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IS verbrennt Geisel bei lebendigem Leib

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" hat den jordanischen Piloten Muas al Kasasba lebendig verbrannt. Als Reaktion will Jordanien offenbar zum Tode verurteilte Islamisten schnell hinrichten.

  Der jordanische Pilot Muas al Kasasba wurde wohl von der IS-MIliz umgebracht

Der jordanische Pilot Muas al Kasasba wurde wohl von der IS-MIliz umgebracht

In ihrer bislang grausamsten Videobotschaft hat die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) den Tod des jordanischen Piloten Muas al Kasasba verkündet. In dem im Internet verbreiteten rund 22-minütigen Film wird ein Mann, der wie al Kasasba aussieht, in einem Eisenkäfig bei lebendigem Leib verbrannt. Das US-Außenministerium teilte mit, die Echtheit des Videos werde geprüft. Bis zuletzt hatte die jordanische Regierung nach einer Lösung gesucht - und sogar erwogen, einem Gefangenenaustausch zuzustimmen. Doch offensichtlich waren die Verhandlungen eine Farce: Dem jordanischen Staatsfernsehen zufolge soll der Pilot bereits vor einem Monat umgebracht worden sein.

Al Kasasba war am 24. Dezember über dem nordsyrischen al Rakka abgestürzt und von den IS-Dschihadisten gefangen genommen worden. Der 26 Jahre alte Oberleutnant war der erste Soldat der von den USA angeführten Anti-IS-Allianz, der in die Hände der Extremisten gefallen war.

  Muas al Kasasbas Frau (3.v.l.) hielt bei einer Mahnwache mit anderen Frauen Fotos der IS-Geisel in der jordanischen Hauptstadt Amman hoch

Muas al Kasasbas Frau (3.v.l.) hielt bei einer Mahnwache mit anderen Frauen Fotos der IS-Geisel in der jordanischen Hauptstadt Amman hoch

Das jordanische Militär schwor den Dschihadisten Rache. "Das Blut des Märtyrers wird nicht umsonst geflossen sein", sagte ein Armeesprecher in einer Ansprache im jordanischen Fernsehen. "Unsere Rache wird das Ausmaß des Schmerzes haben, der allen Jordaniern zugefügt wurde." Die Armee habe alle Mühen auf sich genommen, al Kasasba frei zu bekommen von den "Kräften der Dunkelheit und des Bösen", fügte er hinzu. König Abdullah II. von Jordanien verkürzte laut Staatsfernsehen seinen Washingtonbesuch und trat die Rückreise in seine Heimat an.

"Dies ist das erste Mal, dass die Gruppe eine Geisel verbrannt hat, die große Beachtung in den Medien gefunden hat", stellte das auf Terrorismus spezialisierte Intel Center aus Alexandria bei Washington fest. "Dies zeigt, dass die Gruppe fortlaufend ihre Methoden weiterentwickelt, um die größte Publicity zu erzielen." In dem schockierenden Video ist zu sehen wie sich der in Flammen stehende Mann im Todeskampf hin und her wirft, an die Gitterstäbe stößt und schließlich zusammenbricht.

Jordanien will Islamisten hinrichten

Der sogenannte Islamische Staat (IS) hatte Ende Januar von dem haschemitischen Königreich gefordert, die seit 2005 in Jordanien inhaftierte Islamistin Sadschida al Rischawi gegen die japanische Geisel Kenji Goto freizulassen. Die Regierung in Amman hatte jedoch zusätzlich ein Lebenszeichen seines Piloten gefordert. Daraufhin veröffentlichten die Dschihadisten ein Video, in dem die Enthauptung Gotos gezeigt wurde. Was damals wohl kaum jemand wusste: Der Pilot war zu diesem Zeitpunkt wohl schon tot. Nun sollen in Jordanien die bereits zum Tode verurteilte al Rischawi und weitere radikale Islamisten hingerichtet werden, wie jordanische Medien berichteten. Offiziell bestätigt wurde dies zunächst nicht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat dem jordanischen König Abdullah II. wegen der Ermordung des Piloten kondoliert. "Mit großem Entsetzen habe ich die furchtbare Nachricht von der Ermordung des jordanischen Piloten (...) vernommen. Es ist unfassbar, dass Menschen zu einer solch grausamen Tat fähig sind", schrieb Merkel am Dienstag in einem Telegramm an den König. "Mein tief empfundenes Beileid und Mitgefühl gilt den Angehörigen des Opfers, denen ich in diesen schweren Stunden Kraft, Trost und Beistand wünsche."

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier betonte: "Sollte sich das Video seines abscheulichen Todes als authentisch erweisen, läge das jenseits jeder menschlichen Vorstellungskraft. Einmal mehr würde ISIS zeigen, dass sie außerhalb aller zivilisatorischen Normen agieren."

"Barbarische Organisation"

US-Präsident Barack Obama verurteilte die IS-Terrormiliz als "bösartige und barbarische Organisation". Die mutmaßliche Ermordung des Piloten werde die Bemühungen des Anti-IS-Bündnisses nur verdoppeln, sagte Obama am Dienstag während eines Treffens im Weißen Haus. "Welche Ideologie sie auch immer bedienen, sie ist ruiniert." Die Extremisten des IS seien nur in Tod und Zerstörung interessiert.

US-General Lloyd Austin würdigte den Piloten als "mutigen und ehrenvollen" Kämpfer im Krieg gegen die Extremisten. Den Angehörigen sprach der Chef des US-Zentralkommandos mit Sitz in Tampa (Florida) sein Beileid aus. Austin habe dem jordanischen General Maschal al Sabin im Kampf gegen den "barbarischen Gegner" den Beistand der USA zugesichert, bis der IS zerstört sei, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag. Die grausame Tat sei ein weiteres Beispiel für die Brutalität und abartige Ideologie der selbst ernannten Dschihadisten.

tkr/DPA/DPA
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