.

Das zu erkennen, ist der leichtere Teil. (auch wenn anscheinend einige Kommentatoren den Ernst der Lage noch nicht sehen) Schwieriger ist die Frage, was die Weltgemeinschaft dagegen tun kann. Einfach einmarschieren dürfte nach Vietnam, Irak oder Afghanistan keiner mehr ernsthaft als Allheilmittel ansehen. Wir werden nicht die ganze Welt mit Waffengewalt zu ihrem Glück zwingen können.
Aber es muss alles getan werden, um die Opposition zu stärken, durch Verhandlungen Menschenleben zu retten etc. Es ist leider nicht viel, was man tun kann.
Der immer wieder angeführte Vergleich mit der Befreieung Deutschlands taugt nur bedingt als Rechtfertigung für militärisches Eingreifen. Als die Alliierten 1945 unser Land befreiten, lag bereits alles am Boden. Hätten amerikanische Militärs vor 1939 versucht, Deutschland von Hitler zu befreien, hätten Sie den Großteil der Bevölkerung gegen sich gehabt.
takelith737 (02.02.2010, 23:37 Uhr)
Das Amateur-Video
Ich finde dieses Vidoe wirklich verstörend. Das hat mit einer zivilisierten Kultur gar nichts mehr zutun. Was ist das nur für ein widerwärtiges, barbarisches und unmenschliches Regime? Und was sind das für abartige Menschen, die dieses ekelhafte Regime auch noch stützen und auf die guten Demonstrierenden auch noch schießen und junge Männer erhängen? Was ist das nur für ein grausames und bemitleidenswertes Land!
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