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Hat der IS einen Stützpunkt in Bosnien?

Mitten in den Wäldern Bosniens sollen Dschihadisten des IS einen Stützpunkt aufgebaut haben. In einem abgeschiedenen Dorf trainieren die Islamisten anscheinend Kämpfer für ihren "Heiligen Krieg".

Kämpfer des Islamischen Staates: Im Dörfchen Osve sollen die Dschihadisten eine Terrorzelle errichtet haben

Kämpfer des Islamischen Staates: Im Dörfchen Osve sollen die Dschihadisten eine Terrorzelle errichtet haben, um Kämpfer nach und aus Syrien heraus zu schleusen.

Zwischen den bewaldeten Hängen stehen eine Handvoll zerfallener Häuser. Kaum befahrbare Wege führen zu der kleinen Siedlung, die auf einem Hügel thront. Das Dörfchen Osve ist kaum auf einer Karte verzeichnet. Genau hier, mitten in der bosnischen Einöde, sollen Dschihadisten des IS einen Stützpunkt aufgebaut haben, wie die britische Zeitung "Mirror" berichtet. Hier sollen sich die Kämpfer auf den "Heiligen Krieg" vorbereiten, um anschließend nach Syrien geschleust zu werden.

Nach Angaben des Terrorexperten Dzevad Galijasevic sollen mindestens zwölf Islamisten von hier aus in den vergangenen Monaten in den Dschihad aufgebrochen sein. Und ihre Zahl nimmt augenscheinlich konstant zu. "Das gewählte Gelände befindet sich auf einem Hügel. Es ist unmöglich, sich zu nähern, ohne gesehen zu werden. Es ist eindeutig, dass die Quelle der terroristischen Bedrohung hier liegt. Und es ist eine große Bedrohung. Es gibt dort niemanden, der dem Aufruf zum Dschihad nicht Folge leisten würde", sagt er dem "Mirror".

"Gewehrfeuer aus den Wäldern"

Aufgrund der geographischen Lage bietet sich Bosnien und Herzegowina gut als Drehkreuz für Islamisten auf ihrem Weg nach Syrien an. Auch um aus den Islamistengebieten nach Griechenland oder in andere europäisch Staaten einzureisen, ist das Land gut gelegen. Zudem ist es in dem Balkanstaat einfach, an Waffen zu kommen, da diese nach dem Krieg in den 90er-Jahren illegal in privatem Besitz verblieben oder gelandet sind und jetzt aufgekauft werden können. Nach Informationen des "Mirror" befürchten Geheimdienste, dass der Terror von Bosnien aus ins Herz von Europa getragen werden könnte.

Das Dörfchen Osve, rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Sarajevo entfernt, lebt bereits in Angst. Vereinzelt sind IS-Fahnen zu sehen. Die Einheimischen sind eingeschüchtert. "Aus den Wäldern hören wir regelmäßig Gewehrfeuer. Ich weiß nicht, was sie genau machen, vielleicht Schießübungen", erzählt ein Dorfbewohner dem "Mirror". Es ist ein bedrückendes Bild, das die britischen Reporter zeichnen. Frauen in Burkas huschen über die Straßen. "Wir werden beobachtet", warnt der einheimische Führer die Journalisten, als sie diese fotografieren wollen. "Wir sollten jetzt gehen. Unsere Gegenwart beginnt Verdacht zu erregen. Es ist ein schöner Ort, aber es ist unglaublich gefährlich hier", warnt er.

Bekennende Terroristen unter den Käufern

"Es macht mir Angst, dass IS-Anhänger hier Land kaufen. Sie bleiben zwar unter sich, aber es ist besser, keine Fragen zu stellen", berichtet ein anderer Dorfbewohner. Nach Informationen des "Mirror" sollen sich unter den Käufern prominente IS-Anhänger und bekennende Terroristen wie Jasin Rizvic und Osman Kekic befinden, die beide derzeit in Syrien kämpfen.

Seit Mai befindet sich das Dorf nach Behördenangaben unter Polizeibeobachtung. "Bosnier, die für den IS gekämpft haben, werden bei Ihrer Rückkehr als Sicherheitsrisiko behandelt, unabhängig davon, ob sie hier Land besitzen oder nicht", zitiert der "Mirror" den Direktor des Zentrums für Sicherheitsstudien in Sarajevo. Laut einer Studie reisten zwischen 2013 und 2014 156 bosnische Männer, 36 Frauen und 25 Kinder nach Syrien aus. Im letzten Jahr kehrten rund 50 von ihnen zurück. 

Ellen Ivits
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