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Dschihadistenvorstoß in Kobane scheint vorerst gestoppt

Ein Deutscher verübt einen Selbstmordanschlag im Irak, Erdogan will bessere Sicherheitsgesetze und die türkische Polizei nimmt drei deutsche Fotografen fest. Die Ereignisse des Tages in der Rückschau.

+++ 21.37 Uhr: Lévy stellt NATO-Mitgliedschaft der Türkei in Frage +++

Der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy stellt die Mitgliedschaft der Türkei in der NATO in Frage, sollte die syrische Kurdenstadt Kobane fallen. "Die Position der Türkei würde problematisch, wenn sie Kobane fallen ließe", sagt Lévy. Dies müsse den türkischen Behörden "in den kommenden Stunden" übermittelt werden.

+++ 19.37 Uhr: Steinmeier trifft morgen saudischen Amtskollegen +++

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier trifft morgen seinen saudischen Amtskollegen Saud al-Faisal. Themen der Gespräche sollen das gemeinsame Vorgehen gegen die IS und die Lage im Nahen Osten sein. Am Abend wird außerdem ein zweitägiges Treffen der Militärchefs der Koalition im Kampf gegen die IS beginnen.

+++ 19.23 Uhr: Dschihadistenvorstoß in Kobane scheint vorerst gestoppt +++

Der Vorstoß der Dschihadisten in Kobane ist von den kurdischen Verteidigern offenbar vorerst gestoppt worden. Die IS kontrolliere nach wie vor etwa 40 Prozent der Kurdenhochburg an der Grenze zur Türkei, teilt die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit. Seit der Eroberung des Hauptquartiers der kurdischen Milizen am Freitag sei die IS nicht weiter vorgerückt, so der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman.

+++ 18.26 Uhr: Ban befürchtet Massaker in Kobane +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußert sich zutiefst besorgt über die Lage der Menschen in Kobane. Er rufe alle Parteien auf, "sich zu erheben, um ein Massaker an den Zivilisten in Kobane zu verhindern", erklärt Ban am Rande der Konferenz zum Wiederaufbau des Gazastreifens in Kairo. Angesichts der Angriffe der Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) seien "tausende Leben in Gefahr".

+++ 17.32 Uhr: Drei deutsche Fotoreporter im Südosten der Türkei festgenommen +++

Im Südosten der Türkei werden drei freiberufliche Fotoreporter aus Deutschland festgenommen. Das berichten ihre Kollegen sowie das kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit, Civaka Azad. Demnach hat die türkische Polizei Björn Kietzmann, Chris Grodotzki und Ruben Neugebauer in Diyarbakir festgenommen. Ihnen werde vorgeworfen, Spione und Provokateure zu sein. Die drei Fotografen waren in der kurdisch geprägten Region, um über die Proteste gegen die von der Terrormiliz IS eingekesselte syrische Stadt Kobane zu berichten.

+++ 16.28 Uhr: Frau soll Kurdenkämpfer anführen +++

Die Kämpfer der kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) werden bei der Verteidigung von Kobane gegen die IS angeblich von einer Frau angeführt. "Maissa Abdo, die unter dem Kampfnamen Narin Afrin bekannt ist, kommandiert die YPG in Kobane zusammen mit Mahmud Barchodan", sagt der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Der kurdische Aktivist Mustefa Ebdi bestätigt das.

Die YPG ist der bewaffnete Arm der säkularen kurdischen Partei der Demokratischen Union (PYD). Maissa Abdo ist den Angaben zufolge 40 Jahre alt, ihr Kampfname verweist auf ihre Heimatregion Afrin, die wie Kobane zur syrischen Provinz Aleppo gehört. Sie gelte als "kultiviert" und "intelligent", kümmere sich "um den Gemütszustand der Kämpfer und interessiert sich für ihre Probleme", so Ebdi.

+++ 15.35 Uhr: Erdogan will schärfere Sicherheitsgesetze wegen Kurdenprotesten +++

Angesichts der gewaltsamen Zusammenstöße zwischen prokurdischen Demonstranten und Sicherheitskräften in den vergangenen Tagen plant der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schärfere Sicherheitsgesetze. Die Türkei "wäre kein Staat, wenn sie nicht in der Lage wäre, ein paar Gauner dazu zu bringen, sich zu beugen", sagte Erdogan am Sonntag bei einem Auftritt in der nordosttürkischen Stadt Bayburt. "Wir werden mehr unternehmen", fügte er hinzu. Bereits am Vorabend hatte Erdogan in der Nachbarstadt Rize gesagt, das Parlament solle schnell neue Gesetze erlassen, "um die Straßen rasch von diesen Vandalen zu säubern". Nach Regierungsangaben wurden in der vergangenen Woche bei Protesten in mehreren türkischen Städten 31 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt.

+++ 15.11 Uhr: Deutscher verübt Selbstmordanschlag in Irak

Ein deutscher Islamist hat nach übereinstimmenden Angaben von Dschihadisten und Kurden einen der jüngsten Selbstmordanschläge im Nordosten von Irak verübt. Die Terror-Expertenplattform SITE berichtete auf ihrer Internetseite, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) habe sich zu drei am Sonntag verübten Sprengstoffattacken in der nordöstlichen Region Kara Tepe der Provinz Dijala bekannt. Laut IS seien die Selbstmordattentäter ein Deutscher, ein Türke und ein Saudi gewesen. Die kurdische Gorran-Partei meldete über den Kurznachrichtendienst Twitter, es habe sich um einen Deutschen, einen Türken und einen Tunesier gehandelt.

Bei den Anschlägen auf ein lokales Regierungsgebäude, einen Stützpunkt kurdischer Sicherheitskräfte und ein kurdisches Parteibüro wurden nach kurdischen Angaben neben den drei Attentätern mindestens 14 Menschen getötet.

+++ 13.59 Uhr: Kurden werten Luftangriffe als hilfreich +++

Luftangriffe der internationalen Koalition gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben den Vormarsch der Dschihadisten in Kobane nach kurdischen Angaben vorerst gebremst. Idris Nassan, Sprecher der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG), sagte am Sonntag: "Die jüngsten Luftangriffe waren sehr hilfreich." Dabei seien einige IS-Stellungen getroffen worden. Die kurdischen Kämpfer hätten ihre Positionen halten können und versuchten, die sunnitischen Extremisten zurückzudrängen. Die Kämpfe seien weniger heftig als am Vortag, als IS-Milizionäre die Kurden von drei Seiten angegriffen hatten.

Allerdings fehlten den kurdischen Volksschutzeinheiten nach wie vor die nötigen Waffen und Munition, um der Terrormiliz wirksamer entgegentreten zu können. Notwendig sei eine bessere Koordination mit der internationalen Koalition, sagte Nassan.

+++ 11.12 Uhr: EU stellt 3,9 Millionen Euro für Flüchtlinge aus Kobane zur Verfügung +++

Die Europäische Union stellt 3,9 Millionen Euro für die aus der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane vertriebenen Flüchtlinge zur Verfügung. Das Geld soll an humanitäre Organisationen fließen, die Bedürftige nach deren Flucht ins Nachbarland Türkei unterstützen, wie die EU-Kommission am Sonntag mitteilte. Mithilfe der Finanzspritze sollen Notunterkünfte errichtet sowie Trinkwasser, Lebensmittelrationen und Medikamente verteilt werden. Das Geld stammt aus einem 150 Millionen Euro schweren Hilfstopf für die Opfer des syrischen Bürgerkriegs.

+++ 11.10 Uhr: IS seit Freitag ohne Geländegewinne in Kobane +++

Die Geländegewinne der Dschihadisten in der umkämpften nordsyrischen Grenzstadt Kobane scheinen von den Verteidigern vorerst gestoppt worden zu sein. Die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) kontrolliere nach wie vor etwa 40 Prozent der Kurdenhochburg, sei seit der Eroberung des Hauptquartiers der kurdischen Milizen am Freitagvormittag aber "nicht weiter vorgerückt", sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP. "Sie greifen an verschiedenen Fronten an, werden aber zurückgeschlagen", sagte er. "Dann greifen sie wieder an und werden wieder zurückgeschlagen." Um die Schlacht für sich zu entscheiden, habe der IS weitere Kämpfer aus den Provinzen Raqqa und Aleppo abgezogen und nach Kobane beordert. Inzwischen würden selbst Männer ohne viel Kampferfahrung in die Grenzstadt geschickt, sagte Abdel Rahman.

+++ 10.43 Uhr: PKK droht mit Ende des Friedensprozesses +++

Nach den blutigen Zusammenstößen zwischen kurdischen Demonstranten und türkischen Sicherheitskräften hat die in der Türkei verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK den laufenden Friedensprozess in Frage gestellt. "Wir haben die Türkei gewarnt. Wenn sie so weiter machen, dann wird die Guerilla den Verteidigungskrieg zum Schutz des Volkes wieder aufnehmen", sagte der ranghohe PKK-Anführer Cemil Bayik in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit dem ARD-Hörfunk. Die Verteidigung des Volkes sei die Hauptaufgabe der PKK-Kämpfer.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums wurden in der vergangenen Woche bei Protesten in mehreren türkischen Städten 31 Menschen getötet und mehr als 350 weitere verletzt. Die Kurden demonstrierten gegen die Zurückhaltung der Regierung in Ankara angesichts des Vormarschs der Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) in den nordsyrischen Kurdengebieten rund um die Stadt Kobane. Bayik sagte dem ARD-Hörfunk, die türkische Regierungspartei AKP sei verantwortlich "für das, was sich in Kobane und in der Türkei abspielt".

+++ 8.43 Uhr: Hagel sieht Fortschritte im Kampf gegen IS +++

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel hat die Lage in der von der IS-Terrormiliz belagerten Kurdenstadt Kobane als "gefährlich" bezeichnet. Die USA würden weiterhin "alles tun, was mit Luftangriffen möglich ist", um die Dschihadisten aus der nordsyrischen Grenzstadt zur Türkei zurückzudrängen. "Tatsächlich gibt es da einige Fortschritte", sagte er am Samstag in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Der Kampf zur Zerstörung der Terrormiliz werde aber lang und schwer.

+++ 7.59 Uhr: Israelischer IS-Kämpfer im Irak gestorben +++

Ein israelischer Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ist nach Medienberichten im Irak getötet worden. Das Zweite Israelische Fernsehen berichtete am Sonntag, die Familie des 23-Jährigen aus einem arabischen Dorf bei Nazareth habe seinen Tod bestätigt. Den Berichten zufolge ist der in der Nähe von Ramadi bei Kämpfen mit irakischen Regierungstruppen getötete Ahmed Habaschi einer von insgesamt rund zehn israelischen Arabern, die sich der Terrormiliz bisher angeschlossen haben.

Der Vater sagte der Nachrichtenseite "ynet", sein Sohn sei vor einigen Monaten zunächst nach Syrien gereist. "Nach einer Weile hat er uns angerufen und gesagt, er sei im Irak, ohne dass wir wussten, wem er sich angeschlossen hat", sagte Mohamed Habaschi.

  Anwohner und Bergsteiger trauern um den getöteten Frazosen Hervé Gourdel

Anwohner und Bergsteiger trauern um den getöteten Frazosen Hervé Gourdel

+++ 4.40 Uhr: Mörder von französischem Bergführer ist identifiziert +++

Nach der Entführung und Enthauptung des Franzosen Hervé Gourdel in Algerien ist einem Medienbericht zufolge der Mörder identifiziert worden. Es handele sich um Bachir Kherza, der als "Mufti" der Dschihadistengruppe Dschund al-Khilafa (Soldaten des Kalifats) gelte, berichtete die französischsprachige algerische Zeitung "El Watan" am Samstag. Er sei für zahlreiche Attentate und Terroranschläge verantwortlich. Bereits während des Bürgerkriegs in Algerien in den 90er Jahren habe er für bewaffnete islamistische Gruppen gekämpft.

Der 55-jährige Bergführer Gourdel aus Nizza war am 21. September bei einer Wanderung im Nationalpark Djurdjura in der algerischen Bergregion Kabylei verschleppt worden. Dschund al-Khilafa drohte am Folgetag mit seiner Ermordung und forderte Frankreich auf, seine Luftangriffe gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im Irak binnen 24 Stunden einzustellen. Nach Ablauf des Ultimatums wurde ein Video von der Hinrichtung Gourdels veröffentlicht.

+++ 3.43 Uhr: Briten bilden auch Peschmerga-Kämpfer aus +++

Kurdische Peschmerga-Kämpfer im Irak werden nun auch von britischen Soldaten ausgebildet. Ein Spezialteam der britischen Streitkräfte sei in der Kurdenhauptstadt Erbil im Nordirak im Einsatz, teilte das Verteidigungsministerium in London am Samstag mit. Die Peschmerga würden im Umgang mit schweren Maschinengewehren ausgebildet, die Großbritannien im September geliefert habe. Auch deutsche Bundeswehrsoldaten bilden bereits kurdische Kämpfer in Erbil im Umgang mit deutschen Waffen aus. Die Peschmerga kämpfen im Irak gegen die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS).

+++ 3.42 Uhr: US-Armee versorgt irakische Truppen aus der Luft +++

Die US-Armee warf nach Pentagon-Angaben erstmals Nahrungsmittel und Munition für irakische Soldaten aus der Luft ab. Die Regierung in Bagdad habe um diese Hilfe gebeten, teilte das US-Militärkommando Centcom am Samstag mit. Die Unterstützung aus der Luft erfolgte demnach bei Baidschi 200 Kilometer nördlich von Bagdad. Zwar ist die Stadt noch unter Kontrolle der Regierung, in nahegelgenen Ortschaften gibt es aber nach US-Angaben Gefechte mit IS-Kämpfern. Die USA unterstützen die irakische Armee im Kampf gegen den IS mit Luftangriffen.

  Türkische Soldaten beziehen auf einem Hügel in Sichtweite der syrischen Stadt Kobane Stellung

Türkische Soldaten beziehen auf einem Hügel in Sichtweite der syrischen Stadt Kobane Stellung

+++ 2.08 Uhr: Deutsche Politiker kritisieren Zurückhaltung der türkischen Regierung +++

Angesichts der erbitterten Kämpfe um die nordsyrische Kurdenstadt Kobane haben deutsche Außenpolitiker die Türkei zum Handeln aufgefordert. Der Erklärung der türkischen Regierung, sie werde nicht zusehen, wie Kobane durch die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) zerstört werde, müssten nun "Taten folgen", sagte SPD-Fraktionsvize Rolf Mützenich der "Welt am Sonntag". Es seien jedoch keine türkischen Alleingänge gefragt, sondern ein auch international abgestimmtes Vorgehen.

Auch Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) plädierte für stärkeren politischen Druck auf Ankara. "Die Nato muss auf ihren Partner Türkei einwirken", forderte Schockenhoff im Gespräch mit der Zeitung. Die Luftangriffe der US-geführten Militärkoalition gegen den IS seien von begrenzter Wirkung, solange die Zivilbevölkerung nicht noch stärker gefährdet werden solle. Deshalb werde die Frage nach dem Einsatz von Bodentruppen immer relevanter.

Grünen-Chef Cem Özdemir kritisierte in der "Welt am Sonntag", der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan torpediere mit seinem Verhalten den Versöhnungsprozess der Kurden in der Türkei. Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, forderte ebenfalls mehr Druck auf Ankara. Es sei unerlässlich, einen Korridor für die Kurden an der Grenze zu schaffen, um die bedrängten Kämpfer mit Waffen und Munition zu versorgen.

jen/ono/AFP/DPA/DPA
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