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1. Juli 2009, 18:24 Uhr

Mussawi ruft zu weiteren Protesten auf

Die Regimekritiker im Iran geben nicht auf: Oppositionsführer Mir-Hussein Mussawi hat bekräftigt, dass er die Wahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschat nach wie vor für unrechtmäßig hält. Mussawi rief seine Anhänger zu weiteren Protesten auf. Auch der unterlegene Präsidentschaftskandidat Mehdi Karubi will nicht klein bei geben.

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Hält die Wahl im Iran nach wie vor für unrechtmäßig: Oppositionsführer Mir-Hussein Mussawi© Abedin Taherkenareh/DPA

Der iranische Oppositionsführer Mir-Hussein hält die Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad weiter für unrechtmäßig und ruft seine Anhänger zum entschlossenen Kampf für demokratische Reformen auf. Mussawi reagierte am Mittwoch erstmals auf die Entscheidung des Wächterrates, das Wahlergebnis offiziell zu bestätigen. "Von jetzt an haben wir eine Regierung, deren Legitimation die Mehrheit der Menschen, ich eingeschlossen, nicht anerkennt", sagte Mussawi. Er werde keine Kompromisse auf Kosten seiner Anhänger eingehen, fügte er auf seiner Website hinzu.

Weiter betonte Mussawi: "Es ist nicht zu spät, und es ist weiter möglich, das Vertrauen des Volkes wiederherzustellen. Die Sicherheit unseres Systems erfordert es, dies zu tun", erklärte der Politiker. Seit der Wahl am 12. Juni hatten Anhänger der Opposition gegen das Ergebnis demonstriert und der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. Mindestens 20 Menschen kamen bei den Unruhen seitdem ums Leben.

Mussawi rief seine Anhänger dazu auf, ihre Proteste fortzusetzen. "Solange unser Protest weitergeht, wird diese Regierung keine Legitimation haben." Weiter fügte er hinzu: "Es ist unsere historische Pflicht, unseren Protest fortzusetzen, um die legitimen Rechte des Volkes durchzusetzen."

Auch der unterlegene Kandidat Mehdi Karubi erklärte, er werde den Wahlsieg von Ahmadinedschad nicht anerkennen. "Die Wahl ist nicht gültig und ich werde diese Regierung nicht als legitim anerkennen", erklärte der Reformpolitiker Karubi in einem offenen Brief auf seiner Website. Der Wächterrat hatte am Montagabend nach der Neuauszählung von zehn Prozent der Stimmzettel einstimmig entschieden, dass das Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom 12. Juni rechtmäßig sei. Er werde nicht zu einer Zeremonie zur Amtseinführung Ahmadinedschads erscheinen, erklärte Karubi.

Der iranische Generalstabschef hat unterdessen Großbritannien, Frankreich und Deutschland vorgeworfen, seinem Land feindselig gegenüberzustehen und die islamische Nation beleidigt zu haben. "Das EU-Trio hat sich auf lächerliche Weise in die Präsidentschaftswahlen eingemischt", zitierte die Nachrichtenagentur Fars am Mittwoch den einflussreichen General Hassan Firusabadi.

Unterdessen gehen die iranischen Behörden weiter entschieden gegen die Opposition vor. Am Mittwoch wurde die Tageszeitung "Etemad Melli" geschlossen, die dem unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Mehdi Karrubi gehört. Gleichzeitig wurde in Teheran bekannt, dass mehr Demonstranten verhaftet wurden als bislang bekannt, nämlich mehr als 1000 binnen zwei Wochen. Viele sollen jetzt vor die berüchtigten Revolutionsgerichte gestellt werden, die für harte Urteile bekannt sind.

Von den rund 1000 festgenommenen Demonstranten seien viele inzwischen wieder frei, sagte der iranische Polizeichef Ismael Ahmadi-Mogadam der Nachrichtenagentur Isna, ohne eine genaue Zahl zu nennen. Den Inhaftierten werde nun der Prozess gemacht, nicht alle würden vor Revolutionsgerichte gestellt, hieß es. Diese sind für schwere Vergehen gegen die nationale Sicherheit zuständig und fällen häufig drakonische Urteile.

Nach Angaben des Polizeichefs wurden 20 Demonstranten getötet, frühere Berichte über Tote unter den Sicherheitskräften wies er zurück. Allerdings seien 500 Polizisten verletzt worden.

Erneut widersprach Ahmadi-Mogadam Angaben, der Tod von Neda Agha-Soltan habe etwas mit den Protesten zu tun gehabt. Sie war am 20. Juni am Rande einer Kundgebung gegen Ahmadinedschad erschossen worden. Ein mit dem Handy gefilmtes Video, das den Tod der 27-Jährigen zeigt, war um die Welt gegangen und hatte sie zum Symbo des Widerstands im Iran gemacht. Der Polizeichef sagte, der Mord an der jungen Frau sei geplant gewesen, um das Ansehen des Irans im Ausland zu beflecken.

Der Arzt Arasch Hedschasi, der der jungen Frau helfen wollte, hatte in einem in England geführten Interview britischer Medien angegeben, die 27-Jährige sei von militanten Anhängern Ahmadinedschads getötet worden. Dies wies der Polizeichef kategorisch zurück und sagte, der Iran habe Interpol aufgefordert, den Arzt wegen haltloser Beschuldigungen der iranischen Regierung festzunehmen.

DPA/AP/AFP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
Oetker333 (03.07.2009, 17:11 Uhr)
Korrektur
Die Mehrheit des iranischen Volkes lehnt ein Ende des Atomprogramms ab. Sie unterstützen das Atomprogramm.
Oetker333 (02.07.2009, 15:28 Uhr)
@MRP66
An einem Sturz des Systems zu glauben ist Tagträumerei. Dies wird auf absehbare Zeit nicht geschehen. Und ein Ende des Atomprogramms wird von einer überwältigenden Mehrheit der Iraner unterstützt. Daher muss man versuchen Reformen innerhalb des Systems durchzuführen. Und das weiß auch Mussawi. Denken sie er wäre zur Wahl zugelassen worden wenn er das System und das Atomprogramm in Frage stellen würde? Und wenn Herr Chamenei endlich stirbt dann hoffe ich auf bessere Zeiten mit einem neuen Revolutionsführer. Der gemäßigte Ayatollah Rafsandschani soll ja ein heißer Kandidat sein. In vier Jahren hat Ahmadinedschad ausgedient. So lange müssen wir wohl warten.
Watschdog39 (02.07.2009, 06:50 Uhr)
So langsam schäme ich mich
für meine Landsleute.
Als die Olympiade in China war wurde gegen dieses Land gehetzt. Zweck war doch Unruhe zu schaffen, die Tibeter gingen doch jedem am Ars... vorbei.
Im Irak wurde das Spiel sogar bis zum Ende durchgezogen. In Afghanistan ist man ebenso dabei.
Jetzt war der Iran dran, grade mal so an einem Überfall der "Befreier" vorbeigeschabt.
Schlagworte wie fehlende Demokratie, Polizeistaat, Überwachung, Zensur ect. werden verwendet um die Staaten in Misskredit zu bringen.
Diese Missstände sollten mal in unserem Lande aufgedeckt und bereinigt werden. Doch hier sieht man den Balken im eigenen Auge nicht.
In den Medien habe ich noch nicht eine Zeile über den Background des Mussawi gelesen, der wird fast als Heiliger hochstilisiert.
In der Ethikkommission wurde festgelegt, auch das bewusste Verschweigen von Tatsachen, um einen falschen Eindruck hervorzurufen, ist als Lüge anzusehen!! Stern und CO halten sich jedoch schon lange nicht mehr an die von ihnen selbst entworfenen Regeln. Wie ich schon Eingangs sagte, ich schäme mich!!
gmathol (01.07.2009, 23:15 Uhr)
Mir Musavi...
...in Beirut war dieser Herr und seine Soeldner gegen bares mal fuer die eine oder andere Seite taetig.
Komisch das die Amis diesen Kerl unterstuetzen, da er doch fuer den Tod von einigen US Marines in Beirut verantwortlich war.
Tja, im Internet kann man sich nicht mehr verstecken.
MRP66 (01.07.2009, 22:46 Uhr)
hq79
Ich kann sie verstehen und sie haben unbedingt recht. Aber man muss die Geschichte von Mussawi kennen um zu wissen, dass es ihm nur um die Macht geht, sonst nichts. Er ist nicht viel besser als der jetzige Amtsinhaber.
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Ein Auszug: "Mussawi leitete die iranische Regierung bis 1989, also während fast des gesamten Kriegs mit dem Irak. Einen Namen machte er sich in dieser Notsituation als Organisator einer effizienten Kriegswirtschaft. Doch allein während der ersten Hälfte seiner Amtszeit, schreibt der iranisch-britische Historiker Ervand Abrahamian, seien 8000 Oppositionelle von Revolutionsgerichten zum Tode verurteilt worden."
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Er hat zwar angekündigt, die Diskriminierung der Frauen zu mildern, die Korruption zu bekämpfen und private Fernsehsender zuzulassen. Am iranischen Atomprogramm aber will er festhalten, und das System des iranischen Gottesstaats stellt er nicht in Frage. Mussawi sei "behaftet mit der revolutionären Ideologie der ersten Gründungsjahre der Islamischen Republik", urteilt etwa der iranisch-deutsche Publizist Bahman Nirumand
hq79 (01.07.2009, 21:36 Uhr)
Lebensgefahr
Vielleicht sollte Herr Mussawi jetzt mal bitte Plan B zur Hand nehmen. Sein Anliegen in allen Ehren, aber weiterhin nur stur die Menschen raus auf die Straße zu schicken, damit die sich niederknüppeln lassen können ist jetzt langsam nicht mehr angebracht! Hat er keine Berater die ihm sagen können was er jetzt als Nächstes machen kann?
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